Doping: "Sperre von Claudia Pechstein ist sehr fraglich"

Ein Niederländischer Wissenschaftler kritisiert Statistiken, die auf Treibsand gebaut sind.

Pechstein
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(c) AP (Gero Breloer)

DEN HAAG. Am 25. November 2009 entschied der Internationale Sportgerichtshof, dass die deutsche Eisläuferin Claudia Pechstein für zwei Jahre wegen Blutdopings gesperrt wird. Es sei klar erwiesen, dass die Sportlerin gedopt habe, behaupteten die Sportrichter. Die 37-jährige Pechstein bestreitet das nach wie vor. Nun bekommt die fünffache deutsche Olympiasiegerin in ihrer Argumentation Hilfe von einem renommierten niederländischen Wissenschaftler. Sein Name: Klaas Faber. Sein Beruf: Chemometriker.

Faber ist Chemiker und Statistiker. Er hat sich die Befunde und Statistiken, aufgrund derer Claudia Pechstein verurteilt wurde, genau angesehen. Sein Fazit: ,,Die Statistiken sind auf Treibsand gebaut. So wie sie erstellt wurden, grenzt das an wissenschaftlichen Betrug. Der Fall Pechstein ist der erste in der Sportgeschichte, in dem Doping nicht direkt, sondern nur indirekt nachgewiesen wurde. Dabei wurde nicht sorgfältig genug gearbeitet, behauptet nun Klaas Faber in einem Interview mit der Zeitung ,,NRC Handelsblad“.

Bei Dopingtests werde in der Regel eine Sicherheitsquote von 99,99 Prozent angestrebt, sagt Faber. Dabei gehe es vorrangig darum, die Latte in der Beweisführung hoch zu legen. „Schließlich geht es um das Schicksal und um die Zukunft von Sportlern.“ Bei Pechsteins Untersuchungen betrug diese Quote aber nur 95 Prozent. Das sei viel zu gering, vor allem deshalb, weil sie indirekt erhoben und berechnet wurde. Bei besseren, intensiveren Berechnungen, so Faber, wäre Pechstein nie angeklagt worden. Die mögliche Fehlerquote von fünf Prozent sei „viel zu hoch. Die wissenschaftliche Grundlage, die zur Verurteilung von Frau Pechstein führte, ist mangelhaft.“

Nach Darstellung von Klaas Faber basiert das Forschungsergebnis, aufgrund dessen Pechstein verurteilt wurde, auf der Methode des italienischen Wissenschaftlers Giuseppe Banfi. Auf Seite 51, Punkt 183, wird in dem Gutachten des Internationalen Sportgerichtshofes ausdrücklich darauf verwiesen. Banfi hält in seinem Artikel ,,Reticulocytes in Sports Medicine“ eine Quote von 95 Prozent für ausreichend. Bei der WM im Februar 2009 in Hamar hatte Pechstein nach dieser ,,Banfi-Berechnung“ zu viele rote Blutkörperchen im Blut. Ihr Wert lag 1,1 % über der festgelegten Norm. Daraufhin wurde sie vom Internationalen Eislaufverband für zwei Jahre gesperrt.

Wäre es nach einer anderen Quote berechnet worden, sagt Faber, wäre Pechstein nie gesperrt worden. Faber suggeriert sogar, dass die Sportrichter Pechstein gegenüber voreingenommen gewesen sein könnten. ,,Da passte für sie einfach alles zusammen.“ Pechstein stammt aus der ehemaligen DDR. Sie gewann fünfmal Gold, sie war mit 37 Jahren noch immer erfolgreich. Dann fand man eine relativ hohe Konzentration von roten Blutkörperchen. Das Urteil war schnell gefällt: gedopt. Schuldig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2009)

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