Europa League: Nächste Abfuhr für Rapid

Nach dem 0:6 von Valencia erlebte Rapid im Sechzehntelfinal-Rückspiel der Europa League mit 0:4 eine neuerliche Enttäuschung.

SOCCER - EL, Rapid vs Valencia
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Wunder gibt es gelegentlich auch im Fußball, aber nach dem Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals zwischen Rapid und Valencia hatte sich mit dieser Theorie absolut niemand beschäftigt. Mit 0:6 waren die Hütteldorfer in Spanien untergegangen, es war dies die höchste Niederlage der Wiener in ihrer langen Europacup-Historie. Trainer Zoran Barisic sprach von einer „Wunde“, die Valencia seiner Mannschaft zugefügt hatte, im Happel-Stadion verlangte er demnach eine Reaktion seines Teams. Doch wie kann diese aussehen, nachdem man vor sieben Tagen böse vorgeführt wurde?


Barisic krempelte seine Elf wie auch Valencias Coach Gary Neville im Vergleich zum Hinspiel ordentlich um, veränderte sie an fünf Positionen. So saß Jelic genauso auf der Bank wie der zuletzt in der Meisterschaft gegen Sturm auffällig starke Schobesberger. Erstmals zu Pflichtspiel-Ehren kam Verteidiger Maximilian Wöber, der 18-Jährige – er ersetzte den angeschlagenen Stangl – durfte sich in dieser Saison bislang nur bei den Amateuren in der Regionalliga Ost präsentieren.


Nach der Hinrichtung von Valencia war Rapid zunächst primär darauf bedacht, kein Déjà-vu zu erleben. Die Heimmannschaft stand tief, hatte großen Respekt, es dürfte auch eine Brise Angst im Spiel gewesen sein. Eine Vorwärtsbewegung fand praktisch nicht statt, das hatten die Grünweißen anfangs mit Valencia gemein, wobei die Gäste nicht zum Handeln gezwungen waren.
Es war ein ausgesprochen schlechtes Spiel, das die rund 40.000 Fans bei tiefen Temperaturen in Wien vorgesetzt bekamen. Erste Anzeichen von Fußball ließen sich nach 25 Minuten ausmachen, eine schön vorgetragene Kombination der Spanier verfehlte aber ihren Endzweck. Dass ausgerechnet der junge Wöber den ersten ernstzunehmenden Schuss der Rapidler abgab, war bezeichnend.


Valencia, das vor den Duellen mit Rapid noch in einer tiefen Krise gesteckt war, sollte in Halbzeit zwei den Spaß am Fußball wiederfinden. Nachdem Schwab bei einer großen Kopfballchance (54.) kläglich an Schlussmann Ryan scheiterte, trafen die Iberer innerhalb von nur 13 Minuten durch Rodrido (59.), Feghouli (64.) und Piatti (72.) drei Mal. Die Erkenntnis: Wenn Valencia an diesem Abend wirklich Tore schießen wollte, dann tat es das auch.


Zehn Gegentore in 180 Minuten


Rapid allerdings leistete bei allen Treffern beträchtliche Mithilfe. Es fehlte an Unterstützung aus dem Mittelfeld, die Innenverteidigung war heillos überfordert, auch Tormann Strebinger strahlte keine Sicherheit aus – wie denn auch, der 23-Jährige erinnerte sich wohl an das Mestalla . . .


Die Einwechslungen von Jelic und Schobesberger waren nur noch für Statistikfreunde von Bedeutung. Für größere Freude bei den Fans sorgte da schon der Kurzeinsatz von Schaub, er bestritt nach überstandenem Innenbandriss im Sprunggelenk sein erstes Match seit über zweieinhalb Monaten und musste noch den Schlusspunkt, das 0:4 durch Vezzo, miterleben.


Rapid verspielte damit nicht nur die Chance auf Wiedergutmachung, sondern auch einen möglichen fünften Europacup-Startplatz in der Saison 2017/2018. Mit einem Sieg aus den beiden Spielen gegen Valencia hätte Österreich in der Uefa-Fünfjahreswertung Rumänien noch von Rang 15 verdrängt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2016)

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