Das Torfeuerwerk der Young Boys

Wo Adi Hütter an der Seitenlinie steht, ist der Erfolg nicht weit. Derzeit macht sich der Teamchefkandidat in der Schweiz daran, die Dominanz des FC Basel zu brechen.

Ist Adi Hütter reif für den Titel?
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Ist Adi Hütter reif für den Titel?
Ist Adi Hütter reif für den Titel? – REUTERS

Bern/Wien. Marcel Koller ist ein Teamchef mit Ablaufdatum, gegen Serbien am Freitag und Moldau am Montag dürfte der Schweizer zum letzten Mal auf der ÖFB-Betreuerbank sitzen. Als möglicher Nachfolger wird unter anderem Adi Hütter gehandelt, jedenfalls legt der Vorarlberger gerade den beeindruckendsten Erfolgslauf aller Kandidaten hin: Hütter lässt die Young Boys Bern nicht nur vom ersten Schweizer Meistertitel seit 1986 träumen, er hat auch die gesamte Schweizer Liga wieder spannend gemacht. „Grundsätzlich möchte ich mit einer Klubmannschaft arbeiten“, hat der 47-Jährige zwar erklärt, gänzlich ausschließen wollte er ein Engagement als Teamchef allerdings auch nicht.

Am Sonntag zündete Hütter ein Feuerwerk: Vor 20.000 Zuschauern im Stade de Suisse fertigten seine Young Boys St. Gallen mit 6:1 ab. „Ich habe schon lange kein Spiel mehr so genossen“, meinte der Coach. Nach zehn Runden (sieben Siege, eine Niederlage, 25:8 Tore) liegt Bern sechs Punkte vor dem zweitplatzierten FC Zürich.

2015 war Hütter in die Schweizer Hauptstadt gekommen, seither wurde er zweimal Vizemeister hinter dem übermächtigen FC Basel. „Um Zweiter zu werden, bin ich nicht hierhergekommen“, stellte er klar, früher oder später wolle er zum Serienmeister aus Basel aufschließen. Heuer ist es soweit, gleich zum Ligaauftakt düpierte er den Titelverteidiger mit 2:0. Während sich der Tabellendritte im Umbruch befindet (neuer Präsident, neuer Trainer), haben die Young Boys die Gunst der Stunde ergriffen. Hütters einziger Wermutstropfen: Eine unattraktive Europa-League Gruppe mit Dynamo Kiew, Partizan Belgrad und Skenderbeu Korce (ALB). Bern ist aktuell Tabellenzweiter hinter Kiew (die Ukrainer hatte man schon aus der Champions-League-Qualifikation geworfen, ehe man im Play-off an ZSKA Moskau scheiterte).

In der Schweiz beweist Hütter, was seine bisherige rund zehnjährige Trainerkarriere vermuten ließ: Wo die Austria-Salzburg-Legende auftaucht, ist der Erfolg nicht weit. Nur einmal wurde er entlassen, als Tabellenzweiter der Ersten Liga, als er mit Altach 2012 im dritten Anlauf den Bundesliga-Aufstieg verpasst hat. Mit Grödig gelang ihm der Aufstieg ein Jahr später auf Anhieb, er mischte die Bundesliga auf, führte den Dorfklub auf Rang drei und damit sensationell in den Europacup. Es folgte der Ruf aus dem benachbarten Salzburg, Hütter holte souverän das Double 2015, zog wegen der neuen Red-Bull-Vereinspolitik („Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer“) aber schnell nach Bern weiter.

Doch auch die Schweiz ist wohl nur eine Station, am Saisonende läuft sein Vertrag aus. Hütters Traum lautet deutsche Bundesliga, daraus macht er kein Geheimnis. Marcel Koller hat den Sprung von der Schweizer Super League nach Deutschland einst geschafft. Wie Koller unlängst erinnerte, hatte er solche Angebote aber auch als ÖFB-Teamchef vorliegen. Nur eilten Alaba und Co. damals noch von Sieg zu Sieg. (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2017)

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