Tennis: Tamira Paszek überlegt Nationenwechsel

Die Österreicherin ist enttäuscht über ihre Nichtnominierung für die Olympischen Spiele. Paszek sagte am Dienstag, sie habe sich über einen Nationenwechsel Gedanken gemacht.

TAMIRA PASZEK
TAMIRA PASZEK
APA (Herbert Pfarrhofer)

Drei Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking zeigte Österreichs Tennis-Hoffnung Tamira Paszek, wie groß ihre Enttäuschung über ihre Nichtnominierung für Olympia ist: Im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien meinte die 17-Jährige, sie habe sich über einen Nationenwechsel Gedanken gemacht.

"Enttäuschung sehr, sehr groß"

Die Vorarlbergerin fühlt sich zwar "zu 100 Prozent" als Österreicherin, die Enttäuschung steckt ihr aber tief in den Knochen: "Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß. Es war schon immer mein Traum, bei Olympia dabei zu sein und ich habe sehr hart dafür gearbeitet. Das war eigentlich das Hauptziel im gesamten vergangenen Jahr. Dann habe ich mich international qualifiziert und werde nicht geschickt."

"Es sollte alles professioneller ablaufen"

"Ich war letztes Jahr in Peking, habe Portoroz sausenlassen, um dort einmal die Erfahrung zu sammeln wie es ist in China. Ich verstehe natürlich, ich hatte eine schlechte Zeit die letzten sechs Monate, habe kaum Matches gewonnen, war in einem sehr schlechten Zustand fitnessmäßig und auch persönlich. Was ich kritisieren möchte ist einfach, es sollte alles professioneller ablaufen", meinte Paszek in Richtung ÖOC und spricht dabei nicht nur sich selbst an. "Ich kann nichts dran ändern, die Entscheidung ist gefallen. Egal, für welches Land ich spiele." Sie will sich das aber in Ruhe überlegen und keine schnelle Entscheidung treffen, keineswegs will sie dies als "Rute ins Fenster stellen" interpretiert haben.

"Spiele definitiv mit dem Gedanken"

"Ich spiele definitiv mit dem Gedanken, wer weiß, eines Tages für ein anderes Land zu spielen. Ich werde keine voreiligen Entscheidungen treffen, aber ich muss auf meine Karriere schauen und auf das schauen, was für mich besser ist in Zukunft."

In diesem Zusammenhang lobte Paszek die Trainingsbedingungen in Brasilien, der Heimat ihres Trainers Larri Passos.

Auch ihr Pressebetreuer Karlheinz Wieser wollte sich zu diesem Fall äußern. "Wenn nur ein klitzekleiner Wille (des ÖOC, Anm.) dagewesen wäre, wäre es machbar gewesen. Wenn man die Nummer 1 der Welt schlägt bei einem Turnier, das ungefähr so stark besetzt ist wie das Olympische, hätte man das machen können." Es könne doch nicht sein, dass man jemanden, der dort vielleicht sogar eine Chance hat, eine Medaille zu gewinnen, nicht hinlässt.

Paszek drückt dem ÖTV-Trio, das den Sprung nach China geschafft hat, aber die Daumen. "Ich wünsche Sybille, Jürgen und Julian alles Gute und bin mir sicher, dass sie es super machen werden."

ÖOC zeigt Verständnis für Paszek

Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) zeigte Verständnis für die Enttäuschung von Tamira Paszek. Den "angedrohten" Nationenwechsel der jungen Tennisspielerin kann aber ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth nicht nachvollziehen. "Das war vielleicht ein jugendlicher Schnellschuss. Wegen so etwas hängt man doch nicht die Welt an den Nagel und wechselt die Staatsbürgerschaft", erklärte der Chef de Mission auf Anfrage der APA. "Entweder ich bin Österreicher oder nicht."

"Vielleicht ist sie enttäuscht, dass sie in der entscheidenden Zeit schlechte Ergebnisse hatte", gab sich Jungwirth in Peking zu dem Thema zurückhaltend. Es habe eine Deadline gegeben und daran habe man sich gehalten, wiederholte der ÖOC-General seinen schon mehrfach geäußerten Standpunkt.

Strenges ÖOC-Limit nicht erbracht

Das ÖOC hatte am 21. Juli den Kader für die Olympischen Spiele in Peking bekanntgegeben. Zur Überraschung vieler war Paszek nicht dabei. Die Vorarlbergerin hatte sich international qualifiziert, aber das strenge ÖOC-Limit (Viertelfinale bei einem Major-Turnier/A-Limit, Achtelfinale/B-Limit) nicht erbracht. Auch Sybille Bammer, Jürgen Melzer und Julian Knowle schafften das Limit nicht, dürfen die Reise nach Peking aber trotzdem antreten.

Selbst der internationale Tennisverband (ITF) hatte sich beim ÖOC für Paszek nach deren Sieg über Ana Ivanovic eingesetzt, alle Versuche blieben aber ungehört.Schon damals war aus dem familiären Umfeld von Tamira Paszek Enttäuschung vernehmbar.

(APA/Red.)

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