Neymars einziger Ausweg

Paris Saint-Germain hat Neymar nicht gutgetan: Sein Glanz ist verblasst, sein Marktwert hat gelitten, der Klub ging auf Distanz. Die Rückkehr nach Barcelona wird immer wahrscheinlicher.

In Barcelona zurück in die Erfolgsspur? Fußballstar Neymar.
In Barcelona zurück in die Erfolgsspur? Fußballstar Neymar.
In Barcelona zurück in die Erfolgsspur? Fußballstar Neymar. – (c) APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Paris/Barcelona/Wien. Wie wird man den teuersten Spieler der Fußballgeschichte eigentlich wieder los? Daran haben die katarischen Klubbosse von Paris Saint-Germain wohl nicht gedacht, als sie vor zwei Jahren 222 Millionen Euro an den FC Barcelona überwiesen haben. Für diese Rekordsumme haben sie sich unzählige Schlagzeilen, den brasilianischen Superstar Neymar und – wie sich herausstellen sollte – jede Menge Probleme erkauft.

Vom Champions-League-Titel ist der Scheichklub seit Neymars Ankunft weiter entfernt denn je (zuletzt war zweimal in Folge im Achtelfinale Endstation). Dafür müssen sie sich in Paris mit der Verletzungsanfälligkeit des 27-Jährigen – er absolvierte nur gut die Hälfte aller Pflichtspiele –, seinen Partynächten in den teuersten Klubs der Stadt und seinen Egotrips herumschlagen, wie Abstecher zum Karneval in Rio, kurz bevor PSG das Champions-League-Aus ereilte. Im Vorjahr hat der Stürmer in Brasilien zur Wahl des rechtsextremen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro aufgerufen. Hintergrund dürfte eine Steuerschuld sein, bei der die Hilfe des Politikers nützlich sein könnte.

Einem veröffentlichten Chatverlauf zwischen Neymar und einem Model war nun auch zu entnehmen, dass der PSG-Profi auch an Trainingstagen Alkohol konsumiert. Womit wir bei den aktuellen Vergewaltigungsvorwürfen wären, die Neymar zwar zurückweist, die bei Sponsoren wie Nike aber zunehmend für Nervosität sorgen.

PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi ging öffentlich auf Distanz zu seinem Star, der zudem noch Sperren absitzen muss: Nach dem verlorenen Cupfinale kam es zur Auseinandersetzung mit einem Fan, Neymar wurde für drei Ligaspiele gesperrt. Auch in der Champions League muss er noch drei Partien zusehen, weil er nach dem jüngsten Aus gegen Manchester United via Instagram die Schiedsrichter beschimpft hat.

Im Pariser Prinzenpark hat ihm längst der französische Weltmeister Kylian Mbappé, 20, den Rang als Publikumsliebling und Hoffnungsträger abgelaufen. Zudem hat Neymar mit seinen Befindlichkeiten das Mannschaftsgefüge stets auf die Probe gestellt, seit er sich kurz nach seiner Ankunft anstelle des verdienten PSG-Torjägers Edinson Cavani zum ersten Elfmeterschützen erklärte.

Auch in seiner Heimat Brasilien leidet Neymars Ruf. Bei der WM 2018 machte er vor allem als Schwalbenkönig auf sich aufmerksam, vor der laufenden Copa América, für die er kurzfristig verletzungsbedingt ausfiel, musste er das Kapitänsamt der Seleção abgeben.

 

Barças Bedingung

Auf Klubebene bahnt sich nun eine spektakuläre Wende an. Die in Barcelona erscheinende Zeitung „Sport“ schrieb von einer mündlichen Vereinbarung zwischen Neymar und seinem Ex-Klub FC Barcelona über eine Rückkehr. Andere Medien wollen bereits Transfer-Details erfahren haben. Demnach dürfte sich Barcelona ob Neymars Eskapaden wappnen: Er müsste Gehaltseinbußen hinnehmen, und sein Vater müsste die Klage gegen den Klub wegen ausstehender Prämien zurückziehen. Sogar von einer Entschuldigung Neymars bei den Barça-Fans für den Abgang zu PSG ist die Rede. Damit stellt der Klub klar: Lionel Messi bleibt die Nummer eins in Barcelona. Es heißt, Neymar würde all diese Bedingungen akzeptieren.

Unter den Barça-Profis hat der Brasilianer noch zahlreiche Freunde. Wie er und Messi die Katalanen 2015 zum Triple geschossen haben, hat man im Camp Nou nicht vergessen, mit Messi blieb er ohnehin in Kontakt.

Was aber längst nicht geklärt ist, ist die Ablösesumme. 300 Millionen Euro wolle PSG, schreibt „Le Parisien“, Barcelona aber nur 100 Mio. zahlen. Eine wahrscheinliche Variante: Angreifer Coutinho (Marktwert: 90 Mio.), der in Barcelona nicht überzeugte, soll zusätzlich nach Paris getauscht werden. Auch der enttäuschende Ousmane Dembélé (100 Mio.) ist ein Tauschkandidat. Für Neymar spricht auch, dass Barcelona noch nicht wie erwartet die Verpflichtung von Atlético-Stürmerstar Antoine Griezmann kommuniziert hat.

In den Verhandlungen hat Barça die Oberhand. Viele Käufer für einen 222-Mio.-Euro-Spieler wird PSG nicht finden, und Neymar will die Rückkehr um jeden Preis. Denn sollte der Wechsel nicht zustande kommen, wäre er in Paris endgültig unten durch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2019)

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