Test verordnet: Ist Leichtathletin Caster Semenya eine Frau?

Caster Semenya, 800-Meter-Weltmeisterin aus Südafrika, muss sich einem Geschlechtstest unterziehen. Der Leichtathletik-Weltverband zweifelt nämlich, ob sie wirklich eine Frau ist.

(c) AP (Anja Niedringhaus)

Eine umstrittene Siegerin gab es bei der Leichtathletik-WM in Berlin im 800 Meter Rennen der Frauen. Die 18-jährige Caster Semenya gewann in der Jahresweltbestzeit 1:55,45 Sekunden. Das Rennen war sauber, möglicherweise stimmt aber bei Semenya etwas nicht. Sie muss sich einem Geschlechtstest unterziehen.

Zweifel, ob die 18-Jährige eine Frau ist, waren wegen ihrer männlichen Erscheinung aufgetreten. Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung sollen innerhalb einer Woche vorliegen.

Jahresbestzeit aus dem Nichts

Semenya war vor drei Wochen aus dem Nichts kommend mit einer Zeit von 1:56,72 Minuten Weltjahresbestzeit und bei der WM in Berlin ins 800-Meter-Finale am Mittwochabend gelaufen. "Wir haben keine Beweise, um ihr einen Start nicht zu erlauben", sagte IAAF-Sprecher Nick Davies. "Wir warten auf das Ergebnis der Untersuchung. Es wäre falsch, sie nicht laufen zu lassen." Der südafrikanische Leichtathletik-Verband ließ mitteilen, dass es keinen Grund für den Verdacht gebe, dass Semenya ein Mann sei.

Geschlechtstests eigentlich abgeschafft

Geschlechtstests sind bei den Olympischen Spielen 1968 eingeführt worden, nachdem eine Reihe von osteuropäischen Athleten in Verdacht geraten waren. Vor den Sommerspielen 2000 in Sydney wurde die "Gender verification" jedoch wieder abgeschafft und sieht sie nur noch in strittigen Fällen vor.

Ärger und Empörung in Südafrika

In Südafrika mischten sich in die Freude über Semenyas Titel auch Ärger und Empörung über den verfügten Geschlechts-Test. Die 18-Jährige sorgte am Donnerstag auf den Titelseiten der Medien am Kap als "Golden Girl" für Schlagzeilen.

"Sie rief mich später an und sagte mir, dass sie sie dort für einen Mann halten", sagte Casters Großmutter Maphuti Sekgala (80) der Zeitung "The Times" und meinte: "Was kann ich machen, wenn man sie als Mann bezeichnet, obwohl sie keiner ist? Gott hat sie so gemacht!" Ähnliche Reaktionen gab es am Donnerstag auch im Rundfunk. Dort wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht neidische Mitbewerber Semenyas Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minuten madigmachen wollten.

Frauenminister gratuliert demonstrativ

Vor dem Hintergrund der Spekulationen über ihr Geschlecht gratulierte ihr demonstrativ das südafrikanische Frauenministerium. Wörtlich heißt es in dem am Donnerstag in Pretoria veröffentlichten Glückwunsch-Telegramm des Ministeriums: "Der unglaubliche Erfolg Semenyas - trotz aller negativen Medienspekulation über ihr Geschlecht - zeigt ihre Entschlossenheit."

Dabei hatte die Südafrikanerin aus dem nahe der Stadt Polokwane gelegenen Dorf Ga-Masehlong schon früh mit solchen Zweifeln zu kämpfen. "Bei Sportveranstaltungen beschwerten sich Lehrer von anderen Schulen mitunter und behaupteten, sie wäre ein Junge. Ich denke, das lag daran, dass sie physisch stark ist und von der Figur her einem Jungen ähnelt", berichtete ihr ehemaliger Lehrer von der Nthema-Schule. Wenn sie mit ihren fünf Geschwistern nicht gerade im elterlichen Haushalt half, Essen kochte, Wäsche wusch oder Wasser holte, galt ihre ganze Begeisterung dem Fußball.

"Ich habe sie oft gefragt, warum sie weiter Fußball mit den Burschen spielt - sie sagte mir nur: 'Weil es mir Spaß macht'", sagte ihre Mutter Dorcas Semenya der Zeitung "The Star".

(Ag.)

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