Eishockey-WM: Den finnischen Löwen fehlt noch der Biss

Vizeweltmeister Finnland vermag bei der derzeit laufenden Endrunde in Paris und Köln bislang nicht zu überzeugen. Teamchef Lauri Marjamäki steht ob der Spielweise in der Heimat bereits schwer in der Kritik.

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Valtteri Filppula lässt Finnland hoffen. – (c) APA/AFP/THOMAS SAMSON

Paris/Wien. Vom silbernen Glanz des Vorjahres ist bei Finnland im Rahmen der diesjährigen Eishockey-WM nichts zu sehen. Gegen die Schweiz standen die Leijonat (Löwen) schon mit dem Rücken zur Wand, bäumten sich mit einem 3:2-Sieg nach Verlängerung jedoch erfolgreich auf. Damit liegt der zweimalige Weltmeister (1995, 2011) vor der heutigen Neuauflage des Vorjahresfinales gegen Titelverteidiger Kanada (20.15 Uhr, live ORF Sport +) in Gruppe B zumindest auf Viertelfinalkurs und wahrt die Serie: Seit 1955 schaffte es Suomi stets unter die besten acht.

Die Gründe, warum die aktuelle Mannschaft um Kapitän Valtteri Filppula, Siegtorschütze gegen die Schweiz, nicht an die Erfolge der letzten Endrunde anknüpfen kann, sind mannigfaltig. Nur noch neun Akteure der silbernen Mannschaft von 2016 sind dabei, zudem hagelte es Absagen der NHL-Profis, so verzichtet unter anderem Vorjahres-Shootingstar Patrik Laine (Winnipeg Jets). In der Abwehr findet sich kein Stammspieler aus Nordamerika, auch im Tor fehlt ein echter Ruhepol, Joonas Korpisalo gibt in Paris sein WM-Debüt.

Zwischen Helsinki und Polarkreis aber gibt es nur einen Schuldigen für die Misere: Teamchef Lauri Marjamäki. Der 39-Jährige hat nach der letzten WM das schwere Erbe von Kari Jalonen angetreten und ist mit seinem ruhigen Auftreten das Gegenteil seines Vorgängers. Auch sein Werdegang ist unorthodox, so spielte der Mann aus Tampere selbst nie professionell, sondern wechselte schon mit 17 hinter die Bande. Zweimal führte Marjamäki Oulun Kärpät zum Meistertitel, wurde 2015 sogar zum Trainer des Jahres gewählt.

 

Leader dringend gesucht

Im Nationalteam aber hat sich Marjamäki mit seiner Spielweise wenig Freunde gemacht. Fans wie Experten bemängeln Tempo und Dynamik, nach der verspielten 3:0-Führung gegen Tschechien wurde gegen das Hockeyschach gewettert. „Keine Leader an der Bande, keine Leader in der Kabine, keine Leader auf dem Eis“, schimpfte der in seiner Heimat legendäre TV-Kommentator Juhani Tamminen.

Die Statistik belegt die schwache Darbietung: Weder bei Torschusseffizienz (9,38 Prozent) noch Fangquote (88 Prozent) liegt Finnland in den Top Ten. Bester Scorer ist Sebastian Aho (ein Tor, sieben Assists), der in der Plus-Minus-Wertung aber mit minus zwei abfällt. Der 19-Jährige von den Carolina Hurricanes gilt ob seiner technischen Qualitäten als Juwel, steht angesichts seiner schmächtigen Statur (1,71 m/78 kg) jedoch sinnbildlich für den oftmals kraftlos wirkenden Auftritt der Finnen. Marjamäki bleibt nur die Hoffnung auf die am Donnerstag beginnende K.o.-Phase und damit seine Chance zur Imagekorrektur. (swi)



Eishockey-WM Köln, Paris

Gruppe A: Schweden – Slowakei (12.15), Russland – USA (16.15), Deutschland – Lettland (20.15, jeweils Sport1).
Gruppe B:
Weißrussland – Norwegen (12.15), Tschechien – Schweiz (16.15, SF2), Kanada – Finnland (20.15, ORF Sport+).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2017)

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