Lacrosse: Mit Stick und Gebissschutz, aber ohne Geld nach Kanada

Österreichs Damen-Nationalteam bestreitet am Wochenende in Prag die Generalprobe für die Weltmeisterschaft in Kanada. Die Sportart steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen, Individualismus ist gefragt.

LACROSSE - Team AUT Damen, Training
LACROSSE - Team AUT Damen, Training
LACROSSE - Team AUT Damen, Training – GEPA pictures

Wien. Es gibt bessere Bedingungen, sich auf eine Weltmeisterschaft vorzubereiten. 19 Teams werden die Titelkämpfe im kanadischen Oshawa (10. bis 20.Juli) bestreiten. Und Österreich ist dabei. Um in Form und Schwung zu kommen, wird enthusiastisch trainiert – zweimal in der Woche auf dem Sportplatz von Hellas Kagran auf Kunstrasen.

Ein Dutzend junger Damen hetzt hin und her. Geschwungen wird ein Stick, gejagt ein Hartgummiball. Die Rede ist von Lacrosse, einer Ballsportart, die hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt, in anderen Ländern aber eine große Nummer ist. Beispielsweise in Kanada, da ist Lacrosse neben Eishockey der Nationalsport.

„Kleiner Bruder des Krieges“

Es geht flott zu bei Lacrosse, man braucht ein flinkes Auge, um alles genau beobachten zu können. Auf zwei Beinen gespielt reden wir vom schnellsten Mannschaftsballsport. In den Anfängen von Olympia war man sogar Wettkampfdisziplin, 1904 und 1908 stand Lacrosse offiziell auf dem Programm. Dann verschwand man wieder, tauchte 1932 und 1848 erneut auf, wenn auch nur als Demonstrationssport. Danach verlor diese Sportart an internationaler Bedeutung. In Österreich hält das Lacrosse-Fähnchen eine überschaubare Fangemeinde hoch.

Das Spiel stammt von den Indianern der Ostküste, sie nannten es Baggataway oder auch Tewaraathon, was so viel wie „Kleiner Bruder des Krieges“ heißt. Teamgeist, erkannte man, sei förderlich für die Kriegsführung. Nicht selten endeten diese Spiele für den einen oder anderen mit dem Tod. Ganz so gefährlich ist das alles heute nicht mehr.

Das erste Lacrossespiel, das von Damen ausgetragen wurde, fand 1890 an der Klosterschule St. Leonards in Schottland statt. Eine Nonne hatte über diese Sportart gelesen und befunden, sie an ihrer Schule ausüben zu lassen. Die Regeln waren im Vergleich zum Herren-Lacrosse sehr ähnlich, heutzutage gibt es große Unterschiede. Die Damen-Lacrosseregeln limitieren den Schläger- und Körperkontakt, die Herren tragen wie beim Eishockey Helme, Rippen- und Schulterschutz und Handschuhe.

Österreichs Damenteam, das am Wochenende den Prague Cup 2013 (Turnier mit Tschechien, Großbritannien und Finnland) in Angriff nimmt, ist eine Auswahl von Idealistinnen. Getrieben werden sie alle von der Leidenschaft. „Lacrosse“, sagt Nationalspielerin Isabelle Schimek, „lebt von der Schnelligkeit und der Präzision.“ Erforderlich seien „Zeit und Geduld“. Trainiert wird nach der Arbeit. „Und zwar sehr ernst.“ Aber unter dem Strich eine mühsame Angelegenheit. Denn auch die Platzmiete muss extra bezahlt werden. Nach Prag werden am Wochenende Fahrgemeinschaften gebildet, gewohnt wird in der Regel in billigen Hostels oder Zwei- bis Dreisternhotels.

Für die WM suchen die Lacrosse-Damen noch einen Sponsor, die Reise kostet pro Kopf 2500Euro. „Urlaub? Wir spielen“, sagt Isabelle Schimek, die hauptberuflich bei der Bareal Immobilientreuhand GmbH arbeitet. Die Österreicherinnen treffen in der Gruppenphase übrigens auf Japan, Hongkong, Schweden und Haudenosaunee (Iroquois Nationals). Harte Kämpfe werden erwartet.

Rekord: Schuss mit 179 km/h

Die Liebe zum Indianersport hat die 29-Jährige in England entdeckt – im Internat auf einem College in England. Auch später auf der Uni in London (Fächer Spanisch, Literatur) hat sie die Gegend mit dem Stick unsicher gemacht. Erst im Jänner ist sie nach Österreich zurückgekehrt.

Gelandet ist die Angreiferin bei den Vienna Monarchs. Ein Trainer hat sie spielen gesehen, alsbald wurde sie ins Nationalteam einberufen. Größter Rivale in Wien sind die Vienna Cherokees. Dann gibt es noch die Sportunion Graz Gladiators und einen Lacrosseverein in Salzburg. Alles steckt noch irgendwie in den Kinderschuhen. Im Lager der Herren ist man da ein Stückerl weiter. Aber auch dort fehlt es an Geld.

Das Spiel verlangt Schnelligkeit, Ausdauer, Taktik und Geschicklichkeit, es ist dynamisch und spektakulär. Als Teamchef fungiert ein US-Amerikaner (Mike Perez), Assistent ist Richard Hauer. Empfohlen wird eine Gitterschutzbrille, Gebissschutz ist Pflicht, Handschuhe sind empfehlenswert. Die bis dato höchste Schussgeschwindigkeit beträgt 179 km/h. Da kann man nur sagen: „Sticks up!“

Gespielt wird auf einem 55 Meter breiten und 102 Meter langen Feld. Das Tor ist 1,83 Meter mal 1,83 Meter groß und befindet sich nicht am Spielfeldende, sondern 14Meter davor. Die Spielzeit bei den Damen beträgt zweimal 30 Minuten.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.oelaxv.com

Auf einen Blick

Lacrosse ist ein Teamsport der US-Ureinwohner, der mit einem Stick und einem Hartgummiball gespielt wird. Das Feld ist 55 Meter breit und 102 Meter lang. Das Tor ist 1,83Meter x 1,83 Meter groß. Die Spieldauer beträgt viermal 20Minuten (Herren) oder zweimal 30 Minuten (Damen). Ein Team umfasst zehn Spieler.

Österreichs Damenteam bestreitet am Wochenende in Prag die Generalprobe für die WM in Kanada.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2013)

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