Jungwirth-Urteil: Der tiefe Fall eines Sportfunktionärs

Gericht. Fünf Jahre Haft wegen Untreue: Das Oberlandesgericht Wien bestätigte sowohl das Urteil als auch das Strafmaß gegen den ehemaligen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth.

tiefe Fall eines Sportfunktionaers
tiefe Fall eines Sportfunktionaers
tiefe Fall eines Sportfunktionaers – (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Wien. „Wenn jemand schon so wie er am Boden liegt, soll man nicht noch draufsteigen.“ Herbert Eichenseder ließ am Freitag im Justizpalast nichts unversucht, um seinen Mandanten Heinz Jungwirth vor dem Drei-Richter-Senat des Oberlandesgerichts Wien in ein besseres Licht zu rücken. Das Österreichische Olympische Komitee sei kein straff geführter Verein gewesen. Es habe in finanzieller Hinsicht „ohne Sicherheitsnetz im freien Raum funktioniert“...

Der Verteidiger versuchte nach dem Schuldspruch wegen Untreue in erster Instanz und der vom Obersten Gerichtshof verworfenen Nichtigkeitsbeschwerde erneut auszuführen, warum die Jungwirth angelastete Schadenssumme in Höhe von 3,3 Millionen Euro aus dem Zeitraum von 2003 bis 2009 nicht stimme. Doch dieser Appell ging ins Leere. Das OLG bestätigte das Strafausmaß. Jungwirth, der einst mächtigste Sportfunktionär des Landes, muss für fünf Jahre ins Gefängnis.

Der Einwand, dass es Jungwirth durch die Geschäftsgebarung leicht gemacht worden sei, ÖOC-Gelder für eigene Zwecke abzuzweigen, war der Berufung nicht dienlich. „Eine Reduktion steht nicht im Raum“, hielt der Vorsitzende Dietmar Krenn mit dem Verweis auf die „extrem hohe Schadenssumme“, vor allem aber auf die persönliche Bereicherung und den langen Tatzeitraum in seiner Begründung fest.

 

Die Schuhschachtel-Buchhaltung

Damit endet die seit Februar 2009 laufende ÖOC-Affäre. Nachdem Fotos aufgetaucht waren, die Jungwirths Lebensstil mit Fuhrpark und Reitstall zeigten, hat sich mit Vorwürfen über den Einsatz von Steuer- und Fördergeldern Druck auf den ÖOC, dessen damaligen Präsidenten Leo Wallner und seinen Wegbegleiter aufgebaut. Der Generalsekretär trat nach 27 Dienstjahren zurück – und damit nahm die Aufarbeitung erst ihren eigentlichen Lauf.

Ominöse Handyrechnungen und Flugtickets tauchten auf, die Buchführung des ÖOC bis 2005 aber nicht mehr. Sie soll in Schuhschachteln verschwunden sein, ein dafür durchaus übliches EDV-System gab es nicht.

Auch wurde dem Verbleib von Geldern aus Salzburgs Olympiabewerbung nachgegangen und das Zutun eines Lobbyisten wurde beleuchtet. 2010 wurden schließlich Schwarzgeldkonten publik, für großes Aufsehen sorgte dabei ein womöglich vom ÖOC – über Umwege – bezahlter Tirol-Urlaub des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko. Parallel zu all diesen Ergebnissen übergab Wallner sein Amt im Herbst 2009 an Karl Stoss. Die neue ÖOC-Führung sowie die Gerichte forderten Gutachten diverser Wirtschaftsprüfer.

 

Verquickung: „Beruf und privat“

Am Wiener Straflandesgericht wies Wallner 2012 jedenfalls Jungwirths Erklärung, dass die Verwendung der Gelder und deren Verwahrung sehr wohl mit ihm akkordiert gewesen sei, entschieden zurück. Der ehemalige Casinos-Generaldirektor beteuerte, keinerlei Kenntnisse über Schwarzgelder oder Konten gehabt zu haben. Auch alle anderen ÖOC-Vorstände und Kassiere „wussten nichts“. Nur der Generalsekretär musste sich wegen des Vorwurfes der Untreue (§ 153 StGB) verantworten.

Nun steht nach dem rechtskräftigen Urteil fest, dass Heinz Jungwirth von 2003 bis 2009 seine Zeichnungsberechtigung auf ÖOC-Konten missbraucht und sich Gelder für private Zwecke angeeignet hat. Ein Fuhrpark, zehn Pferde, eine Reithalle im Ausmaß von 70 mal 20 Metern, Reitlehrer, etc. – all das stand in der Anklageschrift.

Der ehemalige Wiener Gymnasiallehrer, 61, hat diese Vorwürfe allerdings stets abgestritten. Im Justizpalast sagte er am Freitag, er habe bis zu 200 Tage pro Jahr im Ausland „für den Verein“ gearbeitet. Die „Verquickung von Beruf und privat“ sei „notwendig, wenn auch verboten“ gewesen.

Auf einen Blick

Heinz Jungwirth, 61, wurde am Freitag vom Oberlandesgericht
Wien (OLG) zu fünf Jahren Haft verurteilt. Damit wurde das Urteil
aus erster Instanz gegen den ehemaligen ÖOC-Generalsekretär wegen Untreue (Schadenssumme
3,3 Mio. €) rechtskräftig. Zuvor
hatte auch schon der Oberste Gerichtshof (OGH) den Schuldspruch bestätigt.

Der Funktionär war von November 1982 bis Februar 2009 Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees.
Laut Feststellungen der Gerichte ist es erwiesen, dass er von 2003 bis 2009 seine Zeichnungsberechtigung auf ÖOC-Konten missbraucht
und sich Gelder zugeeignet hat,
um sein Privatleben damit zu finanzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2013)

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