Wen die Schulter zwickt und wer sie mitunter gern beißt

Fussball-WM Gruppe A. Ob Mo Salah heute für Ägypten spielen kann, entscheidet sich vor Anpfiff. Uruguay setzt trotz diverser Aussetzer auf Stürmer Luis Suárez.

Mo Salah ist Ägyptens größte WM-Hoffnung.
Mo Salah ist Ägyptens größte WM-Hoffnung.
Mo Salah ist Ägyptens größte WM-Hoffnung. – APA/AFP/KARIM JAAFAR

Jekaterinburg. Auf der linken Schulter von Mohammed Salah lasten die Hoffnungen des ägyptischen Fußballs. Wird der Stürmerstar des FC Liverpool heute beim ersten WM-Auftritt der Nordafrikaner seit 28 Jahren auflaufen? Kann „King“ Salah am Freitag gegen Uruguay spielen?

Es herrscht höchste Geheimhaltungsstufe. Die Entscheidung über einen Einsatz des verletzten Nationalhelden wird erst wenige Stunden vor dem Anpfiff fallen. „Salah kann in jeder Mannschaft den Unterschied ausmachen“, weiß Teamchef Héctor Cúper. Über die Qualität des 25 Jahre alten Ausnahmekönners, der bei Ägyptens letztem Endrundenspiel 1990 noch gar nicht geboren war, musste der ehemalige Valencia-Coach gar nichts erzählen. Die ist seit dieser Saison weltbekannt.

 

Ersatz? Ein Canadi-Spieler!

Sollte Salah aber nicht zur Verfügung stehen: Was dann? Cúper sagt: „Dann haben wir einen Plan B, genauso wie Argentinien, wenn es ohne Lionel Messi spielt!“

Dieser Vergleich trifft es ganz gut. Ohne Salah fehlt Ägypten der Faktor Weltklasse, vor dem die Rivalen Respekt haben. Seit der vor drei Wochen im Champions-League-Finale erlittenen Bänderverletzung gibt es in Ägypten fast tägliche Krankenberichte über den Angreifer. Nur dosiert konnte er zuletzt trainieren. Fällt er aus, könnten Warda vom Canadi-Klub Atromitos Athen, Kahraba (al-Ittihad) oder Sobhi (Stoke City) auf der rechten Offensivposition zurückgreifen.

Ob das genügen wird? Denn der WM-Vierte von 2010 hat alle Stars an Bord und will nach dem frühen K. o. vor vier Jahren im Achtelfinale gegen Kolumbien dieses Mal mehr erreichen. „Träumen tut man immer groß“, erklärte Barcelonas Stürmerstar Luis Suárez. Umsetzen müsse man es halt auf dem Platz – und dabei gewisse Spielregeln einhalten . . .

Rückblende, 24. Juni 2014: das letzte Gruppenspiel gegen Italien (1:0). Suárez biss Giorgio Chiellini bei einem Zweikampf im Strafraum in die – linke – Schulter. Ein einmaliger Vorfall in der WM-Geschichte, der Referee übersah es. Millionen TV-Zuschauer waren vollkommen fassungslos.

Der Weltverband reagierte prompt mit einer drakonischen Strafe: Suárez wurde für vier Monate gesperrt und musste 86.100 Euro Strafe zahlen. Und ohne ihn scheiterte Uruguay im Achtelfinale an Kolumbien.

 

Seine Frau belogen

Auf dem Rasen war Suárez schon so oft in die Rambo-Rolle geschlüpft. 2003 streckte er als 16-Jähriger einen Referee wegen einer Roten Karte per Kopfstoß nieder. Im Ajax-Trikot prügelte er sich 2007 in der Halbzeit mit Albert Luque. 2010 biss er erstmals zu, rammte Otman Bakkal (PSV) die Zähne in die Schulter. Suárez wurde wegen Rassismus gesperrt, 2013 biss er Chelsea-Spieler Branislav Ivanović. 2014 biss er Chiellini – und dieser letzte unrühmliche Abgang verfolgt Suárez noch heute. Seiner Familie gegenüber verheimlichte er lang die Wahrheit. „Ich habe meine Frau, Sofia, angelogen“, beichtete der 31-Jährige im Vorjahr in einem TV-Interview. „Sie fragte, ob ich es getan habe, und ich stritt es ab.“

Seinen Kindern, Delfina und Benjamin, schwindelte Suárez ebenfalls etwas vor, als diese sich darüber wunderten, dass er nach seinem 82 Mio. Euro teuren Transfer von Liverpool zum FC Barcelona im Sommer 2014 wochenlang nicht zur Arbeit ging. Dass er in Wahrheit ein Softie ist, wie er zuletzt beteuerte, ist eine „Notlüge“ aus Scham.

Es wäre fatal, gäbe Salah heute sein Comeback und just der für Schulterbisse berüchtigte Suárez würde rückfällig werden . . . (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

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