Das Match um die Livespiele

Dass die österreichische Bundesliga nur noch im Pay-TV zu sehen ist, passt der Regierung nicht. Die „Fernseh-Schutzliste“ soll adaptiert werden, doch die Klubs verfolgen andere Interessen.

GESPRAeCHE ZU FERNSEHEXKLUSIVRECHTSGESETZ: STRACHE / BLUeMEL
GESPRAeCHE ZU FERNSEHEXKLUSIVRECHTSGESETZ: STRACHE / BLUeMEL
Heinz-Christian Strache und Gernot Blümel haben sich im Bundeskanzler über Fußball Gedanken gemacht. – APA/ROLAND SCHLAGER

Wien. Der heimische Klubfußball war schon langweiliger. An Serienmeister Salzburg führt zwar nach wie vor kein Weg vorbei, dahinter aber tobt auch dank des neuen Ligamodus ein offener Schlagabtausch. Besonders brisant ist die 22. Runde am Sonntag: Die Teilung in oberes und unteres Play-off steht an, und der kriselnde Rekordmeister Rapid benötigt ausgerechnet Schützenhilfe vom Stadtrivalen Austria Wien, um nicht den blamablen Weg in das untere Play-off antreten zu müssen.

Zu sehen ist dieser Showdown entweder vor Ort in den Stadien – oder beim Bezahlsender Sky. 39,99 Euro monatlich kostet dort das Sportpaket im Regelpreis, die Berichterstattung ist entsprechend umfangreich. Der Münchner Konzern hat sich von 2018/19 bis 2021/22 die Exklusivrechte an der Bundesliga gesichert und dafür kolportierte 34 Millionen Euro pro Jahr auf den Tisch gelegt. Der ORF, der bis Sommer 2018 ein Livespiel pro Runde gezeigt hat (im Schnitt mit rund 300.000 Zusehern), ging leer aus. Sky nennt prinzipiell keine Zuschauerzahlen, sechsstellige Quoten dürften aber unrealistisch sein. Ebenso sollen Sponsoren keine allzu große Freude mit dem Verlust an Reichweite und Werbewert haben.

Dass die Bundesliga nur noch im Pay-TV zu sehen ist, will auch die Regierung ändern. Am Donnerstag haben Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) Vertreter des heimischen Fußballs zu einem „Gedankenaustausch in vertraulichem Rahmen“ (Strache) ins Bundeskanzleramt geladen.

Bereits im September hatten Strache und Blümel angekündigt, die Schutzliste des Fernsehexklusivrechtegesetzes (FERG), also jener Ereignisse, die im Free-TV zu sehen sein müssen, überarbeiten zu wollen. Die 2001 in Kraft getretene Verordnung „über Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“ umfasst derzeit Olympische Spiele, alpine und nordische Ski-WM, bestimmte Fußballspiele bei Welt- und Europameisterschaften (Eröffnungsspiel, Halbfinale, Finale, Partien der österreichischen Nationalmannschaft) und das österreichische Cupfinale. Diese Events dürfen nicht ausschließlich im Bezahlfernsehen, sondern müssen für mindestens 70 Prozent aller ORF-Teilnehmer ohne zusätzliche Gebühren zu sehen sein.

Nach den Gesprächen mit den Fußballvertretern, darunter Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer, ÖFB-Präsident Leo Windtner, Austria-Vorstand Markus Kraetschmer und Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek, erklärte Strache einmal mehr das Ziel, gewisse Livespiele zu definieren und für das Free-TV sicherzustellen. Es gehe darum, „die rot-weiß-rote Identität zu erhalten und für ein breites Publikum sichtbar zu machen“. Eine Gratwanderung, schließlich bedeutet jeder Eingriff eine Markteinschränkung. Nach weiteren Gesprächen (unter anderem mit dem ÖSV) soll die Fernseh-Schutzliste adaptiert werden und an die EU-Kommission gehen, die ihren Sanktus geben muss.

 

Vorteil Pay-TV

Bundesliga-Vorstand Ebenbauer zeigte Verständnis für das Ansinnen der Politik, stellte aber das Interesse der Liga und der Klubs klar: „Jede Einschränkung ist ein Einschnitt in die Wettbewerbsfähigkeit der Liga.“ Der aktuelle TV-Vertrag mit Sky bedeute eine „ordentliche Steigerung“ bei den Lizenzerlösen, erklärte Ebenbauer. Und lukrative TV-Verträge seien im Wettbewerb mit vergleichbaren europäischen Fußballligen wie in den Niederlanden oder in Dänemark eben entscheidend. Länder also, mit denen die Bundesliga in der Uefa-Fünfjahreswertung gerade um Europacupplätze kämpft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2019)

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