EM-Qualifikation: Alles, nur kein Lieblingsgegner

ÖFB-Präsident Leo Windtner misst dem Warschau-Spiel große Bedeutung bei, es sei richtungsweisend. Valentino Lazaro setzt auf „Punch“ – nur die Statistik verheißt nichts Gutes.

Erst Waldidyll, dann Stadionlärm: Teamchef Franco Foda sinniert mit Valentino Lazaro (l.) über Taktik und Tore.
Erst Waldidyll, dann Stadionlärm: Teamchef Franco Foda sinniert mit Valentino Lazaro (l.) über Taktik und Tore.
Erst Waldidyll, dann Stadionlärm: Teamchef Franco Foda sinniert mit Valentino Lazaro (l.) über Taktik und Tore. – (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Warschau/Wien. Es klingt ob zweier deutlich verlorener Spiele fast schon nach einem Märchen. Doch Österreich hat sein Schicksal nach dem 6:0 gegen Lettland in der EM-Qualifikation vorerst wieder in der eigenen Hand: Das ÖFB-Team ist Zweiter der Gruppe C und hat morgen, Montag in Warschau (20.45 Uhr, live auf ORF eins) mit einem Sieg sogar die Chance, die Tabellenführung zu übernehmen und einen wichtigen Sprung in Richtung der Endrunde zu machen. Dem ÖFB spielt zudem in die Hände, dass sich die beiden Verfolger, Slowenien und Israel, im direkten Duell gegenüberstehen.

Dass die vom Ex-Tirol-Spieler Jerzy Brzęczek betreuten Polen durchaus schlagbar sind, hat Slowenien mit dem 2:0 in Laibach vorgezeigt. Brzęczek, 48 und seit 2018 Polens Teamchef, wird jedoch auf diesen Rückschlag reagieren. Er ging davon aus, dass es „vielleicht der richtige Moment für eine kalte Dusche gewesen“ sein könnte. Folglich sollten solche Serien von Abspiel- und Stellungsfehlern nicht erneut passieren.

 

Polen hat ein Nationalstadion

Dass in Warschau mit dem „Stadion Narodowy“, auf Deutsch: Nationalstadion, seit der EM 2012 eine spektakuläre Arena thront, die 58.000 Zuschauer fasst, muss Österreichs Fußballteam, das weiterhin nach einem neuen Heim sucht, schlichtweg negieren. Valentino Lazaro hat damit jedenfalls kein Problem. Weder vom örtlichen Aspekt – der Außenspieler hat im Sommer für eine kolportierte Ablöse von 22 Millionen Euro von Berlin schließlich zu Inter Mailand gewechselt und ist noch größere Atmosphären gewohnt – noch aus sportlicher Herausforderung.

Dass Lazaro, 23, bislang keine Minute für die Mannschaft von Trainer Antonio Conte in der zwei Runden alten Serie A zum Einsatz gekommen ist, darf bei dieser Betrachtung jedoch nicht unbedacht bleiben. Nach einer Oberschenkelverletzung in der Vorbereitung kam er für den Ligaeinsatz noch nicht in Betracht. Im Team hingegen ist er unter Franco Foda gesetzt, der Steirer sagt: „Unsere Philosophie ist es, mit dem Ball dominant zu sein. So wollen wir auftreten.“ Der Legionär sprach vom „Punch“, den das ÖFB-Team auf den Rasen mitbringe. Qualität sei vorhanden, auch die nötige Raffinesse, sagt er. Dass zudem Kraft und Durchsetzungsvermögen vonnöten sind, wenn Stürmerstars wie Robert Lewandowski (Bayern München) oder Krzysztof Piatek (AC Milan) im Strafraum auftauchen, versteht sich von selbst. Foda dürfte in Warschau trotz der Option der Tabellenführung erneut nicht alles riskieren, sondern auf eine Viererkette und ein vor ihr variablen System setzen. Die Formation 4-2-3-1 hat gegen Lettland Früchte getragen und es ist davon auszugehen, dass der Deutsche daran nichts ändern werde – außer dem Umstand, dass mehr Augenmerk auf die Defensive gelegt werden soll. Es trifft also auch Lazaro, der sich gegen die Balten am Flügel auf offensiv in Szene gesetzt hat. Er könnte diesmal eher weiter hinten zu finden sein.

 

Gegen Polen seit 1994 sieglos

Anhänger der Statistik, sie ist in vielen Sportarten richtungsweisend, sehen hingegen für den Auftritt in Warschau eher schwarz. Es wartet das zehnte Länderspiel gegen Polen – und die bisherige Bilanz ist negativ. Drei Siegen und einem Remis stehen fünf Niederlagen gegenüber, zuletzt unterlag die Foda-Elf im März zum Auftakt der EM-Qualifikation in Wien mit 0:1. Den Treffer erzielte Piatek.

In vier Pflichtspielen gegen Polen wartet die ÖFB-Auswahl überhaupt noch auf einen Sieg. Drei Partien sind verloren gegangen, das einzige Remis datiert aus dem Jahr 2008. Bei der Heim-EM donnerte Ivica Vastić einen Elfmeter zum späten 1:1-Ausgleich ins Netz. Und der letzte Sieg? Der ist bereits ein Vierteljahrhundert her, im Mai 1994 hat ein Triplepack von Peter Stöger den 4:3-Testsieg gesichert.

„Die Runde am Montag wird sicher richtungsweisend. Noch nicht vorentscheidend, aber richtungsweisend“, sagt FB-Präsident Leo Windtner. „Für uns geht es jedenfalls darum, aus Warschau etwas mitzunehmen.“ Womit man wieder beim Märchen gelandet wäre. Es sind Prosatexte, die doch von so wundersamen Begebenheiten erzählen . . .

EM-Qualifikation Gruppe G

SP S U N TORE P
1.Polen5401612
2.Österreich530279
3.Slowenien522168
4.Israel522118
5.Nordmazedonien5122-25
6.Lettland5005-180

Österreich – Lettland 6:0, Slowenien – Polen 2:0, Israel – Nordmazedonien 1:1.

Heute: Polen – Österreich (20.45, live, ORF eins).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2019)

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