Bayern nach Aus in der Champions League: "Wurden beschissen"

Für die Münchner war Referee Viktor Kassai der Schuldige am Viertelfinal-Aus gegen Real Madrid. „Es ist Zeit für den Videobeweis“, forderte Carlo Ancelotti.

Thomas Müller in Diskussion mit dem Schiedsrichter
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Thomas Müller in Diskussion mit dem Schiedsrichter
Thomas Müller in Diskussion mit dem Schiedsrichter – imago/Moritz Müller

In den Katakomben des Santiago-Bernabeu-Stadions gingen Dienstagnacht die Wogen hoch. Nach der 2:4-Niederlage nach Verlängerung gegen Real Madrid und dem damit verbundenen Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League hatte Bayern München rasch den Schuldigen ausgemacht: Referee Viktor Kassai. Nach Spielende verschafften sich Robert Lewandowski, Arturo Vidal und Thiago Zugang zum Schiedsrichterbereich, es hagelte „Beschimpfungen aller Arten“, wie die Sportzeitung „Marca“ berichtete.

Die Stadion-Polizei setzte dem Besuch ein Ende, nicht aber dem bayerischen Frustabbau in aller Öffentlichkeit. „Schändlicherweise hat uns der Schiedsrichter um unsere Arbeit gebracht. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes“, polterte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Ähnlich harsche Worte hagelte es von Vidal: „Wenn dir die Partie auf diese Weise gestohlen wird, ist das sehr bitter. Ein Spiel dieser Klasse sollte nicht vom Referee entschieden werden.“
Selbst der sonst so stoische Carlo Ancelotti hatte sich noch auf dem Feld zu einem höhnischen „good job“ in Richtung Kassai hinreißen lassen. „In einem Viertelfinale der Champions League erwartest du dir einen Schiedsrichter mit mehr Qualität“, sagte der Bayern-Coach auf der anschließenden Pressekonferenz und forderte: „Es ist Zeit für den Videobeweis.“

Kassai, 2011 der Finalschiedsrichter und im Hauptberuf Reisekaufmann, hatte wahrlich einen schlechten Tag, leistete sich Fehler auf beiden Seiten. Ronaldo stand beim 2:2 (deutlich) und 3:2 (knapp) ebenso im Abseits wie Lewandowski (knapp) vor dem Eigentor zum 1:2. Über Vidals zweites Gelb-Foul lässt sich ebenso streiten – der Chilene spielte den Ball, hätte umgekehrt aber eigentlich schon kurz nach der Pause vom Platz müssen – wie den Elfmeterpfiff nach Arjen Robbens Abflug im Strafraum und die inkonsequenterweise ausbleibende zweite Verwarnung für Übeltäter Casemiro.

Eine große Fußball-Show

All die Diskussionen drängten ein hochklassiges Duell auf Augenhöhe über 120 Minuten zu Unrecht in den Hintergrund. Beinahe heroisch muteten auf Bayern-Seite die Einsätze von Jerome Boateng, Mats Hummels und Manuel Neuer an. Torhüter Neuer erlitt in der Verlängerung eine Fraktur im linken Fuß, hielt jedoch ebenso bis zum Ende durch wie die angeschlagen in die Partie gegangenen Innenverteidiger. „Wenn man sieht, wie sie gekämpft haben, da kann man nur den Hut ziehen“, konstatierte Rummenigge.

Zur strahlenden Figur der Show avancierte Cristiano Ronaldo. Der Portugiese erzielte seine Tore Nummer 98, 99 und 100 in der Königsklasse und schoss Real mit fünf Treffern in beiden Spielen fast im Alleingang ins Halbfinale. „Wir haben auf dem Platz leiden müssen, aber jetzt sind wir überglücklich“, sagte der 32-Jährige. So paradox es angesichts der Ausbeute klingen mag: Spielerisch überzeugte er nicht ganz und bekam sogar Pfiffe der eigenen Fans zu hören. „Sie müssen keine Straßen nach mir benennen, mir ist nur wichtig, dass man mich hier in Madrid nicht auspfeift. Ich will den Leuten sagen, dass ich immer mein Bestes gebe“, erklärte Ronaldo.

Zur Schiedsrichterleistung wollte sich der Real-Superstar ebenso wenig äußern wie sein Trainer Zinedine Zidane. „Es passiert auf beiden Seiten, das ist Fußball“, sagte der Franzose, der gegen seinen ehemaligen Mentor Ancelotti die Oberhand behielt. „Unabhängig von Ausschluss und den Abseitspositionen, sechs Treffer in zwei Spielen zeigen, dass wir verdient weiter sind.“ Sein Team darf weiter von der ersten Titelverteidigung träumen, ein möglicher Gegner: Stadtrivale Atletico Madrid (Gesamt 2:1 gegen Leicester).

(swi)

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