Der Fall Dembélé und die Unsitten des Fußballs

Der Franzose Ousmane Dembélé, 20, möchte zwanghaft zum FC Barcelona wechseln, obwohl sein Vertrag bei Borussia Dortmund noch vier Jahre Gültigkeit besitzt. Für den BVB ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Mit Video.

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APA/AFP/PATRIK STOLLARZ

Der souveräne Pokal-Auftritt von Borussia Dortmund beim 1. FC Rielasingen-Arlen (4:0) geriet völlig zur Randnotiz, denn seit einigen Tagen gibt es beim BVB in Wahrheit nur ein Gesprächsthema: Ousmane Dembélé. Seit Bekanntwerden der Bemühungen des FC Barcelona um eine Verpflichtung des Franzosen hat Dembélé keine Lust mehr, für Dortmund Fußball zu spielen.

Beim Mannschaftsfoto für die neue Saison zog der 20-Jährige eine finstere Miene, er sieht sich nicht länger als Teil des schwarzgelben Konstrukts, möchte lieber heute als morgen das Trikot des FC Barcelona überziehen. Allerdings, der Franzose hat in Dortmund einen Vertrag bis 2021. Dembélé scheint diese Tatsache vergessen zu haben, vergangene Woche war er kurzerhand nicht zum Training erschienen – unentschuldigt. Eine gezielte Aktion, er wollte damit seinem Wechselwillen Nachdruck verleihen. Ein erstes Angebot der Katalanen über 90 Millionen Euro hatten die Deutschen abgelehnt.

Bayerns Solidaritätskundgebung

Dortmund reagierte mit der Suspendierung Dembélés für das Pokalspiel, am Sonntag gab der Verein bekannt, dass diese „bis auf Weiteres“ aufrechterhalten bleibt. „Unser Fokus liegt jetzt auf einer konzentrierten Vorbereitung der Mannschaft auf den Bundesligaauftakt am kommenden Wochenende in Wolfsburg“, erläuterte Sportdirektor Michael Zorc auf der BVB-Homepage. „Ousmane Dembélé hat selbstverständlich die Möglichkeit, ein individuelles Training abseits der Gruppe zu absolvieren.“ Darüber hinaus will sich der Klub in dem brisanten Fall zunächst „nicht weiter zum Sachverhalt äußern.“

 

Das konsequente Dortmunder Vorgehen, das erste Angebot des FC Barcelona abzulehnen und die Suspendierung des Franzosen fortzusetzen, nötigte derweil selbst den Liga-Konkurrenten Respekt ab. „Ich finde, dass sich der BVB bislang sehr klug verhalten hat“, lobte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, „man muss als großer Verein, das ist Dortmund nun mal, auch mal Stärke zeigen und sagen: Entweder wir kriegen, was wir uns vorstellen, oder er hat zu bleiben.“

BVB-Erzrivale Hoeneß äußerte viel Verständnis für die Dortmunder Marschroute, entweder den gewünschten Preis für Dembélé in angeblicher Höhe von mindestens 130 Millionen zu generieren oder den Ablauf der Transferfrist abzuwarten. „Der 31. August kommt bald. Bis dahin können sie ihn auf einem Nebenplatz trainieren lassen. Am 1. September muss er wieder Vollgas geben, er wird seinen Marktwert halten wollen.“
Das Vorgehen des trotzigen 20-Jährigen hält der Bayern-Präsident für skandalös: „Wenn der Spieler nicht zum Training kommt, dann hat er das ganz alleine zu verantworten und kann nicht den Berater vorschieben.“

Nicht länger ein Fan-Liebling

Das leidige Thema wird dem BVB auch in den kommenden Tagen erhalten bleiben und für Störgeräusche sorgen. Dabei hatte sich die Vereinsführung nach den Turbulenzen um die Trennung von Trainer Thomas Tuchel am Ende der vorigen Saison eigentlich nach mehr Ruhe gesehnt. Kaum vorstellbar, dass Dembélé auch in der kommenden Saison für die Borussia stürmt. Bei den Fans hat er mit seiner inakzeptablen Verweigerungshaltung jedenfalls reichlich Sympathien verspielt. (cg/ag.)

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