Sportwetten: „Ski ist der größte Hoffnungsmarkt“

Philip Newald, Vorstand bei tipp3, erklärt im Interview mit der "Presse" Sinn und Zweck des Fußballbundesliga-Sponsorings und zeigt sich über das Geschäft bei der Euro 2008 enttäuscht.

Philip Newald
Philip Newald
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Ort)

Mit dem ersten Training auf der Streif wurde am gestrigen Mittwoch die Hahnenkamm-Woche endgültig eröffnet, am Freitag steht der Super G auf dem Programm, Samstag soll der Abfahrtsklassiker stattfinden, abgerundet wird die Streif-Show mit dem Slalom am Sonntag. Auch wenn sich FIS-Präsident Kasper vor einer Woche über den alljährlichen Promi-Auflauf in der Gamsstadt belustigt und Würstel statt Kaviar angeregt hat, so hat sich Kitzbühel längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Neuerdings naschen auch Sportwettanbieter, die auf ein gutes Geschäft hoffen, mit. Philip Newald, Mitglied des Vor-standes bei tipp3, zuständig für Marketing und Sponsoring, spricht sogar vom größten Hoffnungsmarkt.

Die Presse: Wie geht es den Wettanbietern in der Wirtschaftskrise?

Philip Newald: Die Leute versuchen ihr Glück – in der Hoffnung, dass sie einen ordentlichen Gewinn machen. An dieser Konstellation hat sich nichts geändert. An einem Wochenende werden bei unserem Unternehmen 30.000 bis 40.000 Wettscheine gespielt, durchschnittlich wird um sieben bis acht Euro gewettet. Der Löwenanteil liegt beim Fußball, der deckt 90 Prozent ab. Dann kommt in Österreich Eishockey – und dann erst Ski und Formel 1. Tennis bieten wir beispielsweise gar nicht an. In der Kitzbühel-Woche steigen natürlich die Skiwetten – sie verdoppeln sich. Hier liegt in Österreich auch der größte Hoffnungsmarkt. Ich denke nur an die Vierschanzen-Tournee, die sich auch für uns mit den Erfolgen von Wolfgang Loitzl gut entwickelt hat. Besonders beliebt ist die sogenannte Hit-Wette. Wir haben den Vorteil, das Vertriebsstellennetz der Lotterien nützen zu können, 90 Prozent unserer Kunden spielen noch immer in Trafiken.

tipp3 konzentriert sich aber dennoch auf Fußball, ist im Sommer auch als Hauptsponsor der heimischen Bundesliga eingestiegen. Was erhofft man sich davon?

Newald: Wir hatten vor diesem umfassenden Sponsoring einen spontanen Bekanntheitsgrad von 18 Prozent, jetzt sind es 26. Die gestützte Bekanntheit der Marke beträgt 70 Prozent (plus zehn Prozent). Unser Ziel ist es, die 30-Prozent-Marke zu erreichen. Die klassische Werbung wurde reduziert, wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft. Der Vertrag mit der Bundesliga läuft drei Jahre, obendrein haben wir in den vergangenen Monaten mit allen zehn Vereinen (Jahres-)Verträge abgeschlossen. Da sind Bandenwerbung, VIP-Karten etc. geregelt. Und bei acht Klubs können wir vor Ort Wetten anbieten. Nur bei Altach (Cashpoint) und beim Lask ist das nicht möglich. Aber wir würden nie Hauptsponsor eines einzelnen Vereins oder Skifahrers sein wollen.

Welche Ziele verfolgt das Unternehmen in der doch kleinen Fußball-Bundesliga?

Newald: Wir sind mit vier Projekten ins Rennen gegangen. Punkt 1: Wir wollen wieder mehr Fußball im Hörfunk haben. Punkt 2: Wir wollen die Arbeitsbedingungen in den Stadien für die Journalisten verbessern, haben über die Winterpause auf diesem Gebiet – Stichwort Fernsehgeräte oder InternetVerbindungen – auch schon viel erreicht. Wir tun uns das gerne an, weil wir uns auch als Service-Unternehmen sehen. Unsere Online-Plattform, das ist Punkt 3, wächst und wächst. Wir bieten Videos, Fan-TV, ein Bundesliga-Archiv etc. an. Punkt 4 wäre unser Fußball-Talk. Ideal wäre natürlich eine Fußball-TV-Diskussionssendung, daran wird noch gebastelt. Aber dieser Plan ist keine Illusion.

Wie war das Geschäft während der Euro 2008?

Newald: Es war weniger Boom als erwartet. Die Erwartungen an die Euro 2008, das gebe ich offen zu, waren höher. Es ist mit der Fußballeuropameisterschaft kein echter Rückenwind in Österreich entstanden.

Ist das Wettgeschäft moralisch völlig unbedenklich?

Newald: Wir haben unseren Firmensitz in Österreich, vertreiben unsere Produkte ausschließlich am Heimmarkt, die Spielteilnahme ist nur innerhalb der Landesgrenzen möglich. So verbleibt die gesamte Wertschöpfung in Österreich. Wir zahlen jährlich ca. zwei Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Bei uns steht die Seriosität im Vordergrund. Jugendschutz ist selbstverständlich, der sozialen Verantwortung wird höchste Priorität eingeräumt.

Wie oft müssen bei tipp3 Wetten wegen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt werden?

Newald: Drei- bis viermal im Jahr. Wir beschäftigen drei Quotenleger, haben ein klares Limit nach oben. Wir sind ein transparentes Unternehmen.

Welchen Umsatz erzielt tipp3?

Newald: Wir haben 20 Prozent Marktanteil und erzielen einen Umsatz von ca. 50 Mio. Euro. Wir als Wettanbieter sind nur Mittler zwischen Mensch und Sport.

DAS UNTERNEHMEN

tipp3, die Österreichische Sportwetten Ges.m.b.H., wurde im April 2000 gegründet und startete den Spielbetrieb im August 2001. Der Marktanteil beträgt 20 Prozent, das Unternehmen macht einen Umsatz von 50 Millionen Euro im Jahr.

Für Marketing und Sponsoring ist im dreiköpfigen Vorstand der Wiener Philip Newald zuständig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2009)

Kommentar zu Artikel:

Sportwetten: „Ski ist der größte Hoffnungsmarkt“

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen