Ski Alpin: Geläuterter Bode Miller kehrt zurück

Miller gab bekannt, seine Karriere doch noch um ein Jahr zu verlängern. Mehr noch: Der 31-Jährige kehrt auch in den Schoß des US-Skiteams zurück. Der Rebell möchte mit Hilfe des Teams erstmals Olympiagold gewinnen.

Bode Miller
Bode Miller
(c) REUTERS (PASCAL LAUENER)

LOS ANGELES/ALTENMARKT. Im Sommer hatte vieles auf den Rückzug von Bode Miller hingedeutet. Er hatte den Weltcup nach der Weltmeisterschaft in Val d'Isere fluchtartig verlassen und sein Wohnmobil, das er während der Rennsaison bewohnt, zum Verkauf angeboten. Er hatte einen langen Urlaub mit seiner Tochter Neesyn Dacey im Disney-Land und viel Zeit mit Wellenreiten und Golfspielen verbracht.

Nun aber gab Miller bekannt, seine Karriere doch noch um ein Jahr zu verlängern. Mehr noch: Der 31-Jährige kehrt auch in den Schoß des US-Skiteams zurück, das der zweifache Gesamtweltcupsieger und vierfache Weltmeister vor zwei Jahren verlassen hatte. Zu streng waren dem rebellischen Sportler damals die Vorschriften erschienen, Miller hatte daraufhin seine eigene Mannschaft aufgestellt.

Dieser Schritt, betonte Miller, sei keine Entschuldigung. „Ich denke“, sagte er etwas demütig, „meine Auftritte werden viel klarer für sich sprechen, als es je eine Entschuldigung könnte.“

Er sei glücklich, wieder zurück im Team zu sein, sagte er und möchte als „Teamleader vom großartigen Programm der Mannschaft profitieren“. Mit dem klaren Ziel einer Olympiagoldmedaille, die er 2002 in Salt Lake City und vier Jahre später in Turin verpasst hatte.

 

Raich: „Fehlt Miller, geht etwas ab“

Beinahe zeitgleich mit Millers Ankündigung im Staples Center in Los Angeles stellten sich die Atomic-Fahrer in Altenmarkt den Medien. Aksel Lund Svindal wollte das Miller-Statement am liebsten nicht kommentieren, solange „er nicht tatsächlich zurück ist“. Aber: „Ich hoffe, er kommt. Wir brauchen Charaktere wie ihn. Er ist ein netter Kerl. Allerdings macht er nicht nur brillante Sachen, manchmal hat er schon sehr seltsame Ideen.“ Svindal bezog sich dabei auf Aussagen Millers, dass er das strenge Antidoping-Reglement ablehne. Auch Svindals Markenkollege Benjamin Raich schlug ähnliche Töne an: „Für den Weltcup ist das gut. Er ist ein genialer Skifahrer. Dass er hie und da Blödsinn redet – zumindest aus meiner Sicht –, ist aber auch klar.“ Fehlte Miller, ginge etwas ab. „Er ist ein interessanter Typ, er sorgt für Show.“

Miller wollte nicht explizit zugeben, dass sein Alleingang gescheitert sei, er meinte: „Wenn du auf höchstem Niveau arbeiten willst, brauchst du die nötige Unterstützung.“ US-Herren-Trainer Sasha Rearick versprach, Miller zu pushen, bevorzugt behandeln werde er ihn nicht. Das passe nicht in seine Skifamilie, in der mit Ted Ligety, Marco Sullivan, Steven Nyman oder Scott Macartney weitere starke Läufer vertreten sind.

Dass Miller schon beim Saisonauftakt in Sölden am 25. Oktober am Start ist, gilt als unwahrscheinlich. Vermutlich nimmt er den Olympiawinter in Beaver Creek in Kanada Anfang Dezember in Angriff.

 

Albrecht überlegt Comeback in Sölden

Während Marlies Schild in Altenmarkt bestätigte, nicht schon in Sölden, sondern voraussichtlich in Levi ihr Comeback zu geben, könnte der Saisonauftakt eine andere Sensation erleben: Der Schweizer Daniel Albrecht, der im Training für die Kitzbühel-Abfahrt in diesem Jahr so schwer gestürzt war, schloss ein Comeback in Tirol im Oktober nicht aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2009)

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