Der Lask greift nach den Sternen

Champions League: Nicht unglücklich, aber auch hochverdient besiegt Österreichs Vizemeister den favorisierten FC Basel und zieht ins Play-off ein. Auch dort sind die Chancen nicht so schlecht.

APA/EXPA/REINHARD EISENBAUER

In der Champions-League-Qualifikation gibt es keinen Videobeweis. Der Lask wird so schnell auch keinen fordern, er feierte am Dienstagabend vor Heimpublikum gegen den FC Basel einen umjubelten 3:1-Sieg und steht mit dem Gesamtscore von 5:2 durchaus sensationell im Play-off der Champions League, also in der letzten Qualifikationsrunde.

Die Schlüsselszene beim bis dato wichtigsten Europacupspiel der Linzer Vereinsgeschichte: Nach klaren Elfmeterfouls von René Renner und (!) Goalie Alexander Schlager zappelte in der 38. Minute nur der Basler Angreifer Valentin Stocker im Linzer Netz, nicht aber der Ball. Die Pfeife von Schiedsrichter Aliyar Aghayev (AZE) blieb stumm – und Videobeweis gibt es eben keinen.

Nicht das erste Mal an diesem regnerischen Abend, dass die Truppe von Coach Valérien Ismaël das Glück auf ihrer Seite hatte. Beim Latten-Kopfball von Kemal Ademi wäre Schlager wohl chancenlos gewesen (10.). Und der Führungstreffer des Lask war dann auch noch ein Eigentor: Raoul Petretta fälschte die Hereingabe von Reinhold Ranftl ins eigene Tor ab (59.) – 14.000 Zuschauern auf der ausverkauften Gugl jubelten.

Zahltag

Doch nicht alles war Glück. Die Eidgenossen waren trotz 57 Prozent Ballbesitz bei Lask-Abwehrchef Gernot Trauner meist gut aufgehoben. Ehe Ademi den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgte (80.), hatten Klauss, Goiginger, Ranftl und Tetteh außerdem weitere Lask-Treffer auf dem Fuß. Für die Entscheidung sorgten dann Thomas Goiginger, der alleine vor Basel-Keeper Jonas Omlin die Nerven behielt (89.), und Marko Raguz nach einem Konter (94.).

„Wir haben uns das hart erarbeitet und müssen jetzt dranbleiben“, meinte Routinier Emanuel Pogatetz. Neo-Trainer Ismaël erklärte: „Das Highlight meiner Trainerkarriere. Wir wollten auf Sieg spielen, denn das ist der richtige Weg, um aufzusteigen.“

Lob erntete der Lask vom Gegner. „Der Lask hat es in zwei Spielen verdient. Wir haben zuhause zu wenig gemacht, heute haben wir besser gespielt, auch im Spiel nach vorne und mehr Widerstand geleistet. Es ist nicht alltäglich in meiner Karriere, innerhalb von einer Woche zwei abgefälschte Bälle ins Tor zu bekommen. Wir hätten auch einen Elfmeter bekommen können“, sagte Basel-Trainer Marcel Koller. Was in den letzten Jahren beim Lask passiert sei, komme von außen betrachtet überraschend, so der Ex-ÖFB-Teamchef. Mit System, Konsequenz und Entschlossenheit setzen sie es gut um. Sie sind schwer zu bespielen und spielen mit viel Ruhe.

Wie geht es nun weiter? Play-off-Gegner des Lask am 20. und 28. August ist Club Brügge. Der belgische Vizemeister setzte sich gegen Dynamo Kiew 4:3 (1:0, 3:3) durch. Alleine für den Einzug in die letzte Qualifikationsrunde der Champions League erhält Österreichs Vizemeister fünf Mio. Euro, beinahe die Hälfte des Lask-Budgets.

Doch auch Brügge ist nicht unschlagbar. Nehmen die Linzer auch diese Hürde, wartet die Gruppenphase des europäischen Elite-Bewerbs – und weitere 10,25 Mio. Startgeld. Scheitert der Lask, geht es in der Europa-League-Gruppenphase weiter, Antrittsgeld dort: Knapp drei Mio. Euro.

Und Marcel Koller? Der Basel-Coach und Ex-ÖFB-Teamchef (2011 bis 2017) hat in der Heimat Erklärungsbedarf. Basel war als klarer Favorit in das Duell mit dem Lask gegangen.

 

(joe)

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