Tod eines Extremsportlers: Scharfe Kritik an Red Bull

Erst drei Tage nach dem Unfall-Tod des Schweizer Basejumpers Ueli Gegenschatz reagierte der Getränkekonzern mit einer Beileidsaussendung. Die eidgenössischen Medien fragen: "Geht Red Bull über Leichen?"

Ueli Gegenschatz
Ueli Gegenschatz
(c) Reuters (© Ho New / Reuters)

88 Meter ragt der höhere der beiden Türme der Sunrise-Tower in Zürich empor. Von dort sprang der weltbekannte Schweizer Basejumper Ueli Gegenschatz am vergangenen Mittwoch in die Tiefe - um das neue gemeinsame Handyabo von Red Bull und dem Telekom-Unternehmen Sunrise zu bewerben. Es war der letzte von über 1500 derartigen Sprüngen des Extemsportlers: Rund 20 Meter über dem Boden streifte der Schirm nach einer Windböe das Dach eines Gebäudes. Daraufhin verlor der Springer die Kontrolle über den Fallschirm, geriet ins Trudeln und stürzte ab. Gegenschatz wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag.

Erst drei Tage nach dem tragischen Unfall reagierte Red Bull, wo Gegenschatz seit 1995 wie hunderte andere Extremsportler unter Vertrag stand: "Der tragische Unfalltod von Ueli Gegenschatz bedeutet für die Sportwelt im Allgemeinen und ganz besonders für sein Heimatland Schweiz den Verlust einer einzigartigen Sportlerpersönlichkeit. Wir haben mit ihm nicht nur einen weltweit führenden Athleten verloren, sondern auch einen in jeder Hinsicht aussergewöhnlichen Menschen." zitierte die Schweizer Tageszeitung "Blick" die kurze Stellungnahme auf der Red Bull-Webseite, die derzeit "wegen Serverwartung" nicht zu erreichen ist.

"Perversionen des Event-Marketings"

In den eidgenössischen Medien erhob sich ob des langen Schweigens ein Sturm der Entrüstung: "Geht Red Bull über Leichen?" titelte der "Blick" und zitierte den Züricher Werbefachmann Hermann Strittmatter: "Der Unfall ist eine Folge der Perversionen des Event-Marketings. Leute, die solche Events veranstalten, haben wohl eine Neigung zu einem asozialen Charakter. Kein Wunder, dass sie so verantwortungslos handeln", schimpfte Strittmatter. In der Schweiz ist die Öffentlichkeit besonders sensibilisiert, da es schon der zweite Todesfall eines Red-Bull-Extremsportlers auf Schweizer Boden in diesem Jahr war. Ende August war der 36-jährige amerikanische Skydiver Eli Thompson in den Schweizer Alpen verunglückt, als er mit einem "Wingsuit" (Flügelanzug für Fallschirmspringer mit Flächen aus Stoff zwischen den Armen und Beinen) aus einem Hubschrauber in Lauterbrunnen absprang und gegen einen Berg prallte.

Am Mittwoch nahmen die Hinterbliebenen von Gegenschatz Red Bull aber in Schutz: In einem offenen Brief, den die Medienstelle von Red Bull verschickte, hieß es: "Das Basejumpen war ein Teil seines Lebens, auf den er niemals hätte verzichten wollen - auch im vollen Bewusstsein aller möglichen Konsequenzen. Der aktuelle mediale Rummel voller Gehässigkeiten, Halb- und Fehlinformationen ist nicht nur in unserer persönlichen Situation wenig hilfreich, sondern entspricht auch in keiner Weise der Realität der jahrelangen Partnerschaft zwischen unserem Sohn Ueli und Red Bull. Die Zurückhaltung Red Bulls in der öffentlichen Kommunikation finde die "vollste Zustimmung" der trauernden Angehörigen, zitierte der Schweizer "Tagesanzeiger" aus dem Schreiben.

(Red.)

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