Europa League: Salzburgs Kunststück wartet auf Vollendung

Der heimische Meister kann im Heimspiel gegen Borussia Dortmund den Aufstieg besiegeln und als erstes österreichisches Team seit Austria 2005 in ein Europacup–Viertelfinale einziehen.

Valon Berisha und Stefan Lainer (r.) wollen nach dem Abpfiff in Salzburg wieder jubeln.
Valon Berisha und Stefan Lainer (r.) wollen nach dem Abpfiff in Salzburg wieder jubeln.
Valon Berisha und Stefan Lainer (r.) wollen nach dem Abpfiff in Salzburg wieder jubeln. – (c) APA/AFP/PATRIK STOLLARZ (PATRIK STOLLARZ)

Salzburg/Wien. Vor der Rekordkulisse von 29.250 Zuschauern in der Red-Bull-Arena kann Salzburg dem österreichischen Fußball eine seltene Sternstunde bescheren. Die Mannschaft von Marco Rose geht heute (21.05 Uhr, live, Puls4) mit einem 2:1-Vorsprung in das Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Borussia Dortmund. „Für uns hat sich nur geändert, dass außenrum eine große Euphorie, auch ein großes Echo entstanden sind“, erklärte der Deutsche und ließ keinen Zweifel an der Marschroute. „Wir müssen wieder ans Limit gehen.“

Für das letzte Viertelfinale in einem europäischen Bewerb mit rot-weiß-roter Beteiligung gilt es schon, die eigene Erinnerung zu bemühen. 13 Jahre ist es her, dass Austria Wien im Uefa Cup unter den letzten acht gestanden ist. Gegen Parma bedeutete nach einem 1:1 zu Hause (Austria-Torschütze: Sebastian Mila) ein torloses Remis in Italien den Abschied. Zuvor hatten die Veilchen immerhin Athletic Bilbao und Real Saragossa eliminiert. Sturm Graz glänzte 2000/01 in der Champions League mit Siegen gegen Galatasaray Istanbul, AS Monaco, Glasgow Rangers und dem Aufstieg in die kurzzeitig eingeführte Zwischenrunde.

In jüngerer Vergangenheit ist das Europacup-Frühjahr zu einer reinen Salzburger Angelegenheit geworden. In der Red-Bull-Ära war insgesamt dreimal im Sechzehntelfinale Endstation (gegen Standard Lüttich, Metalist Charkiw und Villarreal), nach dem fulminanten Aufstieg gegen Ajax Amsterdam bedeutete im bislang einzigen Achtelfinale 2013/14 eine 1:2-Heimniederlage das Aus gegen den FC Basel.

Vorgängerklub Austria Salzburg stand 1994 im Uefa Cup das einzige Mal im Viertelfinale und scheiterte in weiterer Folge erst im Endspiel an Inter Mailand. Auf dem Weg dorthin wurden Eintracht Frankfurt und Karlsruhe ausgeschaltet, für den dritten österreichischen Sieg in einem K.-o.-Duell mit deutschen Klubs (ohne DDR) zeichnete Rapid 1997 im Uefa Cup gegen 1860 München verantwortlich.

 

Auf den Spuren von Ajax

Neben dem souveränen Auftritt in Dortmund vergangene Woche nährt auch der Blick auf die Statistik die Aufstiegshoffnung: Der heimische Meister ist seit 32Pflichtspielen und 18Europacuppartien ungeschlagen. Auf europäischer Bühne gingen die Salzburger letztmals am 20. Oktober 2016 zu Hause gegen Nizza (0:1) als Verlierer vom Platz, seither wurden elf Siege und sieben Remis erreicht. Eine noch längere Serie (21) hat nur Ajax Amsterdam zwischen 1994 und 1996 vorzuweisen, in dieser Zeit krönten sich die Niederländer auch mit dem Champions-League-Sieg in Wien gegen den AC Milan.

Allerdings ist die Vergänglichkeit vergangener Erfolge auch Rose bestens bekannt. „Ich weiß, was kommt, wenn wir es schaffen. Ich weiß aber auch, was kommt, wenn wir es nicht schaffen“, meinte der 41-Jährige. Bezüglich der Aufstellung wollte sich der Salzburg-Coach nicht in die Karten schauen lassen, bei der taktischen Ausrichtung legte er sich hingegen fest. Es gelte, der eigenen Spielphilosophie treu zu bleiben, anzugreifen, aktiv zu sein. „Es hat keinen Sinn, gegen so eine Mannschaft ein Spiel hinzulegen, das unserem Fußball nicht gerecht wird.“

Dortmund ist angesichts des Rückstands gefordert, hat von den letzten elf Europacupspielen allerdings nur eines gewonnen. „Wir haben noch eine Möglichkeit, es zu reparieren“, sagte Peter Stöger, dessen Zukunft beim Klub über den Sommer hinaus auch vom Ausgang dieses Duells abhängt.

Dem Highlight nicht gerecht wird der ramponierte Rasen im Salzburger Stadion. „Ein Teppich wie in Dortmund wird es wahrscheinlich nicht sein“, meinte Torhüter Alexander Walke. Viel wichtiger wäre es, er würde zur Bühne für den Aufstiegsjubel avancieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

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