Die Last eines Endspiels: Österreich unterliegt Weißrussland

Österreichs Handball-Männer scheiterten zum Auftakt der EM in Porec Weißrussland mit 26:27. Damit sind die Chancen auf einen Aufstieg nur noch theoretischer Natur.

HANDBALL - EHF EURO 2018, BLR vs AUT
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HANDBALL - EHF EURO 2018, BLR vs AUT
Auftakt für Österreich gegen Weißrussland. – GEPA pictures/ Matic Klansek

Österreichs Handball-Nationalteam der Männer ist mit einer 26:27-Niederlage gegen Weißrussland in die Europameisterschaft in Kroatien gestartet. Damit sind die Chancen auf einen Aufstieg in die Hauptrunde, für die sich die Top 3 jeder der vier Vorrundengruppen qualifizieren, drastisch gesunken.

Für Österreich begann diese Endrunde der 16 besten Nationen zugleich mit einem Endspiel, in einer Gruppe mit Weltmeister Frankreich, Vizeweltmeister Norwegen und eben Weißrussland war diese Aufgabe die vermeintlich einfachste. Allerdings, auch die Weißrussen besitzen unbestritten Qualität, gelten als gestandene Mannschaft, die sich für die jüngsten fünf Großereignisse (EM, WM) qualifizieren konnte. Auf eine solche Serie kann Österreich nicht verweisen, zuletzt durfte man bei der WM 2015 (Katar) im Konzert der Großen mitwirken.

Die Hoffnungen der ÖHB-Auswahl, einem Konkurrenten auf Augenhöhe zu begegnen, sollten sich zunächst bewahrheiten. Die Mannschaft von Patrektur Johannesson konnte das Spiel offen gestalten, der ersehnte Sieg aber wollte nicht gelingen. Seit der erfolgreichen Qualifikation vor sieben Monaten hatte die Mannschaft auf dieses Spiel hingearbeitet, die Bedeutung immer wieder hervorgestrichen. „Vielleicht war der Druck, den wir uns auch selbst auferlegt haben, zu groß“, mutmaßte Robert Weber.

Testspielniederlagen gegen Tschechien mögen die Zuversicht der Spieler unmittelbar vor Beginn dieser Endrunde etwas gedämpft haben, die erst am Dienstag besiegelte Rückholaktion von Routinier Vitas Ziura impfte dem Team aber kurzfristig wieder etwas Mut ein. Ziuras positiver Effekt auf die Mannschaft ist unbestritten, insgeheim hatte mancher Beobachter sogar gehofft, der 38-Jährige könnte zum rotweißroten Matchwinner avancieren, doch nicht immer schreibt der Sport solche Märchen. Dass Österreichs Handballer unmittelbar nach dem Spiel mit gesenkten Köpfen durch die beinahe restlos gefüllte Halle in Poreč schlenderten, hatte mehrere Gründe.

Ausrechenbar

Zu sehr hatte sich die Gefahr im Angriff auf den Rückraum mit Jungstar Nikola Bilyk (acht Tore) und Janko Bozovic (fünf Tore) beschränkt, das Duo zeichnete für die Hälfte aller österreichischen Treffer verantwortlich. Das Spiel der ÖHB-Truppe wirkte ausrechenbarer als jenes der Weißrussen, über die Flügel kamen zu wenige fruchtbare Aktionen zustande. Noch eklatanter allerdings war die Schwäche am Kreis – von dort gelang kein einziges Tor. Mit einem solch eklatanten Manko Spiele auf diesem Niveau zu gewinnen, wird beinahe zu einem Ding der Unmöglichkeit. Johannesson ist diese Problematik freilich nicht neu.

Doch egal, ob Wilhelm Jelinek, Tobias Wagner oder Lukas Herburger – sie alle bringen (noch) nicht die nötige internationale Klasse mit, obwohl es gewiss nicht an der Einstellung mangelt. „Sag mir Namen, es gibt keine“, sucht auch Johannesson seit vielen Jahren händeringend um Kreisläufer. Im Spiel gegen Weißrussland ebenfalls nicht zuträglich waren die sieben Zwei-Minuten-Strafen, allein sechs davon fasste Österreich in der zweiten Halbzeit aus.

Sein zweites Gruppenspiel bestreitet das Team am Sonntag (18.15 Uhr, live in ORF Sport Plus) gegen Frankreich, am Dienstag wartet zum Abschluss der Vorrunde Norwegen. Weißrusslands Teamchef Juri Schewzow möchte noch nicht vom Aufstieg sprechen, er sagt: „Manchmal passieren unvorhergesehen Dinge.“ Darauf hofft auch Österreich.

("Die Presse", Printausgabe 13.1.2018)

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