Inter Mailand sucht den alten Glanz

Vor neun Jahren noch die Nummer eins in Europa, klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei Rapids Europa-League-Gegner Inter Mailand gegenwärtig weit auseinander.

Photo LaPresse Spada November 06 2018 Milan Italy Soccer Inter vs Barcelona Champions Leag
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Champions-League-Sieger 2010, Meistercup-Sieger 1964 und 1965 sowie UEFA-Cup-Champion 1991, 1994 und 1998: Rapids Fußball-Europa-League-Gegner Inter Mailand blickt auf eine glorreiche Vergangenheit zurück. Die Gegenwart ist nicht so rosig, den Glanz vergangener Tage suchte man zuletzt vergebens. Aktuell ist ein Aufwärtstrend erkennbar, spielt man doch in Italien zumindest wieder die dritte Geige.

Nach 23 Runden hält Inter bei 43 Punkten. Rang drei scheint das Maximum, Serienmeister Juventus Turin (63) und SSC Napoli (52) sind enteilt. Dahinter lauern mit AC Milan (39), Atalanta Bergamo, AS Roma und Lazio Rom (alle 38) viele Teams. Deshalb liegt das Hauptaugenmerk der "Nerazzurri" auch auf der Absicherung des Tabellenplatzes und nicht auf der Europa League. "Wir wollen unseren Vorsprung halten, um unser Ziel, die Qualifikation für die Champions League, zu erreichen", sagte Stürmer Lautaro Martinez nach dem 1:0 am Samstag bei Parma.

Lange Durststrecke

Die Teilnahme an der "Königsklasse" ist ein Muss und soll wieder zum Dauerzustand werden. Dafür holte man sich Mitte Dezember mit Giuseppe Marotta einen neuen Sport-Verantwortlichen ins Boot. Der 61-jährige Italiener weiß, wie es geht, hatte er doch als Ex-Juve-Geschäftsführer Anteil an den jüngsten sieben Meistertiteln. Nun will er mit den Mailändern an alte Erfolge anschließen.

Auf die warten die Fans lange. Der Coppa-Italia-Triumph 2011 war der bisher letzte Titel. In der Liga kam der einzige italienische Club, der nie abgestiegen ist, seit dem Vizemeistertitel 2011 nicht mehr unter die Top Drei. Zwischendurch musste man mit den Rängen 9 (2013), 8 (2015) und 7 (2017) vorliebnehmen. Vergangene Saison qualifizierte man sich mit Platz vier wieder einmal für die Champions League, in der als Dritter hinter Barcelona und dem punktgleichen Tottenham das Aus kam.

Die Ansprüche der Clubführung sind höher. Wurden die jüngsten Titel noch unter dem ehemaligen Langzeit-Präsidenten Massimo Moratti gefeiert, so ist der Club längst in ausländischer Hand. Mitte Oktober 2013 stieg der indonesische Investor Erick Thohir als Mehrheitseigentümer ein, im Juni 2016 folgte die Übernahme durch den chinesischen Einzelhandel-Riesen Suning Commerce. Da Thohir seine letzten 31,05-Prozent-Anteile am 25. Jänner 2019 an den Investment-Fonds LionRock Capital verkaufte, ist Inter völlig in chinesischer Hand. Club-Präsident ist seit Ende Oktober der erst 27-jährige Steven Zhang.

"Rapid wird nicht auf die leichte Schulter genommen"

Ihm zur Seite steht Javier Zanetti. Der Argentinier füllt seine Tätigkeit als Vize-Präsident seit Sommer 2014 aus. Als Aktiver war der 45-Jährige bei den bisher letzten Titelgewinnen dabei. "Wir wollen in der Europa League eine große Rolle spielen. Die Trophäe zu gewinnen, würde dem Club weiteres Prestige bringen und die Entwicklung vorantreiben", sagte Zanetti. Rapid wird nicht auf die leichte Schulter genommen. "Wir wissen, dass es im Europacup keine einfachen Spiele gibt", betonte der Ex-Abwehrspieler.

Ausgerechnet vor dem Rapid-Spiel konnte der 18-fache Meister, der von 2006 bis 2010 Serienchampion war, seine Negativserie beenden. "Die sehr gute Organisation hat uns ausgezeichnet, der Sieg gegen Parma wird uns viel Enthusiasmus und Kraft geben. Wir müssen öfter solche Leistungen bringen, um wieder eine Konstanz reinzubringen", forderte Trainer Luciano Spalletti. Dann könnte auch der zuletzt in die Schusslinie geratene 59-Jährige wieder ruhiger schlafen.

Mit Problemen hat der Italiener in seiner Karriere umgehen gelernt. Das muss er bei Inter auch können. Der im Sommer von der Roma gekommene Radja Nainggolan konnte sein Potenzial auch wegen Verletzungen noch nicht voll ausschöpfen und wurde wegen Undiszipliniertheiten Ende Dezember kurz suspendiert. Die Transferzeit wurde durch die Abwanderungswünsche von Ivan Perisic gestört. Mittlerweile ist Spalletti mit dem Auftritt der beiden wieder zufrieden.

Neue Problemfelder tauchen schnell auf. Dazu zählt ein öffentlich ausgetragener Zwist zwischen dem Club und Wanda Nara, der Frau und Managerin von Mauro Icardi. Auch deshalb ist nicht zu erwarten, dass Inters Toptorjäger der vergangenen vier Saisonen bis zum Ende seines bis 2021 laufenden Vertrages bei Inter bleiben wird.

Auch auf den Rängen, vor allem in der Curva Nord, wo die Ultras die Partien verfolgen, läuft es bei den Schwarz-Blauen nicht nach Wunsch. Wegen Rassismusvorfällen musste Inter Ende Dezember eine Strafe von zwei Heimspielen ohne Zuschauer hinnehmen. Inter-Fans hatten Napoli-Verteidiger Kalidou Koulibaly mit Affenlauten verhöhnt. Noch viel schlimmer war, dass bei Straßenschlachten rund um den Schlager auch ein Toter zu beklagen war.

(APA)

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