Anpfiff in England: Die Trainer sind die Stars

Die Milliardenumsätze der Premier League locken nicht nur die besten Spieler auf die Insel, vor allem sind dort die besten Coaches am Werk. Ausländisches Know-how gibt die Richtung vor, auch der Steirer Ralph Hasenhüttl mischt mit.

Jürgen Klopp will mit Champions-League-Sieger Liverpool auch die Durststrecke in der Premier League beenden.
Jürgen Klopp will mit Champions-League-Sieger Liverpool auch die Durststrecke in der Premier League beenden.
Jürgen Klopp will mit Champions-League-Sieger Liverpool auch die Durststrecke in der Premier League beenden. – (c) REUTERS (DAVID KLEIN)

Liverpool/Wien. Aufsteiger Norwich City fordert heute Vizemeister FC Liverpool (21 Uhr, live Sky), es ist zugleich der Auftakt der neuen Premier-League-Saison. Erwartet wird wieder ein Titelzweikampf zwischen Liverpool und Meister Manchester City. Die beiden Rivalen aus dem Norden haben nicht nur die besten Spieler in ihren Reihen, sondern auch die besten Teammanager, wie die Kombination aus Trainer und Sportdirektor auf der Insel genannt wird.

Dank der Einnahmen aus TV-Verträgen (die englischen Vereine kassieren fünf Milliarden Euro für drei Saisonen ab 2019/20) verfügen die Premier-League-Coaches über die größten finanziellen Möglichkeiten in der Kaderplanung. Längst also kämpft das Who's who der internationalen Trainerelite im Mutterland des Fußballs um Titel und Trophäen.


Pep Guardiola. Mit viel Geld und Können hat der Katalane bei Manchester City jene Mannschaft geformt, die in den vergangenen beiden Spielzeiten in England den Ton angab. Nach wie vor setzt der ehemalige Barcelona- und Bayern-Coach auf Ballbesitz- und Kombinationsfußball, seine Akribie in der Spielvorbereitung ist legendär. Einzig international konnte der 48-Jährige mit City bisher nicht jene Trophäen einsammeln, die den Ansprüchen des Scheichklubs genügen.


Jürgen Klopp.
Der ehemalige Dortmunder Meistertrainer hat den „Reds“ neues Leben eingehaucht. 14 Jahre mussten sich die Fans gedulden, ehe sie am 1. Juni 2019 wieder den Champions-League-Titel feiern durften. Motivationskünstler Klopp, 52, hat die anfällige Defensive mit Rekordeinkauf Virgil van Dijk stabilisiert und mit Mo Salah, Firmino und Ex-Salzburger Sadio Mané ein kaum zu stoppendes Angriffstrio gebildet.

Am meisten sehnt man sich in der Hafenstadt aber nach dem englischen Meistertitel, den Liverpool seit 1990 nicht mehr geholt hat. „Ich würde sagen, da sind mindestens sechs Teams im Rennen. Wir werden alles versuchen“, versprach Klopp.


Mauricio Pochettino. Einer der gefragtesten Trainer der jüngeren Vergangenheit ist Mauricio Pochettino. Der Argentinier ist für seine unaufgeregte Arbeit bekannt und führte Tottenham Hotspur in der vergangenen Saison ins Champions-League-Finale. Auch ist man sich in England bewusst, dass der 47-Jährige als Coach von Harry Kane, Dele Alli, Eric Dier, Danny Rose und Kieran Trippier einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Nationalteams geleistet hat. Kürzlich gestand Pochettino, wie sehr ihn das verlorene Champions-League-Finale beschäftigt hat. Er habe danach für zehn Tage sein Haus nicht verlassen.


Frank Lampard. Zahlreiche englische Ex-Teamspieler versuchen sich aktuell im Trainergeschäft. Steven Gerrard managt die Glasgow Rangers, John Terry gelang als Ko-Trainer von Aston Villa gerade der Aufstieg in die Premier League, und Wayne Rooney gibt ab Jänner beim Zweitligisten Derby County den Spielertrainer. Schon als Chefcoach in die Premier League geschafft hat es Chelsea-Rekordtorschütze Frank Lampard. Der 41-Jährige übernahm die Londoner im Sommer von Maurizio Sarri. Lampards größte Sorgen: Der abgewanderte Eden Hazard ist unmöglich zu ersetzen, und Chelsea sitzt gerade eine einjährige Transfersperre ab.


Die Spanier.
Bei elf der 20 Premier-League-Klubs stehen ausländische Teammanager an der Seitenlinie. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind Trainer aus Spanien (3). Im Windschatten von Guardiola heuerten auch Unai Emery und Javi Gracia in England an.

Emery ist seit 2018 Chefcoach bei Arsenal, wo der legendäre Arsène Wenger zuvor 22 Jahre lang das Szepter geführt hat. In den Klatschspalten hat er für Aufsehen gesorgt, als er die Hochzeitspläne von Arsenal-Star Mesut Özil ausgeplaudert hat. Sportlich haben die „Gunners“ aber den Anschluss verloren, mehr als ein Europa-League-Startplatz war zuletzt nicht drinnen. Landsmann Javi Gracia ist mit Außenseiter Watford erneut ein Achtungserfolg zuzutrauen.


Ralph Hasenhüttl. Österreichs Trainerexport will seinen Ruf in England weiter aufpolieren. Der Steirer, seit Winter bei Southampton unter Vertrag, rettete den Klub vor dem Abstieg. Nun möchte der 51-Jährige die „Saints“ unter den Top Ten etablieren. „Die Premier League wird nicht umsonst als die stärkste Liga der Welt bezeichnet“, sagt Hasenhüttl vor dem Auftakt am Samstag in Burnley. „Wenn man als Trainer die Chance hat, dort zu arbeiten, sollte man das tun, solang es geht. Ich will meinen Weg in England machen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2019)

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