Adi Hütter: Ein Showdown, ausgerechnet in München

Eintracht Frankfurt lag auf Champions-League-Kurs, doch nun droht der Absturz. Letzte Hoffnung ist ein Gastspiel beim FC Bayern.

Nach furiosen Monaten droht der Eintracht eine Saison ohne Lohn.
Nach furiosen Monaten droht der Eintracht eine Saison ohne Lohn.
Nach furiosen Monaten droht der Eintracht eine Saison ohne Lohn. – (c) APA/AFP/CARLOS COSTA

Frankfurt. Adi Hütter hat sich in Frankfurt den Ruf eines stets gelassenen Fußballlehrers erarbeitet. Dieses Mal aber war dem Vorarlberger anzumerken, wie sehr die Derby-Niederlage an ihm zehrte. Die Eintracht hatte zu Hause gegen Mainz 0:2 verloren, in der vorletzten Runde der deutschen Bundesliga wurde damit die Chance verpasst, vorzeitig den Europacup zu fixieren. „Wir haben eine tolle Saison gespielt und hätten es heute vergolden können. Darum bin ich enttäuscht“, meinte Hütter.

Im Sommer hatte er bei seiner Ankunft in Frankfurt, zugleich sein erstes Bundesliga-Engagement, noch einen Fehlstart hingelegt. Dann folgte Frankfurts Vorstoß auf Tabellenplatz drei und eine Frühjahrsserie mit elf Spielen ohne Niederlage (darunter sechs Siege in Folge) – die Eintracht lag plötzlich auf Champions-League-Kurs.

Hütter bot offensiven, begeisternden Fußball, seine Truppe vermochte es aber auch, eine Partie kontrolliert nach Hause zu spielen, wenn es sein musste. Bei seinen Spielern fand Hütter die richtige Balance aus Nähe und Distanz. So marschierte die Eintracht auch durch die Europa League: Erst eine makellose Gruppenphase (Siege über Lazio Rom, Olympique Marseille), dann gewonnene K.-o.-Duelle gegen Schachtar Donezk, Inter Mailand und Beşiktaş Istanbul.

Nun fand der Erfolgslauf sein Ende. 1:6 in Leverkusen, Halbfinal-Aus in der Europa League gegen Chelsea (nach Elfmeterschießen) und das 0:2 gegen Mainz. Drei Nackenschläge innerhalb von acht Tagen. Der Rückfall auf Tabellenplatz sechs bedeutet den Schleudersitz für die Europacup-Tickets. Nach furiosen Monaten droht der Eintracht eine Saison ohne Lohn.

 

Bleibt Hinteregger?

Für die 34. und letzte Runde der Bundesliga am Samstag bedeutet das: Zwischen Platz vier (Champions League) und Rang acht (Sturz aus Europa) ist für die Hütter-Elf alles möglich. Allerdings geht es gegen den FC Bayern, und ein Punkt ist für die offenbar ausgelaugten Frankfurter wohl notwendig, um nicht aus den Europacup-Rängen zu fallen. Sonst braucht es Schützenhilfe. „Nun kommt es in München zum Showdown. Wir haben dort unsere letzte Chance“, erklärte der 49-jährige Hütter. (Den Bayern reicht ein Remis für den Meistertitel.)

Frankfurts ÖFB-Teamverteidiger Martin Hinteregger wollte „den Kopf freikriegen und noch einmal alles reinhauen“, um in München bestehen zu können. Der Verbleib des Kärntners ist noch offen, der 26-Jährige ist vom FC Augsburg nur ausgeliehen. Er selbst sieht seine Zukunft in Frankfurt. „Stand jetzt gehe ich nicht davon aus, dass das hier mein letztes Heimspiel war“, meinte er am Sonntagabend.

Die Fans stehen trotz des jüngsten Einbruchs hinter der Eintracht. Auch nach der Derby-Niederlage wurde die Hütter-Truppe gefeiert. Als der Trainer dann gefragt wurde, warum der letzte nötige Punkt ausgerechnet beim FC Bayern gelingen könnte, antwortete Hütter in einer Mischung aus Trotz und Zweckoptimismus: „Weil wir ihn brauchen.“ (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2019)

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