Rapid besiegt Villarreal: In drei Minuten zur Glückseligkeit

Europa League. Rapid bezwingt vor über 36.000 Fans im Ernst-Happel-Stadion Gruppenfavorit Villarreal mit 2:1. Auf die Tore von Schwab und Hofmann findet die spanische B-Elf keine Antwort.

SOCCER - EL, Rapid vs Villarreal
SOCCER - EL, Rapid vs Villarreal
Steffen Hoffman traf per Elfmeter – (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Ort)

Wien. Rapids Trainer Zoran Barisic hatte Europa-League-Auftaktgegner Villarreal vor dem Anpfiff mit viel Lob bedacht. Er sprach von einer „europäischen Spitzenmannschaft mit individueller Klasse“. Aber jene spanische Elf, die den Hütteldorfern Donnerstagabend im Happel-Stadion gegenüberstand, hatte rein qualitativ mit einer europäischen Spitzenmannschaft herzlich wenig gemein.

Villarreals Coach Marcelino veränderte seine Startformation verglichen zum 3:1 bei Granada am Sonntag an zehn Positionen, die einzige Konstante war Innenverteidiger Victor Ruiz. So kam es wenig überraschend, dass im Spiel der Gäste mancher Laufweg nicht abgestimmt schien, manchem Pass die Präzision fehlte. Angenehm selten wurden die Iberer gefährlich. 19. Minute: Baptistao setzte zum Sprint an, enteilte Maximilian Hofmann, der Schuss segelte aber über das Tor.

Rapid genoss spielerisches Übergewicht, kombinierte phasenweise gefällig, tauchte in der ersten Halbzeit aber nur einmal nennenswert vor dem Gäste-Tor auf. 28. Minute, Stangl-Flanke auf Prosenik, bei dessen Versuch nur Zentimeter fehlten. Als alles auf ein torloses Spiel zur Halbzeit hinwies, schlug Villarreal zu. Sekunden vor dem Pausenpfiff des schwedischen Schiedsrichters Johannesson nickte Baptistao aus kurzer Distanz per Kopf zur Führung ein (45.), Rapids Hintermannschaft hatte jegliche Ordnung verloren.

Die Wiener hatten in dieser Saison mit Rückständen schon umzugehen gelernt, gegen Ajax, Schachtar Donezk oder etwa Sturm Graz hatte man noch remisiert. Der Glaube an sich selbst war also gegeben, auch der Kräfteverschleiß noch überschaubar. Und tatsächlich, es reichten nur drei Minuten, um dem Spiel die entscheidende Wende zu geben. Zunächst traf Schwab nach Hofmann-Flanke zum 1:1-Ausgleich (50.), kurz darauf verwandelte Hofmann einen Elfmeter, nachdem Bonera Prosenik im Strafraum gehalten hatte. 2:1 (53.), danach lief Villarreal an, doch die grün-weiße Mauer blieb stehen. Und dann hallte es: „Nur mehr Rapid Wien . . .“

Im Parallelspiel der Gruppe E gewann Pilsen gegen Minsk 2:0.

Der Blick in die Zukunft

Während bei Rapids Europacup-Auftritt gegen Villarreal 36.200 Fans die Drehkreuze des Happel-Stadions passierten, ist das Zuschauerinteresse an Heimspielen der Grünweißen in der Bundesliga weitaus geringer. Zu den bisherigen vier Ligaspielen im Prater kamen im Schnitt knapp 15.000 Zuschauer. Das ist zwar der Liga-Bestwert, aber bei Weitem nicht das, was sich die Klubchefs vom „zugkräftigsten Verein des Landes“, wie SCR-Geschäftsführer Christoph Peschek sagt, erwarten.
Es ist eine kritische Messung bzw. Bestandsaufnahme, die der Verein durchführt. Denn was passiert, wenn das neue Allianz-Stadion ab kommender Saison bespielt wird und das Interesse an der Novität irgendwann verebbt ist? Was, wenn dann die Spielstärke nicht neue, weitere Gäste fasziniert und anlockt? Neue Spielstätten verlangen automatisch auch Erfolg.

Als enttäuschend wollte Peschek den bisherigen Fanbesuch nicht verstanden wissen. Doch es bestehe eben ein Unterschied zwischen dem Prater und Hütteldorf, der Heimat. Distanz, Anreise, Wohlfühlgefühl, Stadionflair, da lägen Welten zwischen den Bezirken. Das Happel-Oval ist als kurzfristiges Ausweichquartier optimal, mehr aber auch nicht. Sollte es die Stadt Wien (im Zusammenspiel mit dem ÖFB?) tatsächlich renovieren lassen, dieses Gerücht hält sich vor der Wien-Wahl hartnäckig, wäre es freilich wieder das Zugpferd – auch für Europa-League-Endspiele.

Bis Saisonende trägt Rapid die Heimspiele im Happel-Stadion aus. Nächstes Jahr folgt der Umzug in das Allianz-Stadion, das bei nationalen Spielen 28.500 und bei internationalen Auftritten nach Abzug der Stehplätze 24.000 Zuschauern Platz bietet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2015)

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