Vancouver 2010: Olympia ist kein Zahlenlotto

Das Österreichische Olympische Comité entsendet 81 Aktive zu den Winterspielen, weil die Qualifikationskriterien gelockert wurden. Rot-Weiß-Rot wird in fast allen Sportarten in Vancouver vertreten sein.

(c) GEPA pictures (Christian Ort)

WIEN. Österreichs Aufgebot für die XXI.Olympischen Winterspiele in Vancouver (12. bis 28.Februar) steht. Das Österreichische Olympische Comité wird 81 Aktive nominieren. Die Größe der Mannschaft entspricht damit in etwa jenem Team, das vor vier Jahren in Turin neun Gold-, sieben Silber- und sieben Bronzemedaillen erobert hat. Auf der Liste des ÖOC finden sich vorerst 84 Sportler und Sportlerinnen, drei müssen noch gestrichen werden – aus dem alpinen Lager und aus dem Snowboard-Lager. Betroffen sind die Riesentorlauf-Kandidaten, bei den Damen und Herren sind nur jeweils vier Athleten erlaubt.

„Wir läuten eine neue Ära ein“, erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss nach der Vorstandssitzung im Haus der Lotterien. Das Podium sprach von Eintracht, und Peter Schröcksnadel, der Präsident des Skiverbandes, und Markus Prock vom Wintersport-Ausschuss nickten lächelnd. „Wir brauchen diese enge Kooperation mit dem ÖSV“, betonte Stoss. „Und die Zusammenarbeit funktioniert jetzt schon ausgezeichnet. Der ÖSV verfügt über so viel Olympiaerfahrung, das muss man nützen.“ Auch Markus Prock, der sich als Aktiver eisige Duelle mit Hackl Schorsch geliefert hat, kann sich da einbringen.

Österreichs Mannschaft, so betont der ÖOC-Präsident, sei sehr breit aufgestellt. Wie die „Presse am Sonntag“ bereits berichtete, wird Rot-Weiß-Rot in fast allen Sportarten in Vancouver vertreten sein. Nur im Eishockey und in den Curling-Bewerben hat es für eine Qualifikation nicht gereicht.

Das Gros der Sportler stellt der Österreichische Skiverband (22 Alpine, 9 Freestyler, 6 Biathleten, 5 Skispringer, 5 Nordische Kombinierer, 1 Langläuferin, 14 Snowboarder), hinzu kommen Vertreter aus den Sportarten Bobfahren (5), Rodeln (9), Skeleton (1), Short Track (1), Eisschnelllauf (1) und Eiskunstlauf (2).

„Mit dem ÖSV gibt es einen engen Schulterschluss“, unterstrich Stoss. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. „Jetzt gilt: Nur gemeinsam sind wir stark. Das werden wir künftig auch in internationalen Gremien dokumentieren.“ Peter Schröcksnadel sprach von einer neuen Qualität, die im Österreichischen Olympischen Comité Einzug gehalten hat. „Und das soll vor allem den Athleten zugutekommen.“

„Streit- bzw. Härtefälle“ hat es diesmal keine gegeben. Weil ÖOC-Präsident Karl Stoss für größere und stärkere Olympiamannschaften eintritt. Bei der Nominierung wurden bisher internationale und nationale Qualifikationskriterien herangezogen. Künftig aber soll es genügen, einen internationalen Quotenplatz zu erobern. Damit will man Sportarten unter die Arme greifen, die derzeit vielleicht nicht so gut aufgestellt sind. Wie etwa Eiskunst- oder Eisschnelllauf. Die neuen Entsendungskriterien sollen auch für Sommerspiele gelten. Der Weg für die Jugend soll freigemacht werden. „Das kann eine Vorstufe für künftige Erfolge sein“, so Stoss.

In die österreichische Olympiamannschaft hat Stoss „hundertprozentiges Vertrauen“, das ÖOC werde die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Athleten erfolgreich sind. „Olympia ist kein Zahlenlotto“, so Stoss, der Casinos-General. „Aber eine Zahl über zehn ist erreichbar. Was über ein Dutzend hinausgeht, das wäre großartig.“

Frieden mit der FIS geschlossen

Von zehn Medaillen durch den ÖSV träumt auch Peter Schröcksnadel. Im Gespräch mit der „Presse“ vermeldete er vorerst einen anderen Sieg. Und zwar am grünen Tisch. „Es herrscht wieder Friede mit der FIS“, erzählt der Präsident. „Ich habe mich mit Gianfranco Kasper in Innsbruck getroffen – die Pistolen sind wieder eingesteckt. Wichtig vor Olympia!“

Das Budget des ÖOC für Vancouver beträgt zwischen 2,7 und 2,8 Mio. Euro, Olympiasieger werden mit 17 Philharmonikern belohnt. Fahnenträger am 12.Februar ist Andreas Linger. Er hat 2002 Gold im Doppelsitzer-Rodelbewerb gewonnen.

Österreichs vorläufiges Olympia-Aufgebot:

BIATHLON (6): Tobias Eberhard, Simon Eder, Dominik Landertinger, Daniel Mesotitsch, Fritz Pinter, Christoph Sumann

BOB (5): Christian Hackl, Martin Lachkovics, Jürgen Loacker, Jürgen Mayer, Wolfgang Stampfer

EISSCHNELLLAUF (1): Anna Rokita

EISKUNSTLAUF (2): Viktor Pfeifer, Miriam Ziegler

FREESTYLE (1): Margarita Marbler

NORDISCHE KOMBINATION (5): Christoph Bieler, Felix Gottwald, Bernhard Gruber, David Kreiner, Mario Stecher

RODELN (9): Damen (2): Veronika Halder, Nina Reithmayer Herren (7): Wolfgang Kindl, Daniel Pfister, Manuel Pfister (jeweils Einsitzer), Andreas Linger und Wolfgang Linger (jeweils Doppelsitzer), Markus Schiegl und Tobias Schiegl (jeweils Doppelsitzer)

SHORT TRACK (1): Veronika Windisch

SKELETON (1): Matthias Guggenberger

SKI ALPIN (23/wird am Sonntag auf Maximalzahl von 22 reduziert): Damen (10): Eva-Maria Brem, Anna Fenninger, Andrea Fischbacher, Elisabeth Görgl, Michaela Kirchgasser, Stefanie Köhle, Regina Mader, Marlies Schild, Nicole Schmidhofer, Kathrin Zettel Herren (13): Romed Baumann, Hans Grugger, Reinfried Herbst, Marcel Hirscher, Klaus Kröll, Mario Matt, Manfred Pranger, Benjamin Raich, Hannes Reichelt, Mario Scheiber, Philipp Schörghofer, Georg Streitberger, Michael Walchhofer

SKI CROSS (8) Damen (4): Katharina Gutensohn, Karin Huttary, Andrea Limbacher, Katrin Ofner Herren (4): Patrick Koller, Andreas Matt, Markus Wittner, Thomas Zangerl

SKILANGLAUF (1): Damen: Katerina Smutna

SKISPRINGEN (5): Martin Koch, Andreas Kofler, Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern, Gregor Schlierenzauer

SNOWBOARD (16/wird noch auf 14 reduziert): Damen (8): Doris Günther, Marion Kreiner, Ina Meschik, Heidi Neururer, Claudia Riegler (alle RTL/nur 4 nach Vancouver), Doresia Krings, Maria Ramberger, Manuela Riegler Herren (8): Siegfried Grabner, Benjamin Karl, Andreas Prommegger, Anton Unterkofler, Ingemar Walder (alle RTL/nur 4 nach Vancouver), Mario Fuchs, Lukas Grüner, Markus Schairer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2010)

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