Das etwas andere Familientreffen

Die erste Runde des DFB-Pokals steht ganz im Zeichen des Duells zwischen Germania Halberstadt und dem SC Freiburg. Trainervater Andreas Petersen trifft dabei auf Spielersohn Nils.

Stürmer Nils Petersen will für Freiburg treffen.
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Stürmer Nils Petersen will für Freiburg treffen.
Stürmer Nils Petersen will für Freiburg treffen. – imago/Eibner

Halberstadt. Nicht Bayern München, Borussia Dortmund oder RB Leipzig rücken dieses Wochenende in der ersten Runde des DFB-Pokals in den Mittelpunkt des Interesses. Die größten Schlagzeilen im Vorfeld liefert die Begegnung des Viertligisten Germania Halberstadt gegen den Bundesligisten SC Freiburg. Fußballerischer Leckerbissen ist am Samstag Nachmittag (15.30 Uhr, live in Sky) per se keiner zu erwarten, doch sind die Voraussetzungen außergewöhnlich.

Halberstadt gegen Freiburg, das ist auch und medial ausschließlich das Duell zwischen Vater und Sohn. Andreas Petersen, 57, ist Trainer des Außenseiters, Nils Petersen, 28, Stürmer beim Favoriten. Im Hause Petersen weckt dieser Vergleich schon seit der Auslosung am 11. Juni besondere Emotionen. Vater und Sohn verfolgten die TV-Übertragung gemeinsam, sie waren in ihrer ersten Reaktion sprachlos. Es sei „verrückt!“ und „Wahnsinn“, schrieb der Angreifer auf Instagram und erklärte: „Es gibt Dinge, die gibt es gar nicht.“ Immerhin spielte er in der Jugend über drei Jahre für Germania, die Vorfreude war schnell geweckt. „Ich kehre zu meinen Wurzeln zurück.“

 

Papa hat einen Plan

Natürlich wird im Hause Petersen viel über Fußball gesprochen, in den vergangenen Wochen gab es nur ein Thema. Geheimnisse gibt es keine, „niemand kennt mich sportlich und menschlich so gut wie mein Vater“, sagt Person junior. „Er weiß, wie ich ticke, was in mir vorgeht, wie ich plane, was ich kann.“ Das Vertrauensverhältnis könnte größer nicht sein, Petersen senior hatte die Karriere des Sprösslings stets vorangetrieben. „Ohne ihn wäre vieles heute nicht das, was es ist. Prozentual hat er den größten Anteil an meiner Karriere.“ Neben Freiburgs Christian Streich sei sein Vater „der beste Trainer, ich würde sehr gern unter ihm spielen“. Bislang war das noch nie der Fall.

Andreas Petersen gönnt seinem Sohn jeden Erfolg, jedes Tor, für 90 oder mehr Minuten aber werden sämtliche Prinzipien kurzerhand über Bord geworfen. Der Underdog aus Halberstadt hat sich akribisch auf das Spiel des Jahres vorbereitet, man sieht sich gerüstet, ein Stück Pokalgeschichte zu schreiben. „Es wird nicht einfach gegen uns, aber wir gehen auch mit Demut ran. Papa Petersen hat einen Plan. Ich weiß, wie es gehen könnte“, erzählte der 57-Jährige dem „Kicker“. Die Rollenverteilung sei vor dem Anpfiff dennoch eindeutig. „Wir brauchen einen goldenen Tag.“

Für das etwas andere Familientreffen beißt Andreas Petersen auf die Zähne. Zwölf Tage lag er zuletzt im Krankenhaus, ein künstliches Kniegelenk war ihm eingesetzt worden. Gegen Freiburg wird er an die Bank gefesselt sein, die Anweisungen am Spielfeldrand gibt sein Kotrainer, die Laufwege seines Sohnes wird er dennoch ganz genau verfolgen.

 

„Ein ekliger Gegner“

Freiburg ist jedenfalls gewarnt. Der Saisonstart misslang völlig, in der Qualifikation zur Europa League schied man gegen den slowenischen Pokalsieger Domzale aus. Nils Petersen, mit neun Joker-Toren in der Vorsaison Bundesliga-Spitzenreiter, sagt: „Jedes Jahr gibt es Überraschungen im DFB-Pokal. Und auch Germania wird über sich hinauswachsen. Es ist das Spiel des Jahres. Sie können marschieren, gut verteidigen und kontern. Alles beste Voraussetzungen, um ein ekliger Gegner für uns zu sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

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