Der größte Talenteschuppen steht in Graz

Sturm-Trainer Foda kennt keine Scheu, neuen Nachwuchsspielern immer wieder eine Chance zu geben.

WIEN (wie-). Der Aufwand, mit dem Frank Stronach seine Nachwuchs-Akademie betreibt, ist für österreichische Verhältnisse immens. Aber der Hollabrunner Boden ist noch immer kein goldener Untergrund. Nur sehr wenige Spieler schaffen den Sprung zum Stammverein, oft reicht es nicht einmal für die Amateur-Auswahl. Ganz anders sieht die Situation in Graz und Umgebung aus. Während Sturm in der Ära Hannes Kartnig auf Legionäre setzte, schwimmt man heutzutage auf der Österreicher-Welle. Die finanziellen Probleme, die zum Ausgleich geführt haben, öffneten talentierten Youngsters Tür und Tor.


Unbekümmerte Rasselbande

Franco Foda, der Trainer, hat längst aus der Not eine Tugend gemacht. Und der Deutsche fährt damit mittlerweile sehr gut. Sturm Graz, im Vorjahr noch mit einem Punkteabzug belegt, ist seit fünf Runden ungeschlagen, Altach wurde nun mit 6:1 abgefertigt, das schlägt sich in der Tabelle mit Rang vier nieder. Gegen die Vorarlberger agierte eine junge, ausgelassene Meute, die sich in einen wahren Spielrausch steigerte, die Vorarlberger standen auf verlorenem Posten. Sebastian Prödl, Kapitän bei der U20-WM in Kanada, und Jürgen Säumel sind als Teamspieler bekannt, mit Daniel Beichler oder Jakob Jantscher aber drängen schon wieder die nächsten Teenager nach. Nobody Jantscher durfte erstmals von Beginn an spielen, prompt gelang ihm sein erstes Tor in der Bundesliga.

Geführt werden die Youngsters von Mario Haas, dem alten Stürmer-Haudegen. Oder von Routinier Muratovic. An ihnen können sich Kienzl, Prettenthaler und Co. anhalten. „Was uns fehlt“, meint Säumel, „das ist die Konstanz. Aber wir haben so junge Spieler in der Mannschaft, da muss man eben mit Fehlern rechnen. Aber wenn einmal alles für uns läuft, dann können wir auch eine ganze Menge Tore schießen.“ Acht Minuten reichten gegen zehn Altacher, um von 3:1 auf 6:1 zu stellen. Den Erfolg kommentierte Trainer Foda in seiner typischen Art. „Der Sieg ist vielleicht etwas zu hoch ausgefallen.“ In dieser Verfassung sind die Steirer aber auch am Samstag gegen Mattersburg (1:1 gegen Ried) zu favorisieren.


Salzburg schülerhaft

An Enttäuschungen müssen sich hingegen die Salzburger gewöhnen, der Meister kam daheim gegen Austria Kärnten über ein 1:1 nicht hinaus. Schon gegen die Austria (0:1) war man auf dem Kunstrasen ausgerutscht. „Wir hatten den Gegner 90 Minuten im Griff“, meinte Niko Kovac, mit Kroatien für die Euro 2008 qualifiziert. „Aber leider haben wir einmal geschlafen.“ Kovac sprach von „schülerhaften Fehlern“, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison ziehen würden.

Gestoppt wurde auch der Lask, die Linzer kassierten ohne Vastic (Rückenprobleme) und Baur (gesperrt) bei Wacker Innsbruck eine 0:2-Niederlage. Die Abstiegsfrage ist noch lange nicht geklärt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2007)

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