Terror in Deutschland

BVB-Anschlag: Islamist aus dem Irak als Verdächtiger verhaftet

Kurz vor dem Champions-League-Spiel waren am Dienstagabend drei Sprengsätze in der Nähe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund explodiert. Innenverteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Das Spiel wird heute Abend nachgeholt. Ein Verdächtiger ist in Haft, ein weiterer bekannt.

Erhöhte Polizeipräsenz beim Borussia-Trainingsgelände in Dortmund am Tag nach dem Anschlag; die Mannschaft wird in einem Ersatzbus befördert.
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Erhöhte Polizeipräsenz beim Borussia-Trainingsgelände in Dortmund am Tag nach dem Anschlag; die Mannschaft wird in einem Ersatzbus befördert.
Erhöhte Polizeipräsenz beim Borussia-Trainingsgelände in Dortmund am Tag nach dem Anschlag; die Mannschaft wird in einem Ersatzbus befördert. – APA/AFP/DPA/MARIUS BECKER

Der Anschlag auf einen Mannschaftsbus des Fußballvereins BVB (Borussia Dortmund) dürfte einen islamistischen Hintergrund haben: Das gab eine Sprecherin der deutschen Generalbundesanwaltschaft am Mittwochnachmittag bekannt. Ein Verdächtiger sei in Haft, ein weiterer flüchtig, hieß es zunächst.

Wenig später kamen neue Informationen aus Medienkreisen heraus: Bei dem Festgenommenen handelt es sich demnach um einen 25-jährigen Migranten aus dem Irak, der zuletzt in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) lebte. Er könnte eine Nahebeziehung zur Terrormiliz "Islamischer Staat" haben. Der zweite Verdächtige sei ein 28-jähriger Mann mit zumindest deutscher Staatsbürgerschaft aus Fröndenberg (ebenfalls Nordrhein-Westfalen). Auch er soll IS-Sympathisant sein. Die Wohnungen beider seien durchsucht worden, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Bei dem vorläufig Festgenommenen werde momentan geprüft, ob auch ein Haftbefehl beantragt werde.

Die Sprengsätze waren laut Bundesanwaltschaft mit Metallstiften bestückt und schleuderten diese mehr als 100 Meter weit. Einer der Metallstifte habe sich in die Kopftstütze eines Bussitzes gebohrt. "Wir können daher von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagte Behördensprecherin Frauke Köhler in Karlsruhe.

"Im Namen Allahs, des Barmherzigen"

Nach Informationen mehrerer deutscher Medien war am Tatort ein Bekennerschreiben gefunden worden, das mit den Worten "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen" beginnt. In dem Schriftstück wird Bezug auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt genommen und behauptet, dass deutsche Tornado-Kampfflugzeuge daran beteiligt seien, Muslime im syrisch-irakischen "Kalifat" des sogenannten Islamischen Staates zu ermorden. Tornados nehmen tatsächlich im Kampf gegen den IS als Aufklärer und Zielzuweiser teil.

Auch ein zweites Bekennerschreiben war im Internet aufgetaucht: Offenbar wurde es auf einer antifaschistischen Internetseite publiziert und dürfte aber einen wirren Hintergrund haben. Darin hieß es etwa, der Bus sei als "Symbol für die Politik des BVB" attackiert worden, der sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten engagiere. Die Internetseite war später nicht mehr erreichbar.

Das Bekennerschreiben im Wortlaut

"Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen,

12 ungläubige würden von unseren Gesegneten Brüder in Deutschland getötet. Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden. Jedoch wir bleiben standhaft durch die Gnade Allahs.

Ab sofort stehen alle ungläubigen Schauspieler, Sänger, Sportler und Sämtliche prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen auf Todesliste des Islamischen Staates.

Und das solange die folgenden Forderungen nicht erfüllt werden:

- Tornados aus Syrien abziehen.

- Ramstein Air Base muss geschlossen werden."

 

Großeinsatz und verstärkte Sicherheitsvorkehrungen

Bei dem Sprengstoffangriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist nach Polizeiangaben auch ein Polizist verletzt worden. Der Beamte habe bei den Detonationen ein Knalltrauma und einen Schock erlitten, teilte die Dortmunder Polizei am frühen Mittwochmorgen mit. Der Polizist sollte den Bus demnach mit einem Motorrad zum Stadion begleiten. Zum Zeitpunkt der Explosionen befand er sich vor dem Mannschaftsbus. Die Ermittlungen der Polizei dauerten unterdessen an.

Kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco waren am Dienstagabend gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze in der Nähe des Mannschaftsbusses des BVB explodiert, als dieser vom Hotel im Dortmunder Stadtteil Höchsten zum Stadion abfuhr. BVB-Innenverteidiger Marc Bartra wurde am rechten Handgelenk verletzt und musste operiert werden. Die Dortmunder Polizei geht nach Angaben von Polizeipräsident Gregor Lange von einem gezielten Angriff auf die Mannschaft des BVB aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf ein Tötungsdelikt. Die konkreten Hintergründe der Tat sind aber noch völlig unklar.

"Gravierender Zwischenfall": Sprengsätze vor BVB-Bus explodiert

Die Ermittlungen der Polizei dauerten am Mittwochmorgen noch an. Ein weiterer verdächtiger Gegenstand, der in Tatortnähe gefunden worden sei, habe sich bei genauerer Untersuchung als "Unrat" entpuppt, erklärte die Polizei. Bereits am Abend war in der Nähe des Tatorts ein Schreiben gefunden worden. Staatsanwältin Sandra Lücke machte aus ermittlungstaktischen Gründen aber keine Angaben zu dessen Inhalt. Das Viertelfinal-Hinspiel gegen den AS Monaco wurde auf Mittwochabend (18.45 Uhr) verschoben.

Die Dortmunder Polizei bereitet sich nach eigenen Angaben auf einen Großeinsatz vor und will mit verstärkten Kräften für Sicherheit sorgen. "Wir werden heute natürlich mit starken Kräften hier vor Ort sein im Stadion, werden aber auch versuchen, unser Möglichstes tun, natürlich die Mannschaften zu schützen", sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, Mittwoch früh im ZDF. "Wir stehen da mit beiden Vereinen und auch mit allen Sicherheitsbehörden in sehr engem Ko ntakt", bekräftigte sie.

Der beschädigte Bus am Mittwochabend
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Der beschädigte Bus am Mittwochabend
Der beschädigte Bus am Mittwochabend – APA/AFP/PATRIK STOLLARZ

 

Polizei prüft Sicherheitskonzept für Bayern-Spiel

Nach der Attacke auf den Bus von Borussia Dortmund will die Münchner Polizei ihr Sicherheitskonzept für den Fußball-Klassiker zwischen dem FC Bayern und Real Madrid noch einmal überprüfen. Die Verantwortlichen werden nach Angaben eines Sprechers am Vormittag über mögliche Konsequenzen für das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am Mittwochabend beraten.

Zur Bewertung der Lage stünden die Beamten auch in Kontakt mit der Dortmunder Polizei, sagte der Sprecher in der Früh weiter. Er betonte aber gleichzeitig: "Wir haben keinerlei Gefährdungshinweise für München und das Spiel."

Fakten und Fragen

  • Am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat es laut Polizei am 11. April gegen 19.15 Uhr drei "ernstzunehmende" Explosionen gegeben.
  • Der Bus wurde an zwei Stellen erheblich beschädigt.
  • Der Vorfall ereignete sich auf dem Weg der Mannschaft vom Teamhotel zum Stadion, in unmittelbarer Nähe zur Hotelausfahrt im Stadtteil Dortmund Höchsten.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts.
  • In der Nähe des Tatorts wurde ein Bekennerschreiben gefunden, dieses musste am Dienstag allerdings noch auf seine Echtheit überprüft werden.
  • Später tauchte ein zweites Bekennerschreiben auf einer antifaschistischen Internetseite auf.
  • BVB-Profi Marc Bartra wurde bei einer Explosion verletzt und musste am Arm operiert werden. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma.
  • Das Spiel wird am Mittwoch um 18.45 Uhr unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen nachgeholt.
  • Hintergründe und Motiv der Tat sind unklar.
  • Wie die Detonationen genau ausgelöst wurden, konnte bisher nicht ermittelt werden. Laut "Spiegel" waren die Sprengsätze wahrscheinlich in Büschen platziert.

(APA/AFP/dpa)

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