Ivona Dadic fährt mit EM-Bronze nach Rio

Medaille, Olympialimit und ÖLV-Rekord: Die 22-jährige Oberösterreicherin begeisterte in Amsterdam, für Rio wird weiter an der Technik gefeilt.

ATHLETICS-EURO-2016
ATHLETICS-EURO-2016
Ivona Dadic, der rot-weiß-rote Lichtblick für Rio. – APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Amsterdam. Ivona Dadic kann sich noch genau an ihr erstes Gespräch mit Gregor Högler erinnern, als es darum ging, in dessen Trainingsgruppe aufgenommen zu werden. „Ich habe zu ihm gesagt, ich werde sicher nie dagegensprechen, wenn es ums Training geht.“ Weil sie bisher nie widersprochen habe, erntete sie als Lohn EM-Bronze im Amsterdam-Siebenkampf. Damit ist die Geschichte der 22-jährigen ÖLV-Rekordlerin und bald zweifachen Olympiateilnehmerin aber lange nicht erzählt.

Im Mai 2012 hatte Dadic in Götzis den österreichischen Rekord auf 5959 Punkte verbessert und das Ticket für die Sommerspiele in London gelöst. Als erste Siebenkämpferin aus Österreich überhaupt. Nach Platz 25 übersiedelte die damals 18-Jährige nach Sheffield, um sich der Gruppe von Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill anzuschließen.

Nach einer Meniskusoperation im Februar 2013 folgte im November der zweite Eingriff am Knie. Die Saison 2014 wurde ausgelassen, im Herbst erfolgte der Wechsel in die Südstadt und damit unter die Fittiche der ÖLV-Cheftrainer Högler und Philipp Unfried. Nachdem Ennis-Hill schwanger geworden war, sei das System in Sheffield zusammengebrochen, erzählt Dadic.

 

„Ein Verbandsprodukt“

Ein Außenbandeinriss im Sprunggelenk verhinderte im Mai 2015 ein Antreten in Götzis, nur ein paar Wochen später schlug Dadic aber mit U23-EM-Bronze in Tallinn und ÖLV-Rekord (6033 Punkte) zu. Den 6196 Punkten im Mai in Götzis ließ sie nun 6408 in Amsterdam folgen. Das bedeutet Rang acht der Jahresweltbestenliste, das Olympia-Limit liegt bei 6200 Punkten.

„Meine Trainer, mein Masseur, der Verband – ein Dankeschön an alle, ich werde wirklich von jeder Seite unterstützt“, sprudelte es aus Dadic hervor. Sie glaubt, dass sie wegen ihrer Einstellung von Högler in die Trainingsgruppe aufgenommen wurde. „Wer Gregor kennt, weiß, wie er sich reinhaut. Er ist 24 Stunden für seine Athleten da. Er hat einen perfekten Plan für mich gemacht.“ Rund um Haupttrainer Högler (Athletik, Kraft, Wurf) darf Dadic auf Unfried (Lauf), Inha Babakowa (Hoch) und Wolfgang Adler (Weit, 800 m) bauen.

„Ivi ist ein Verbandsprodukt. Wir haben uns zusammengesetzt, als es Ivi in England schlecht gegangen ist. Haben gesagt, wir glauben an dich und entwickeln für dich eine Gruppe. Das ist aufgegangen, das freut mich natürlich“, meinte Cheftrainer Högler. Bis zum Olympia-Mehrkampf am 12./13. August wartet auf Dadic noch viel Arbeit. Nach ordentlicher Regeneration liege der Fokus auf technischen Verfeinerungen, erklärte Högler. Bei Hochsprung und Speer sei in Amsterdam noch mehr drinnen gewesen. Rio sei aber das Hauptereignis in diesem Jahr, dass man auf dem Weg dahin eine EM-Medaille mitnehmen konnte, sei „unglaublich“.

 

Stark besetzter Halbmarathon

Im Vorfeld von Olympia entschied sich Europas Leichtathletikverband für einen Halbmarathon im EM-Programm. Viele Rio-Teilnehmer über die volle Distanz nützten den Lauf zur Vorbereitung, es gewannen die Portugiesin Sara Moreira (1:10:19 Stunden) und der Schweizer Tadesse Abraham (1:02:03). Für Österreich wurden Lemawork Ketema (1:05:10) 20. und Andrea Mayr (1:13:49) 30. Die Olympianominierung durch das ÖOC hat bisher nur Mayr erhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2016)

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