Karate: Volltreffer mit der richtigen Härte

Alisa Buchinger und Bettina Plank zählen bei der EM in der Türkei zum Favoritenkreis. In zwei Minuten gilt es mit Schlägen und Tritten die Kampfrichter zu überzeugen – 2020 in Tokio erstmals im Kampf um Olympia-Medaillen.

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Treffsicher: Alisa Buchinger und Bettina Plank.
Treffsicher: Alisa Buchinger und Bettina Plank. – (c) GEPA pictures

Wien. Noch sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio in weiter Ferne, für Alisa Buchinger, 24, und Bettina Plank, 25, hat der Countdown zur Premiere im Zeichen der fünf Ringe aber schon begonnen. Die beiden sind Österreichs Karate-Aushängeschilder und wollen gemeinsam mit neun Teamkollegen ab Donnerstag bei den Europameisterschaften in Izmit, Türkei, ihre Medaillensammlung weiter ausbauen.

Buchinger tritt die Reise als regierende Weltmeisterin an, im vergangenen Oktober sicherte sich die Salzburgerin bei der Heim-WM in Linz in der Klasse bis 68 kg erstmals den Titel. Auch Monate später leuchten die Augen noch, wenn sie davon erzählt. Damals wurden ebenfalls die Jahre und Wochen bis zum Highlight gezählt, wuchsen mediale Aufmerksamkeit und Druck mit jedem Tag – eine wichtige Erfahrung im Hinblick auf Tokio, wie Bronze-Gewinnerin (bis 50 kg) Plank erzählt.

Noch sind die genauen Qualifikationskriterien und die Neuordnung der Gewichtsklassen für die Olympia-Premiere des Karatesports nicht beschlossen, an der Teilnahme des Duos aber zweifelt niemand. Die beiden Heeressportlerinnen zählen zu den Besten der Disziplin Kumite, japanisch für Kampf, in der im Gegensatz zu Kata (Form) die Faustschläge und Fußtritte im direkten Duell mit einem Gegner gewertet werden. Zwei Minuten und vier Kampfrichter entscheiden über Sieg oder Niederlage. „Bist du einmal unaufmerksam, ist es vorbei“, erklärt Buchinger, deren Spezialität eine Beintechnik aus der Drehung ist. Die besondere Herausforderung liegt in der richtigen Härte der Schläge, denn Karate ist ein Semikontaktsport, zu harte Treffer haben Verwarnungen oder gar die Disqualifikation zur Folge.

Obwohl der Sport seinen Ursprung in Japan hat, ist inzwischen Europa das Zentrum der Szene und die Endrunde entsprechend hoch einzuschätzen. „Dort gibt es keine schlechten Gegner, das ist wie eine kleine WM“, betont ÖKB-Generalsekretär Ewald Roth, selbst mehrfacher Staatsmeister.

Im Gegensatz zu anderen Sportveranstaltungen wird die EM trotz der derzeit unruhigen politischen Lage in der Türkei stattfinden. Roth selbst hat unlängst beim Weltverbandspräsidenten eine Verlegung angesprochen, zumal der heimische Verband sein geplantes Trainingslager zuvor abgesagt hat. Angesichts der kurzen Zeitspanne aber kam es nicht dazu und einen Verzicht kann sich das rot-weiß-rote Team nicht leisten. Roth: „Damit würden wir uns nur selbst schaden. Als Randsportart sind unsere Förderungen von Erfolgen abhängig.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2017)

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