Analyse

Fußball: Trügerische Trophäen der Scheichs

Manchester City und Paris Saint-Germain stehen nicht nur, aber auch dank der Millionen vom Persischen Golf vorzeitig als Meister fest. International sind sie aber weiterhin chancenlos.

Markiert 2018 den Beginn einer blauen Manchester-Dynastie? Der City-Anhang weiß jedenfalls, wem er diesen Titel zu verdanken hat.
Markiert 2018 den Beginn einer blauen Manchester-Dynastie? Der City-Anhang weiß jedenfalls, wem er diesen Titel zu verdanken hat.
Markiert 2018 den Beginn einer blauen Manchester-Dynastie? Der City-Anhang weiß jedenfalls, wem er diesen Titel zu verdanken hat. – (c) Reuters

Wien. Pep Guardiola nannte einst Alex Ferguson als eines seiner Vorbilder. Als der Schotte 1993 das erste Mal Meister mit Manchester United wurde, und zwar dank eines Sieges von Oldham Athletic über Aston Villa, weilte er auf dem Golfplatz. Und als am Sonntag eine 0:1-Heimblamage von Manchester United gegen den Tabellenletzten, West Bromwich, Pep Guardiola und Manchester City schon fünf Runden vor Saisonende die englische Meisterschaft bescherte, war auch der Spanier mit seinem Sohn gerade dabei, abzuschlagen.

In England bemühen sie nun Vergleiche mit Fergusons United der späten 1990er-Jahre mit Beckham, Giggs und Scholes, oder mit Arsène Wengers Arsenal Anfang der 2000er mit dem überragenden Thierry Henry. Damals hatte es in der Premier League zuletzt eine solch überlegene Mannschaft gegeben wie jene von Guardiola, die heuer nicht nur, aber auch dank der Millionen aus den Emiraten zum Titel gestürmt ist.

Bemerkenswert ist diese Dominanz vor allem, weil City einer von mittlerweile sechs ernsthaften Titelkandidaten in England ist, wenn auch der finanzkräftigste. Doch Guardiola hat nicht die Rekordtransfers des Jahres getätigt wie Stadtrivale United, sein früherer Klub FC Barcelona oder das ebenfalls mit Scheich-Millionen ausgestattete Paris Saint-Germain. Er hat sich einfach nach und nach die besten Verteidiger der Insel gesichert, außerdem mit Ederson einen Weltklassetormann.

So wurde von Ende August bis Ende Dezember mit einer Serie von 18 Siegen in Folge die Basis für den Meistertitel gelegt. Darunter wahre Offensivfeuerwerke der Angriffsreihe mit Sané, Sterling und allen voran David Silva. Schon bald war klar: Bei City wurde nicht nur eingekauft, Guardiola hat zahlreiche seiner Schützlinge wie Kevin De Bruyne, den Taktgeber im 4-3-3, zu noch besseren Spielern gemacht. Die Mannschaft hat es in der Hand, die Saison mit den meisten Punkten, Siegen und Toren in der Geschichte der Premier League zu beenden.

Aber all das war nicht genug für die Champions League. Gut möglich zwar, dass es heuer für mehr gereicht hätte, wäre das Viertelfinal-Los nicht ausgerechnet auf Liverpool (gesamt 1:5) gefallen. Dort hat Jürgen Klopp das perfekte Rezept gegen dieses Manchester City kultiviert, wie Guardiola selbst zugeben musste. Manche aber meinen, der Ballbesitzfußball des Katalanen wäre längst überholt, zu oft sei er zuletzt in der Champions League damit gescheitert, mit dem FC Bayern und eben Manchester City, nationale Dominanz hin oder her. Das würde auch bedeuten, dass der Wille, das Spiel zu gestalten, noch dazu in sehenswerter Art und Weise, am Ende bestraft wird. Sollte Guardiola wie schon in München an seinem Dreijahreszyklus festhalten, hat er in Manchester noch eine Saison, um das Gegenteil zu beweisen.

Mit Paris Saint-Germain hat am Sonntag ein anderer Scheichklub vorzeitig den Meistertitel eingefahren. Scheinbar unerschöpflichen Mitteln aus Katar zum Trotz haben es aber auch die Franzosen wieder nicht unter die Top vier der Champions League geschafft. Dort spielen Traditionsklubs aus den vier Topligen Europas den Titel aus.

Um international zu bestehen, ist das Pariser Starensemble zu Hause schlichtweg unterfordert. 7:1 wurde der erste Verfolger, AS Monaco, am Wochenende abgefertigt, danach die Meisterschaft, die fünfte in den vergangenen sechs Jahren, bejubelt. Im Sommer hatte Paris den Monegassen Topstar Kylian Mbappé weggekauft, Lyon und Marseille kommen wirtschaftlich längst nicht mehr mit. Paris fehlt der ständige Wettkampfdruck, die Offensive mit Neymar, Mbappé, Cavani und Di Maria marschierte geradezu durch die Abwehrreihen der Ligue 1.

Erstaunlich schnell ist PSG dann im Champions-League-Achtelfinale gegen Real Madrid an seine Grenzen gestoßen. Der Klub ist frustriert, ob Cavani, Di Maria und Pastore bleiben werden, ist ungewiss, die Hintermannschaft ist in die Jahre gekommen. Thomas Tuchel, sollte er tatsächlich Unai Emery im Sommer beerben, wird einen Umbruch einleiten müssen.

Zur Person

Nasser al-Khelaifi, 44, versuchte sich einst als Tennisprofi (bestes ATP-Ranking: 995). Seit 2011 ist er Präsident von Paris Saint-Germain und Vorsitzender des katarischen Staatsfond QSI, der sich für 130 Mio. Euro bei PSG eingekauft hat. Er ist zudem CEO der BeIN Media Group.

Zur Person

Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan, 47, stammt aus der Herrscherfamilie Abu Dhabis. Seiner Abu Dhabi United Group gehört seit 2008 Manchester City. Der passionierte Langstreckenreiter leitet auch den Staatsfonds International Petroleum Investment Company.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2018)

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