Champions League: Spurs schießen Salzburg ins Glück

Dank englischer Schützenhilfe hat es Red Bull Salzburg doch noch in die Champions League geschafft. Mit der Aussicht auf die Königsklasse winkt nicht nur ein Millionenregen.

Haben Salzburg erlöst: Tottenhams Moura (u.) und Eriksen.
Haben Salzburg erlöst: Tottenhams Moura (u.) und Eriksen.
Haben Salzburg erlöst: Tottenhams Moura (u.) und Eriksen. – (c) APA/AFP/ADRIAN DENNIS

Wien. Elfmal hatte Red Bull Salzburg die Chance auf die Champions League, elfmal scheiterte Österreichs Serienmeister in der Qualifikation. Mitunter krachend (gegen Maccabi Haifa), hochnotpeinlich (Düdelingen!) oder denkbar knapp (Roter Stern Belgrad, Rijeka, Dinamo Zagreb). Das eine oder andere Mal war durchaus Pech im Spiel, nicht umsonst wurde dieses ewige Scheitern weit über Österreichs Fußballgrenzen hinaus als hartnäckiger Fluch belächelt.

Nun war das Glück auf Salzburger Seite. Da Tottenham Hotspur im Halbfinal-Rückspiel der Champions League in einer dramatischen Last-Minute-Entscheidung Ajax Amsterdam 3:2 besiegte und so ins Finale (am 1. Juni gegen Liverpool) einzog, brach der Salzburger Bann: Wegen des Uefa-Reglements erbt Österreichs Meister einen Fixplatz in der Gruppenphase der nächsten Saison. (Hätte Ajax Amsterdam hingegen die Champions League gewonnen, hätten die Salzburger erneut in die Qualifikation müssen.)

Die Presse/GK

Nur ein Szenario könnte Salzburgs Sternstunde noch verhindern: Tottenham müsste in der letzten Runde der englischen Premier League noch Rang vier verspielen und später auch die Champions League gewinnen. Doch dazu müssten die Spurs am Sonntag gegen Everton verlieren und das fünftplatzierte Arsenal (zeitgleich bei Burnley) ein um acht Tore schlechteres Torverhältnis wettmachen. Es müsste also schon mit dem Teufel zugehen, damit die Salzburger Fahrkarte ins Glück noch ihre Gültigkeit verliert.

Für Salzburg kommt die europäische Königsklasse nicht unverdient. Schließlich war es der heimische Serienmeister selbst, der mit seinen internationalen Erfolgen – allen voran mit dem Europa-League-Halbfinale 2018 – jene Punkte in der Uefa-Fünfjahreswertung einspielte, die Österreichs Liga nun von Tottenhams Finaleinzug profitieren lassen.
Die Adresse Salzburg wird mit der Aussicht auf Champions-League-Fußball (Messi oder Ronaldo in Wals-Siezenheim?) bedeutend attraktiver.

Sportdirektor Christoph Freund hat bei Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen bessere Karten denn je. Und Salzburger Leistungsträger, die mit einem Wechsel ins Ausland liebäugeln, könnte das Ticket für die Königsklasse den Verbleib erleichtern. Fixiert sind vorerst die Abgänge von Munas Dabbur (FC Sevilla) und Hannes Wolf (RB Leipzig), außerdem jener von Trainer Marco Rose (Mönchengladbach). Statt des Erfolgscoaches wird der US-Amerikaner Jesse Marsch beim Salzburger Champions-League-Debüt auf der Trainerbank Platz nehmen.
Dank Tottenhams Schützenhilfe stößt Salzburg auch finanziell in neue Sphären vor. Schon jetzt darf mit Einnahmen von fast 30 Millionen Euro gerechnet werden (zuzüglich Erfolgsprämien, Ticketverkauf und Marktpool).

Anhalten wird die Salzburger Glückseligkeit vorerst aber nur eine Saison lang. Dann, im Sommer 2020, wartet auf Österreichs Meister wieder der tückische Gang in die Champions-League-Qualifikation. (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2019)

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