Weltraumverbot und Schafshoden

Im Falle der Unabhängigkeit Kataloniens darf Lionel Messi den FC Barcelona ablösefrei verlassen. Verhaltensregeln, Reisewünsche, Kriegsfall etc. – es gibt unglaublich kuriose Klauseln.

Lionel Messi in gewohnter Pose und im Dress des FC Barcelona. Wird Katalonien unabhängig, könnte der Argentinier ablösefrei wechseln.
Lionel Messi in gewohnter Pose und im Dress des FC Barcelona. Wird Katalonien unabhängig, könnte der Argentinier ablösefrei wechseln.
Lionel Messi in gewohnter Pose und im Dress des FC Barcelona. Wird Katalonien unabhängig, könnte der Argentinier ablösefrei wechseln. – REUTERS

Barcelona. Im Fußball muss man sich für alle Eventualitäten wappnen – Verletzungen, Abstiege, sportliche wie politische Krisen. Davon zeugt eine Klausel im Vertrag von Barça-Star Lionel Messi. Für den Fall einer katalanischen Unabhängigkeit dürfte der Argentinier den Klub ablösefrei verlassen. Voraussetzung: Der Klub spielt dann in keiner europäischen Topliga in England, Deutschland, Italien oder Frankreich mit.

Barcelona hatte in weiser Voraussicht bei Messis Vertragsverlängerung eine „Katalonien-Klausel“ vereinbart. Im Falle einer Loslösung von Spanien wäre Barça in der Primera División nicht mehr spielberechtigt. Das ließ der Ligaverband bereits mitteilen.

 

Hubschrauber statt Auto

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Veränderung der politischen Großwetterlage Einfluss auf die Vertragsgestaltung nimmt. Fußballtrainer Bernd Stange drängte als Teamchef des Irak auf eine Ausstiegsklausel im Kriegsfall, von der er 2004 – ein Jahr nach der US-Invasion – Gebrauch machte.

HSV-Coach Frank Pagelsdorf ließ 1997 eine Klausel in seinen Kontrakt schreiben, die ihm das Recht auf vorzeitige Kündigung gewährte, sollte Uwe Seeler nicht mehr Präsident sein. Auch José Mourinho hat eigene Vorstellungen. „Mein Vertrag ist simpel“, erklärte er 2010, als er bei Inter Mailand unterschrieben hatte. „Ich habe einen Dreijahresvertrag, mit einer Klausel, die es mir erlaubt zu gehen, wann ich möchte.“

Auch Spieler waren in der Vergangenheit gute Verhandler. So ließ sich Torhüter Jens Lehmann einst beim VfB Stuttgart vertraglich zusichern, nach Trainings nicht auslaufen zu müssen und mit dem Hubschrauber nach Berg am Starnberger See zu seiner Familie zu fliegen. Kosten: 1000 Euro pro Flug. Der Helikopterlärm sorgte zwar für Ärger bei Anrainern, aber 250 Kilometer Anfahrt waren dem ehemaligen DFB-Teamtorhüter doch zu viel.

Ballzauberer Krassimir Balakow, der unter VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder alle Freiheiten genoss, bedang sich in den 1990er-Jahren das Sonderrecht aus, wonach sich sein Vertrag bei Vorlegen eines gültigen Attests automatisch um ein Jahr verlängerte.

 

Nicht spucken: Eine Million

Kongos Nationalspieler Rolf-Christel Guie-Mien unterschrieb in Frankfurt nur unter der Bedingung, dass seine Frau einen Kochkurs bekommt.

Und in Österreich? Erinnerlich ist vor allem der kuriose Fall von Stürmer Larry Kayode. Bestellte der ehemalige Austria-Legionär während des Trainingscamps Essen auf sein Zimmer, musste er 50 Euro Strafe zahlen. Blieb das Licht nach Mitternacht an, verdoppelte sich die Strafe. Handy in der Kabine? 100 Euro. Falscher Dresscode? 100 Euro. Verspätung? 100 Euro für fünf Minuten.

Für England sind das lächerliche Beträge. Mario Balotelli bekam in Liverpool eine Million Pfund, wenn er nicht öfter als dreimal pro Saison Gegenspieler anspuckte.

Manager sind kreativ, was Klauseln anbelangt. So schrieb Geschäftsmann Sam Hammam, Präsident des FC Wimbledon, in den Vertrag des Teammanagers Bobby Gould, dass er das Recht hätte, bis 45 Minuten vor Anpfiff die Aufstellung zu ändern. 1988 gewann der Klub den FA-Cup. Überliefert ist auch die Erzählung, dass er als Klubeigner in Cardiff City Spencer Prior dazu verpflichtete, Schafshoden zu verspeisen.

Kurios war die Klausel, die Neil Ruddock bei Crystal Palace akzeptieren musste: Sollte er sein Kampfgewicht von 99,8 Kilogramm überschreiten, drohte ihm eine Gehaltskürzung von zehn Prozent. Ruddock überschritt dieses Limit acht Mal. Dagegen wirkt das Weltraumverbot, das Sunderland 1999 dem schwedischen Mittelfeldspieler Stefan Schwarz auferlegte, eigentlich recht gnädig.

In Verträgen werden zuhauf Bedingungen vereinbart, die nie eintreten. Dass sich Katalonien von Spanien abspaltet und Messi ablösefrei wechselt, ist eine Illusion. Dass hingegen ein Investor die Ablösesumme von 700 Millionen Euro auf den Tisch legt, erscheint nicht mehr ganz utopisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2018)

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