Kroatiens Jackpot an der Seitenlinie

Als Feuerwehrmann geholt, könnte Zlatko Dalić nun den WM-Titel feiern.

Zlatko Dalić: vom No-Name zum Helden.
Zlatko Dalić: vom No-Name zum Helden.
Zlatko Dalić: vom No-Name zum Helden. – (c) APA/AFP/YURI CORTEZ (YURI CORTEZ)

Moskau/Wien. Luka Modrić, Ivan Rakitić oder Mario Mandžukić sind im Weltfußball etablierte Namen, nicht aber Zlatko Dalić. Kaum einer kannte vor der Endrunde den Mann, der Kroatiens Stars bei dieser WM-Endrunde jetzt bis ins Finale führte. Erst vergangenen Oktober hat der 51-Jährige die Nationalmannschaft vor dem letzten Qualifikationsspiel übernommen und anschließend das Play-off gegen Griechenland gemeistert. Sieben Monate später ist aus der vermeintlichen Notlösung ein Jackpot geworden.

„Unser Problem der letzten zehn Jahre war, dass wir großartige Individualisten, aber keine Mannschaft hatten“, erklärte Dalić das Erfolgsrezept. Für die meisten Fans damals ein unbeschriebenes Blatt, vertrauten ihm die Stars auf Anhieb, auch weil ihn viele bereits als Kotrainer in der U21-Auswahl (2006–2011) kennengelernt hatten. „Seit ich im Nationalteam bin, habe ich noch nie so einen Zusammenhalt gesehen“, schwärmte Real-Madrid-Profi Modrić.

Geboren im heutigen Bosnien und Herzegowina tingelte Dalić während seiner 25-jährigen Profikarriere durch das damalige Jugoslawien, der Sprung zu einem internationalen Topklub aber blieb ihm verwehrt. Als Trainer verschlug es ihn nach einer Saison bei HNK Rijeka in den Nahen Osten, zunächst nach Saudiarabien und später in die Vereinigten Arabischen Emirate. Al Ain führte er zu je einem Meistertitel und Pokalsieg. 2016 stand der Klub im Finale der asiatischen Champions League, unterlag jedoch Jeonbuk aus Südkorea.

Nach einer Niederlage gab Dalić im Jänner 2017 in einer emotionalen Abschiedsrede seinen Rücktritt bekannt, nahm sich danach eine Auszeit. Acht Monate später folgte überraschend der Sprung auf die große Bühne. Nach dem 1:1 gegen Island trennte sich der kroatische Verband von Ante Čačić, und Dalić bekam 48 Stunden Vorbereitungszeit für das Entscheidungsspiel gegen die Ukraine. „Scheitern ist keine Option“, erklärte der tiefgläubige Katholik bei seinem Antritt. Die Mannschaft leistete Folge, gewann in Kiew 2:0.

Inzwischen wurde Dalićs Vertrag bis 2020 verlängert, und Kroatien steht erstmals im WM-Finale. „Wir haben Geschichte geschrieben. Angesichts der Zustände und der Infrastruktur in unserem Land haben wir ein Wunder vollbracht“, sagte der 51-Jährige. „Das ist einer der größten Sporterfolge Kroatiens, und ich bin glücklich, dass er unter meiner Führung passiert ist.“

Die Außenseiterrolle im Finale gegen Frankreich nimmt Dalić an, den derzeit besten Fußballer aber wähnt er in seinen Reihen. „Luka Modrić ist der Spieler des Turniers, unabhängig vom Ergebnis am Sonntag.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2018)

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