Red Bull: Partystress im Bullenstall

Dietrich Mateschitz wird 75, sein Vorzeigeklub RB Leipzig zehn Jahre alt. Mit Fußball hat der Steirer seine Marke zu einer der wertvollsten weltweit gemacht. Nun ruft die Königsklasse.

Dietrich Mateschitz wird 75.
Dietrich Mateschitz wird 75.
Dietrich Mateschitz wird 75. – (c) imago images / Christian Schroed (Christian Schroedter)

Wien/Leipzig. Am Sonntag ist sein Fußball-Aushängeschild an der Reihe, einen Tag später der Oberboss selbst. RB Leipzig hat sich am 19. Mai 2009 gegründet, feiert am Sonntag also seinen zehnten Geburtstag. Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz begeht seinen 75. Geburtstag dann am Montag. Passend zum 75er wird auch Red Bull Salzburg heuer zum ersten Mal überhaupt in der Champions League spielen.

Die Erfolgsstory des reichsten Österreichers war von Beginn an eng mit Sport verbunden. Zunächst durch Sponsoring von Einzelsportlern in Trend- und Extremsportarten, dann auch im Mainstream. Der 1944 im steirischen St. Marein im Mürztal geborene Mateschitz war in den 1970er-Jahren vom Geschehen auf dem nahe gelegenen Österreichring geprägt worden. Motorsport war nach der Firmengründung 1984 auch das Hauptspielfeld seiner Marketing-Aktivitäten. So war Mitte der 1980er-Jahre der Tiroler Formel-1-Pilot Gerhard Berger der erste Red-Bull-Athlet.

Parallel zum Abenteuer Formel 1 – zwischen 2010 und 2013 gelangen mit Sebastian Vettel am Steuer vier Weltmeistertitel in Serie – begann 2005 mit der Übernahme des SV Salzburg das millionenschwere Engagement im Fußball. Zuvor war Red Bulls Sponsoring von Teamsportarten lange Zeit auf Eishockey beschränkt gewesen. Heute umfasst die Fußballwelt von Red Bull mehrere Akademien und Trainingszentren sowie Profiklubs in Salzburg, New York und Leipzig.

 

Der Durchmarsch

In Salzburg wurde soeben der zehnte nationale Meistertitel und nach elf gescheiterten Anläufen erstmals auch die Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase gefeiert. Rasenballsport Leipzig ist nach der Übernahme bzw. Gründung im Jahr 2009 und einem Blitzdurchmarsch von der fünften in die erste deutsche Bundesliga dort als Spitzenklub etabliert. Gleich in der ersten Saison in der deutschen Bundesliga hatte Mateschitz' steirischer Landsmann Ralph Hasenhüttl den Klub zum Vizemeister-Titel geführt.

Unter Trainer Ralf Rangnick, als Sportdirektor ab 2012 das Mastermind hinter dem Aufstieg von Salzburg und Leipzig, landete der Klub heuer auf Tabellenplatz drei und steht damit erneut in der Champions League. In der Liga ist die Mannschaft seit 15 Spielen ungeschlagen, in der letzten Runde steht am Samstag das Gastspiel bei Werder Bremen an (15.30 Uhr, live Sky). Mit einem Sieg würde RB einen Vereinspunkterekord aufstellen. Der Höhepunkt kommt aber erst noch: Im Pokal steht Leipzig im Finale und trifft am 25. Mai in Berlin auf den FC Bayern. Einziger Wermutstropfen dieser Saison: Das Aus in der Europa-League-Gruppenphase im Herbst, zugleich aber auch ein Weckruf für die mit zahlreichen ÖFB-Legionären gespickte Mannschaft.

Im Sommer übernimmt in Leipzig das hochgelobte Trainertalent Julian Nagelsmann, Rangnick wird wieder ausschließlich als Sportdirektor arbeiten, sein Vertrag läuft noch bis Juni 2021. „In bestimmten Bereichen ist Erfolg planbar, in anderen nur bedingt“, erklärte Rangnick anlässlich des zehnjährigen Bestehens seines Klubs. „Es ist schwer, eine Meisterschaft oder einen Turniersieg zu planen. Auf der anderen Seite sind die Entwicklung von Spielern, Trainern und das Schaffen einer erfolgversprechenden Struktur sehr wohl planbar.“

 

Superstars und Kritik

Mit Formel 1 und Fußball ist Red Bull längst auch im Sport-Mainstream erfolgreich. Beim Einzel-Sponsoring gehört es nach wie vor zum Leitbild, dass nur die Besten und Mutigsten beim Fuschler Konzern landen. Etwa Marcel Hirscher, Anna Gasser, Dominic Thiem oder auf internationaler Ebene Superstars wie Lindsey Vonn und Brasiliens Neymar. Kritik bekommt das Unternehmen freilich immer wieder ab, vor allem, wenn von Red Bull unterstützte Extremsportler ihren Wagemut mit dem Leben bezahlen. Jüngster tragischer Fall war der Lawinentod des Tiroler Alpinisten David Lama. (joe)

Bundesliga-Showdown

Bayern München und Borussia Dortmund liefern sich in der 34. und letzten Runde der deutschen Bundesliga am Samstag ein Fernduell um den Meistertitel. Dahinter hat RB Leipzig als Tabellendritter sein Champions-League-Ticket fix, mit Mönchengladbach, Leverkusen und Eintracht Frankfurt (Trainer Adi Hütter) hoffen gleich drei Teams auf den letzten verbliebenen Platz für die Königsklasse. Frankfurt muss dafür bei den Bayern bestehen, Mönchengladbach empfängt Dortmund (je 15.30, live, Sky).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2019)

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