Schwimm-Talent Auböck: "In Österreich fehlt dieser Druck"

Felix Auböck, 18, trainiert seit 2013 in Berlin. Bei den deutschen Meisterschaften schwamm der Bad Vöslauer Rekord, löste WM- und Olympia-Ticket. Im „Projekt Rio“ ist er nicht.

Felix AUBOECK SG Neukoelln Berlin 4 Wettkampftag 200m Freistil Finale der Maenner am 12 04 2015 S
Felix AUBOECK SG Neukoelln Berlin 4 Wettkampftag 200m Freistil Finale der Maenner am 12 04 2015 S
Felix AUBOECK – (c) imago/Annegret Hilse (imago sportfotodienst)

Berlin/Wien. Aufregende Tage liegen hinter Felix Auböck. Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin knackte der 18-Jährige am Wochenende über 200, 400 und 1500 Meter Freistil das Limit für die Langbahn-WM in Kasan und sicherte sich zudem für die beiden letzten Distanzen als erster OSV-Athlet auch das Olympia-Ticket für Rio 2016. Über 200 Meter fehlten ihm dazu nur vier Hundertstel. „Eine echte Überraschung. Richtig realisiert habe ich das noch nicht“, sagt der Niederösterreicher, der seit zwei Jahren für SG Neukölln Berlin schwimmt. „Die Olympia-Teilnahme ist eines meiner großen Karriereziele. Dass ich es schon mit 18 Jahren schaffe, hätte ich nicht gedacht.“

Gleich zum Auftakt überraschte Auböck über 1500 Meter und verbesserte in 15:05,48 Minuten den österreichischen Rekord um sieben Sekunden. Der Vergleich hinkt, doch diese Zahlen dienen zur Einschätzung dieser Zeit: Der Chinese Sun Yang siegte bei Olympia 2012 mit Weltrekordzeit von 14:31,02 Minuten. Im EM-Finale 2014 wäre Auböck Siebenter mit dieser Zeit geworden, bei der WM 2013 Achter. Das ist beachtlich, künftige Finalteilnahmen sind also nicht ausgeschlossen.

 

Zurück in die Schule

„Ich war das ganze Jahr nie krank, habe kein einziges Training verpasst und auch im Wettkampf ist alles aufgegangen“, zählt Auböck die Gründe für seine Leistungsexplosion auf. Danach sei es fast ein Selbstläufer gewesen. „Ich hatte so viel Selbstvertrauen, da hätte wahrscheinlich alles passieren können und ich wäre trotzdem gut geschwommen.“

Als Belohnung gab es ein neues Smartphone vom Papa – und die Rückkehr in den Internatsalltag. Dieser besteht seit seinem Wechsel vor zwei Jahren aus zwei Trainingseinheiten pro Tag, dazwischen wartet die Schulbank. „Richtig anstrengend“ sei es, den durch die Abwesenheiten versäumten Lehrstoff nachzuholen, die Unterstützung vonseiten der Lehrer jedoch optimal. Bereits mit 16 ging der Teenager von Bad Vöslau in die Millionenstadt Berlin, war plötzlich für sich selbst verantwortlich und musste zum ersten Mal selbst waschen oder zusammenräumen. Ein Schritt, den er noch keine Sekunde bereut hat. „Die Umstellung ist mir nicht schwer gefallen, viel schwieriger war es für meine Eltern, vor allem für die Mama“, berichtet der 1,97-Meter-Hüne im Gespräch mit der „Presse“.

Ausschlaggebend für den frühen Abschied aus der Südstadt war die Entlassung von Trainer Walter Bär. Unter dessen Nachfolger Boris Zenov sah Auböck keine Perspektive. „Er war damals schon 76, kann nur gebrochen Deutsch und ich bin mit ihm persönlich überhaupt nicht zurechtgekommen“, schildert er die Gründe. Bei der Junioren-WM in Doha knüpfte er Kontakte nach Berlin und nutzte die Gunst der Stunde, um bei jenem Klub anzuheuern, für den schon große Namen wie Franziska van Almsick oder Britta Steffen geschwommen sind. In Deutschland schätzt Auböck vor allem die große Konkurrenz. „In Österreich fehlt dieser Druck. Da denkt man gar nicht darüber nach, dass jemand schneller sein könnte.“

Alle zwei Monate stattet Auböck der Familie einen Besuch ab, sonst bleibt ihm wenig Freizeit. „Am Wochenende gehen wir gemeinsam einkaufen oder ins Kino – wenn wir noch genügend Kraft dazu haben“, erzählt der 18-Jährige. Nächstes Jahr macht er seinen Abschluss, die Terminkollision mit der Olympia-Vorbereitung sieht er gelassen. „Das Schuljahr endet im März, die Prüfungen sind im April. Also bleiben mir danach noch drei Monate.“

 

Eltern als Sponsoren

Finanziell ist Auböck nach wie vor auf seine Eltern angewiesen. Seit Anfang des Jahres erhält er zwar Unterstützung vom Team Rot-Weiß-Rot sowie der Sporthilfe, doch „das reicht bei Weitem nicht aus“. Die Aufnahme in den Förderkader für Rio ist daher das Ziel, vielleicht wird man ja nun in diesem Gremium hellhörig. Er hat immerhin, ganz ohne Streitereien, das Limit erbracht. „Ich weiß nicht, welche Leistungen ich bräuchte, um da reinzukommen“, berichtet Auböck. Kontakt hat es mit ihm diesbezüglich noch keinen gegeben...

Die Entwicklung im Schwimmverband (OSV) sieht Auböck seit dem (einvernehmlichen) Abgang des langjährigen Generalsekretärs Thomas Gangel grundsätzlich positiv, generell aber fehle „ein gemeinsames System. Da geht jeder Stützpunkt seinen eigenen Weg. In Deutschland gibt es ein Gesamtkonzept, wie man an die Spitze kommt.“ Und genau diesen Weg will Felix Auböck künftig gehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2015)

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