"Innerer Reichsparteitag": ZDF bedauert "Entgleisung"

ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein fand einen unglücklichen Vergleich für Miroslav Kloses Tor-Freude im WM-Spiel Deutschland gegen Australien. Das ZDF entschuldigt sich für den "umgangssprachlichen Ausdruck".

Innerer Reichsparteitag bedauert Entgleisung
Innerer Reichsparteitag bedauert Entgleisung
Miroslav Kloses WM-Tor: Für ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ''ein innerer Reichsparteitag'' – (c) AP (Roberto Candia)

Ein Sager von ZDF-Modertatorin Katrin Müller-Hohensteinsorgt in Deutschland für Aufsehen: "Und für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz in Ernst, dass er heute hier trifft", sagte die Moderatorin in der Halbzeitpause beim 4:0-Erfolg der DFB-Elf gegen Australien am Sonntagabend.

Das ZDF hat sich am Montag für eine verbale "Entgleisung" entschuldigt. Konsequenzen für die Journalistin schloss der Sender aus.

"Das wird so auch nicht mehr vorkommen"

"Das ist eine verbale Entgleisung, die ihr und uns leidtut. Sie ist im Eifer der Situation entstanden. Wir bedauern das, und das wird so auch nicht mehr vorkommen", sagte ARD/ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz, "das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der nicht in die Fernsehsprache gehört."

Im Internet waren über Twitter bereits wenige Minuten nach dem Ausspruch die Emotionen hochgekocht.

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Historisch belastet

Die in Deutschland verbreitete umgangssprachliche Redensart "innerer Reichsparteitag" soll das Erleben von großer Freude oder großer Genugtuung beschreiben. Umstritten ist der Ausspruch, weil er eine Verbindung zu den inszenierten Massenveranstaltungen der NSDAP-Propaganda schafft.

In ihrer Selbstdarstellung verkündete die NS-Propaganda 1934: "Der Reichsparteitag ist die Heerschau der nationalsozialistischen Bewegung. Neue Aufgaben und Ziele der Partei werden durch den Führer festgelegt. Politische Leiter, SA und HJ geloben, in Gemeinschaft mit den übrigen Parteigenossen, dem Führer Treue und Gefolgschaft".

Der von Leni Riefenstahl inszenierte Film "Triumph des Willens" über den Nürnberger NSDAP-Reichsparteitag von 1934 dokumentierte diese Art von Selbstdarstellung des NS-Regimes.

Wer wie im aktuellen Fall bei einem WM-Kommentar von einem "inneren Reichsparteitag" spricht, stellt nach Ansicht von Kritikern einen sprachlichen Zusammenhang zwischen einem sportlichen Großereignis und der Massenpropaganda der NS-Diktatur her.

(Ag.)

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