Champions League: Wie Guardiola die Königsklasse verlernt hat

Analyse: Der Startrainer scheitert auf europäischer Bühne an sich selbst.

„Pep“ Guardiola und Manchester City droht am Mittwoch die nächste Enttäuschung.
„Pep“ Guardiola und Manchester City droht am Mittwoch die nächste Enttäuschung.
„Pep“ Guardiola und Manchester City droht am Mittwoch die nächste Enttäuschung. – (c) REUTERS (PHIL NOBLE)

Manchester/Wien. Ob es denn stimme, dass er nur dank Lionel Messi die Champions League gewonnen hat? „Pep“ Guardiola schmunzelt und sagt: „Absolut. Ich stimme voll und ganz zu.“ Vier Jahre war der Katalane beim FC Barcelona Trainer von Messi und Co., zweimal (2009, 2011) triumphierte er in dieser Zeit in der Champions League. Danach in fünf Anläufen mit Bayern München und Manchester City nie wieder. Eine berechtigte Frage also, die der Starcoach da vor einigen Wochen bei einer Pressekonferenz gestellt bekam.

Ein wenig Understatement mag bei Guardiolas Antwort dabei gewesen sein. Dennoch: Mit den Bayern (2013 bis 2016) und Manchester City (seit 2016) war das Halbfinale bisher das Höchste der Gefühle. Am Mittwoch droht nach dem 0:1 im Hinspiel gegen Tottenham das Viertelfinal-Aus (21 Uhr, Sky).

Dabei ist unbestritten, dass Guardiola sowohl die Münchner als auch den englischen Scheichklub spielerisch weiterentwickelt hat. Seine Bayern setzten neue Maßstäbe in Deutschland, im Vorjahr verneigte sich die Fußballwelt vor Manchester City und dem Punkterekord (100 Zähler) des überlegenen englischen Meisters. All das gelang mit Guardiolas altbekannten Tugenden: 4-3-3-Grundordnung, Pressing, Ballbesitz.
In neun Jahren als Chefcoach bei Barça, Bayern und City war Guardiola nur zweimal nicht Meister. Auch heuer liegt er in der Premier League auf Titelkurs. Wieso aber reichte es zuletzt nicht mehr für die Champions League? (Zumal Guardiola nie knapp, sondern stets klar gescheitert ist.) Tatsächlich sind die Fehler beim Spanier selbst zu finden. Ein paar Beispiele:

► Als Bayern-Coach setzt er im Halbfinale 2015 in Barcelona gegen den damals besten Sturm der Welt (Messi, Neymar, Suárez) auf eine Drei-Mann-Abwehr. Schnell kehrt er zur Viererkette zurück, doch seine Elf ist schon so verunsichert, dass sie 0:3 untergeht.

► 2017 verspielt er im Achtelfinalrückspiel mit Man City einen 5:3-Vorsprung gegen Monaco. Die Aufstellung zielt auf eine weitere Torgala ab, am Ende steht ein 1:3.

► Als er im Vorjahr mit der bis dahin stärksten City-Elf gegen Liverpool antritt, ist im Viertelfinale Endstation. Gegen die Truppe von Jürgen Klopp – gegen keinen anderen Trainer hat Guardiola öfter verloren (achtmal) – setzt er Kevin De Bruyne, den er erfolgreich zur kreativen Mittelfeldzentrale geformt hat, plötzlich wieder im Angriff ein. City läuft ins offene Messer, als es im Rückspiel gilt, das 0:3 aufzuholen, sitzt Toptorjäger Sergio Agüero anfangs auf der Bank.

► Vor einer Woche, beim 0:1 in Tottenham, agiert Guardiola ungewohnt defensiv. De Bruyne und Leroy Sané kommen erst in der Schlussphase. Die Niederlage ist unglücklich, aber vermeidbar. In den drei Duellen zuvor hat City ungefährdete Siege gegen die Spurs gefeiert (Torverhältnis: 8:2).

Auffällig ist: Fast alle Negativbeispiele waren Auswärtspartien. Das ergibt eine Serie von zehn Spielen im Viertel- oder Halbfinale der Champions League, die Guardiola nicht gewinnen konnte. Darunter bemerkenswerte Ausrutscher mit den Bayern wie ein 1:3 in Porto (2015) oder ein 2:2 bei Benfica Lissabon (2016). Damals gelang noch der Aufstieg, Tottenham ist heute ein ganz anderes Kaliber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2019)

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