Fußball-WM im Land der berüchtigtsten Hooligans

Fussball-WM Dennoch erwarten Experten wegen harten Vorgehens der Polizei in Russland wenig Probleme

SOCCER - UEFA EURO 2016, ENG vs RUS
SOCCER - UEFA EURO 2016, ENG vs RUS
GEPA pictures

Die Bilder sind noch in frischer Erinnerung: Schwarz gekleidete durchtrainierte Gestalten fallen in Marseille über grölende, betrunkene Engländer her. Es war der "große" Auftritt der russischen Hooligans bei der EURO 2016. Auf Bildern ist zu sehen, wie englische Fans, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, zu dritt oder zu viert mit Fußtritten traktiert wurden, bis sie sich nicht mehr rührten.

Mindestens ebenso verstörend wie die Bilder aus Marseille waren Kommentare einzelner russischer Politiker auf sozialen Netzwerken, die ihre Hooligans zu den Aktionen beglückwünschten. Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew schrieb etwa auf Twitter: "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht, Burschen. Weiter so!"

Und dennoch, daraus abzuleiten, dass die Weltmeisterschaft in Russland zu einer großen Hooligan-Schlacht verkommt, ist laut Experten nicht angebracht. "Erstens einmal: Als Hooligans anderer Nationen zur WM zu fahren, käme einem Selbstmord gleicht", sagte ein Insider zur APA - Austria Presse Agentur. Britische Hooligans hätten gegen die Russen keinen Auftrag.

Während in Großbritannien noch immer einem traditionellen Zugang gefrönt wird - mit ausgiebigem Pub-Besuch und jeder Menge Bier vor der Schlacht -, ist es in der osteuropäischen Szene ganz anders. Nahezu alle Mitglieder der "Firmen" dort sind Kampfsportler, oft in der Türsteher- und Security-Branche tätig und überwiegend rechtsextrem ausgerichtet. Alkohol gilt in diesen Kreisen als verpönt. Das englische "100 Prozent Biermonster" habe da kaum eine Chance.

Auch die Vorgangsweise ist um vieles brutaler. Dass es einmal so etwas wie einen Kodex gab, wonach auf am Boden Liegende nicht mehr eingetreten wird, ist anscheinend kaum noch erinnerlich. Auf YouTube existieren zahllose Videos, in denen russische Hooligans ihre unterlegenen Gegner mit Tritten gegen den Kopf- und Bauchbereich malträtieren, bis sich diese nicht mehr bewegen. Auch in Marseille war das zu sehen.

"Ich glaube aber auch deshalb nicht, dass viel in Russland los sein wird, weil die russische Polizei sehr schnell durchgreift", sagte der Experte. Die 3D-Strategie der Exekutive (Dialog, Deeskalation, Durchgreifen) sei dort auf das letzte D reduziert worden. "Einmal schief schauen, und du bist schon einkassiert", lautet die Devise dem Insider zufolge.

Das beklagten russische Hooligans in einer kürzlich veröffentlichten Dokumentation des ZDF auch selbst. Bereits wenige Monate hatten die Behörden eine "Aktion Scharf" gegen die Gewalttäter eingeleitet. Dass sie bei der Weltmeisterschaft große Chancen zu einem spektakulären Auftritt bekommen, glaubten die interviewten Hooligans selbst nicht.

(Schluss) gu/sws/tb

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