Iron-Lady gewinnt beim Debüt

Ironman. Die Britin Chrissie Wellington sorgte mit ihrem Sieg beim Hawaii-Triathlon für die Überraschung. Der Australier McCormack beendete Deutschlands Erfolgsserie.

(c) EPA (Bruce Omori)

KAILUA-KONA (fin/red). Hawaii ist nicht immer gleichbedeutend mit Urlaub, Cocktails und Erholung pur. Denn jedes Jahr trifft sich die Ironman-Elite auf der Sonnenschein-Insel und sucht ihre neuen Aushängeschilder. Dieser Bewerb, nein, dieses Rennen, genießt in der Szene tatsächlich Kultstatus, ein echter Triathlet will diesen Klassiker in seinem „Lebenslauf“ vorweisen. Mit dem Vermerk, es auch ins Ziel geschafft zu haben. Und tatsächlich, wer 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen kann und wem hohe Luftfeuchtigkeit, extreme Gegen- und Seitenwinde auf der Radstrecke und schließlich auch noch die stets sengende Hitze auf dem Laufabschnitt nichts anhaben können, der ist wirklich eisern – also ein Ironman.


Ironman kennt keine Altersgrenzen

2007 stellten sich 1800 Athleten dieser Herausforderung, sogar in diversen Altersklassen. Natürlich waren alle Blicke vorwiegend auf die Profis gerichtet, doch auch im Hinterfeld boten einige Athleten Top-Leistungen und durchbrachen ihren Willen oder schüttelten einmal mehr die Angst vor der Aufgabe ab. Wie sonst ist es zu erklären, dass die 63-jährige Amerikanerin Cherie Gruenfeld ihren Bewerb nach 13:11:19 Stunden gewann? Oder sich der Grazer Bernd Dorda (67) nach 13:03:34 Stunden nur um knapp elf Minuten geschlagen und mit Platz 2 begnügen musste hinter dem Kanadier Milos Kostic? Ein Ironman kennt keine Limits und offensichtlich auch keine Altersgrenzen.

Der Australier Chris McCormack (8:15:34), und die Britin Chrissie Wellington (9:08:45) jedenfalls setzten sich bei der WM 2007 außerordentlich in Szene. Sie gewannen die Ironman Hawaii World Championship, wobei sich McCormack vor allem im Marathon (2:42 Stunden) verausgabte, um seinen ersten Sieg im fünften Anlauf zu feiern. 2006 war ihm nur Silber geblieben, doch heuer wollte sich der 34-Jährige nicht mehr abfangen lassen – schon gar nicht von einem Deutschen, schließlich war der Sieg seit 2005 stets an einen Deutschen gegangen. McCormack: „Es ist für mich die Verwirklichung eines Jugendtraums. Ich widme diesen Sieg meiner Mutter und meinem verstorbenen Trainingskollegen.“


„Muppet“ lief allen auf und davon

Während einige mit McCormack spekuliert hatten, galt Chrissie Wellington bei den Profis als Außenseiterin – trotz ihrer Siege in Korea oder Zürich. Doch „Muppet“, wie die 30-jährige Britin gerufen wird, rückte sich ins Rampenlicht. Sie verwirklichte bei der Hawaii-Premiere auch eines ihrer Lebensmottos, einen Leitspruch, den einst Muhammed Ali vielen Sportlern mit auf den Weg gegeben hatte: „Champions werden aus dem gemacht, einem Wunsch, einem Traum, einer Vision...“


Überraschungen aus Österreich

Als beste Österreicher kamen der Kärntner Elmar Schuberth als 32. (9:04:25) und die Wienerin Veronika Hauke als 33. (10:21:04) ins Ziel. Einen bemerkenswerten Kraftakt spulte dabei auch „Presse.com“-Redakteurin Andrea Geier ab. Die 24-Jährige benötigte für die Gesamtdistanz zehn Stunden und 46 Minuten (10:46), sie belegte damit in ihrer Altersklasse den sechsten und in der Gesamtwertung – als zweitbeste Österreicherin wohlgemerkt – den 80. Rang im Damen-Rennen.

www.ironman.com

AUF EINEN BLICK

1800 Athleten starteten heuer bei der „Ironman-WM“ auf Hawaii. Bei den Herren siegte der Australier Chris McCormack, bei den Damen die Britin Chrissie Wellington. Österreich wurde von 55 Teilnehmern vertreten, Elmar Schuberth und Veronika Hauke lieferten die besten Ergebnisse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2007)

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