EM 2016: Österreich gegen Portugal, Island und Ungarn

Das ÖFB-Team wurde bei der Auslosung als letzte der 24 Mannschaften in Gruppe F gezogen. Der Auftakt erfolgt am 14. Juni gegen Ungarn.

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EM-Pokal und Logo – REUTERS

Österreichs Gegner bei der EM-Endrunde 2016 in Frankreich stehen fest: Die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller bekommt es in Gruppe F mit Ungarn (14. Juni), Portugal (18. Juni) und Island (22. Juni) zu tun. Die ÖFB-Delegation um Koller, Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner musste sich Samstagabend bei der Auslosung im Pariser Palais de Congres in Geduld üben.

Das ÖFB-Team wurde von „Losfee“ David Trezeguet um 18.54 Uhr erst als letzte der 24 Mannschaften aus Topf zwei gezogen. Das Ergebnis sorgte für durchaus glückliche Mienen. „Wenn man die eine oder andere Gruppe sieht, dann denkt man schon: 'Zum Glück sind wir in Gruppe F'“, meinte Koller mit Verweis auf die Deutschland- oder Spanien-Gruppe – und auch Windtner gestand: „Bei Gruppe C und D sind wir auf Nadeln gesessen, das wären Mördergruppen gewesen. Wir sind froh mit unserer Gruppe – die ist machbar, aber sicher keine 'gmahte Wiesn'“. Kapitän Christian Fuchs sieht die Aufstiegschancen intakt: „Es wird nicht einfach, aber wir brauchen uns nicht verstecken.“

In Abwesenheit des suspendierten Uefa-Präsidenten Michel Platini – beim Ausschnitt eines seiner Tore bei der EM 1984 brandete Jubel auf – wurde im Inneren des streng bewachten Pariser Palais de Congres ein Vorgeschmack auf das Turnier gegeben. Nach der Vorstellung des Gastgeberlandes wurde zu Chansons und Musik von Star-DJ David Guetta – er zeichnet den EM-Song „This One's For You“ verantwortlich – getanzt. Im Anschluss schritten die vier ehemaligen Titelhelden Trezeguet (Frankreich), Oliver Bierhoff (Deutschland), Antonin Panenka (Tschechien) und Angelos Charisteas (Griechenland) zur herbeigesehnten Tat.

Reaktionen: "Es hätte schlimmer kommen können"

Ungarische Tradition

Bereits ab Montag wird sich das österreichische Scouting-Team die ÖFB-Gegner genau unter die Lupe nehmen. Besuche vor Ort, Videostudium und akribische Analyse stehen bis zum Auftaktspiel am 14. Juni auf dem Programm. Erster Kontrahent ist Ungarn, jener Gegner gegen den der ÖFB die meisten Länderspiele seiner Geschichte ausgetragen hat. Die Gesamtbilanz fällt nach 136 Spielen mit 66 Niederlagen, 30 Remis und 40 Siegen jedoch negativ aus. Vier Tage später folgt der Kracher gegen Portugal. „Sie haben mit Ronaldo natürlich einen absoluten Weltklassespieler. Die restliche Mannschaft ist vielleicht nicht ganz so bekannt, aber wir werden uns ausführlich mit ihr beschäftigen“, meinte Koller, der auch vor dem abschließenden Gegner Island warnte. „Eine gefährliche Mannschaft, die zwar nicht so eine große Spielerauswahl hat, aber deren erste Elf nicht einfach zu spielen ist. Sie sind zäh, haben Selbstvertrauen und werden natürlich von der Motivation der ersten EM-Teilnahme überhaupt beflügelt.“ Erst im März 2014 endete ein Testspiel gegen Island in Innsbruck 1:1.

Die Aufstockung der EM auf 24 Teams erhöht die Aufstiegschancen, dafür wurde der Modus etwas komplizierter. Der Weg ist jedenfalls vorgezeichnet: Der Sieger der Österreich-Gruppe trifft im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe E (Belgien, Italien, Schweden, Irland), der Zweitplatzierte auf den Zweiten der Gruppe B (England, Russland, Slowakei, Wales). Zudem steigen die besten vier Gruppendritten ebenfalls in die Runde der letzten 16 auf.

Wo Frankreichs Fußballgott wohnte

Betreffend Quartier sind die Planungen des ÖFB abgeschlossen. Die Mannschaft wird während der EM in der Provence wohnen, Basisquartier ist das Viersternehotel Moulin de Vernegues bei Mallemort. Dieses liegt zwischen Avignon und Aix-en-Provence, rund 40 Minuten Fahrzeit vom Flughafen Marseille entfernt. Die Ankunft des Teams war für 5. Juni angesetzt, diese könnte sich durch den spätestmöglichen Start in das Turnier aber noch nach hinten verschieben. Koller sieht darin „keinen Nachteil. Wir können uns einarbeiten.“ Bis zur EM möchte der ÖFB noch fünf Tests bestreiten, zwei im März, zwei im Mai und einen abschließenden am 4. Juni in Wien. Mit Verantwortlichen von möglichen Testspielgegnern wurde noch am späten Samstagabend gesprochen.

Die Trainingseinheiten von Alaba und Co. werden in der acht Autominuten vom Hotel entfernten 7000-Einwohner-Gemeinde Mallemort stattfinden. Das Hotel ist in parkähnliche Umgebung eingebettet, verfügt über 100 Zimmer sowie einen Spa-Bereich und ein Restaurant. Es könnte ein gutes Omen sein – Frankreich wohnte während der Heim-WM 1998 im Moulin de Vernegues – und wurde Weltmeister. Koller ist mit der Unterkunft zufrieden: „Hier können wir uns optimal vorbereiten. Das Hotel ist eine Mischung aus Alt und Neu, nur wenige Minuten vom Trainingsplatz entfernt und steht uns exklusiv zur Verfügung. In dem von Grünflächen umgebenen Areal finden wir hervorragende Bedingungen vor, um Energie zu tanken.“ Diese wird man bei drei Spielen innerhalb von neun Tagen gewiss auch brauchen.

Die EM-Gruppen im Überblick:

Gruppe A: Frankreich, Rumänien, Albanien, Schweiz

Gruppe B: England, Russland, Wales, Slowakei

Gruppe C: Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland

Gruppe D: Spanien, Tschechien, Türkei, Kroatien

Gruppe E: Belgien, Italien, Irland, Schweden

Gruppe F: Portugal, Island, Österreich, Ungarn

Modus: Die zwei Gruppenersten sowie die vier besten Gruppendritten steigen ins Achtelfinale auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2015)

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