Und ewig lockt die Jagd auf Bayern München

Der Titelverteidiger gilt nicht zuletzt aufgrund der Verpflichtung des Kolumbianers James Rodríguez als Top-Favorit. Können Leipzig oder Dortmund überraschen?

Neuzugang James Rodr´ıguez, 26: Hoffnungsträger der Münchner.
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Neuzugang James Rodr´ıguez, 26: Hoffnungsträger der Münchner.
Neuzugang James Rodr´ıguez, 26: Hoffnungsträger der Münchner. – (c) REUTERS (STRINGER)

Neue Anstoßzeiten, alte Favoriten, viel Tradition. Nach 13-wöchiger Sommerpause startet die Bundesliga am Freitag mit dem Spiel zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen (20.30 Uhr, live in ZDF, Sky) in ihre 55. Saison. Die weitere Zerstückelung der Spieltage und die Einführung des Videobeweises werten viele Beobachter als unvermeidlichen Aufbruch in die Moderne. Wenig Veränderungen werden jedoch im Titelkampf erwartet. Ein Ende der nunmehr fünfjährigen Münchner Alleinherrschaft scheint nicht in Sicht. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur gaben die Trainer ein deutliches Votum ab. 15 Coaches glauben an den sechsten Titel in Serie für Rekordmeister FC Bayern. Immerhin zwei trauen auch Borussia Dortmund Platz eins zu – die meisten sehen den BVB und RB Leipzig als Herausforderer.

Die Zeiten aber, in denen sich die Bayern 25 oder 19 Punkte Vorsprung wie 2013 und 2014 erspielten, sind nach Meinung des Mönchengladbacher Trainers Dieter Hecking aber vorbei. „Insgesamt ist die Liga in der Lage, den Abstand zu verkürzen. Die Bayern werden mehr Stolpersteine auf ihrem Weg haben. Das kann die spannendste Saison aller Zeiten werden.“ Die größere Ausgeglichenheit der Liga stützt diese These. Außenseiter wie Greuther Fürth, Paderborn, Darmstadt und Ingolstadt, die den Marktgesetzen in den vergangenen Jahren zumindest für kurze Zeit in erfrischender Manier trotzten, sind nicht mehr dabei. Mit dem VfB Stuttgart und Hannover 96 kehrten zwei Traditionsteams zurück, die in der ewigen Bundesligatabelle Rang fünf und 15 belegen. Eine Prognose, welche Klubs zu den Abstiegskandidaten zählen, scheint nicht zuletzt deshalb schwieriger denn je.


Bayerns monetäre Zugkraft. Was für einen neuerlichen Alleingang der Bayern spricht, ist deren hohe Investitionsbereitschaft. Kein Verein gab bisher auch nur annähernd soviel Geld für die Verstärkung des Kaders aus. Profis wie Leihspieler James Rodríguez, Corentin Tolisso, Niklas Süle, Sebastian Rudy und Kingsley Coman (war bisher nur ausgeliehen) kosteten gut 90 Millionen Euro und sollen helfen, den Verlust solcher Erfolgsgaranten wie Philipp Lahm und Xabi Alonso zu kompensieren. Dem vermeintlichen Hauptkonkurrenten aus Dortmund könnte zum Vorteil gereichen, dass in diesem Jahr ausnahmsweise (noch) kein Leistungsträger verloren ging. Ob die rund 44 Millionen Euro teuren Zukäufe die Schlagkraft erhöhen, wird auch davon abhängen, ob das Konzept des neuen Trainers Peter Bosz greift.

Mehr als über das Kräfteverhältnis der Liga oder deren bisherige Transferausgaben wurde zuletzt über die Einführung des Videobeweises diskutiert. Nach dem Fehlstart beim Supercupsieg der Bayern in Dortmund, als eine technische Panne die Beurteilung einer angeblichen Abseitsposition verzögerte, fühlen sich die Kritiker bestätigt. Zum großen Kreis der Skeptiker gehört Uli Hoeneß. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es Blödsinn ist. Wenn wir mal bei zehn Grad minus spielen und während eines Spiels wird fünfmal zwei Minuten unterbrochen, dann musst du noch die Fitnesstrainer auf den Platz schicken, damit die Spieler warm bleiben“, spottete der Bayern-Präsident.


Mehr Termine. Weniger kritisch beurteilen die Vereinsbosse dagegen die weitere Zerstückelung des Spieltages. Schließlich wächst damit die Chance, mehr TV-Gelder zu erlösen. Zum Verdruss vieler Fans finden erstmals fünf Partien an einem Montag (20.30 Uhr) statt. Das späte Sonntagsspiel wird nicht mehr um 17.30 Uhr, sondern erst um 18 Uhr angepfiffen. Darüber hinaus beginnen fünf Sonntagspartien bereits um 13.30 Uhr. „Es nützt nichts, wenn man puristisch argumentiert. Mir wäre es auch am allerliebsten, alle Spiele wären am Samstagnachmittag. Aber dann bekommen wir so wenig Fernsehgeld, dass wir international gar keine Chance haben“, befand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Der Kölner Sportchef Jörg Schmadtke sieht es ähnlich pragmatisch: „Einerseits schreien die Vereine danach, dass sie mehr Geld einnehmen wollen. Also versuchen Christian Seifert (DFL-Chef) und die DFL einen Wettbewerb hinzubekommen. Und am Ende beschweren wir uns, dass wir unter der Dusche nass werden.“

Auf einen Blick

Die Saison startete mit der ersten Runde im DFB-Pokal.

Ergebnisse (Auswahl):

Karlsruhe – Leverkusen (Özcan, Baumgartlinger, Dragovic/alle auf der Bank) 0:3 n.V., Essen – Gladbach 1:2, Chemnitzer FC – Bayern (Alaba ab 63., Friedl/Bank) 0:5, Lüneburg – Mainz (Onisiwo ab 65.) 1:3, 1. FC Rielasingen Arlen – Dortmund 0:4, Leher TS – Köln 0:5.

1. Bundesliga-Spieltag:

Freitag: Bayern – Leverkusen (20.30)

Samstag: Hoffenheim – Bremen, Hertha - Stuttgart, Hamburg – Augsburg, Mainz – Hannover, Wolfsburg – Dortmund (je 15.30), Schalke – Leipzig (18.30).

Sonntag: Freiburg - Frankfurt (15.30), Gladbach – Köln (18)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2017)

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