Rad-WM: Die Sensationsfahrt zum goldenen Doppel

Mountainbike-Weltmeisterin Laura Stigger, 18, trumpfte in ihrer Tiroler Heimat im Straßenrennen der Juniorinnen auf und bescherte Österreich das erste Frauen-Gold. Der Verband hofft auf weitere Asphaltauftritte des Jungstars.

Laura Stigger überzeugte auf dem anspruchsvollen Kurs und krönte sich im Zielsprint.
Laura Stigger überzeugte auf dem anspruchsvollen Kurs und krönte sich im Zielsprint.
Laura Stigger überzeugte auf dem anspruchsvollen Kurs und krönte sich im Zielsprint. – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Innsbruck/Wien. Laura Stigger hat ihren Erfolgslauf auf zwei Rädern fortgesetzt und bei der Rad-WM in Tirol für eine echte Sensation gesorgt: Wenige Wochen nachdem die 18-Jährige ihren Junioren-WM-Titel mit dem Mountainbike erfolgreich verteidigt hat, ließ sie am Donnerstag im Nachwuchsrennen auf der Straße die nächste Goldmedaille folgen. Der Teenager aus dem nahen Haiming setzte sich auf den 71,7 km von Rattenberg nach Innsbruck im Zielsprint in 1:56:26 Stunden vor der Französin Marie Le Net und der Kanadierin Simone Boilard durch. „Das ist einfach unglaublich. Am Ende haben die Beine schon gebrannt und die Krämpfe angezogen, aber ich habe alles gegeben“, schilderte die neue Weltmeisterin im Ziel.

Die WM-Medaille ist auch für den österreichischen Radsportverband eine besondere: Es ist erst die dritte bei den Frauen, die überhaupt erste in Gold und in einem Straßenrennen. „Märchenhaft, das kann man nicht toppen“, frohlockte Frauen-Nationaltrainer Klaus Kabasser. Er selbst bekam das packende Finish der vierköpfigen Spitzengruppe im Betreuerfahrzeug nur via Funk mit. „Ich habe nur gedacht: Hoffentlich nicht der undankbare vierte Platz. Aber nach dem Schlussanstieg war der Optimismus schon sehr groß.“

 

„Augen zu und getreten“

Für Stigger war es erst das zweite Straßenrennen, im Februar hatte sie mit ihrem ersten Wettkampfantritt auf Anhieb das WM-Ticket gelöst. Das Event vor der eigenen Haustür wollte sich der Teenager keinesfalls entgehen lassen und bemühte sich daher in Eigeninitiative um die Teilnahme. An den körperlichen Voraussetzungen der BORG-Schülerin hatte im Vorfeld niemand gezweifelt, doch überzeugte sie auch mit perfekter Renneinteilung und kühlem Kopf. Auf dem letzten Anstieg auf den Patscherkofel lancierte sie die entscheidende Attacke. „Ich habe gewusst, das ist mein Stück, und habe Gas gegeben.“ Im Zielsprint ließ sich die 18-Jährige nicht aus der Ruhe bringen. „Ich habe die Augen zugemacht und getreten.“

Im Nachwuchs steht Mountainbiken hoch im Kurs, mehr Action und Sicherheit sprechen für die Querfeldeinfahrten. Der Umstieg bzw. Wechsel zum Rennrad ist jedoch keine Seltenheit, zumal die Sportler dieses aus dem Grundlagentraining kennen. Sitzposition und Trittstärke variieren, der größte Unterschied aber ist die Taktik im Feld. „Dass man aus einer guten Position in die Steigung reinkommt, das muss man sich erst erkämpfen“, erklärt auch Kabasser. Ein Vorteil Stiggers ist zudem ihr Alter, denn die Juniorinnen bestreiten nur rund zehn internationale Straßenrennen pro Jahr, der Routinevorteil sei daher im Vergleich zur Elite noch überschaubar.

Stigger und ihr Umfeld haben sich den Erfolg selbst erarbeitet, die Schwierigkeiten im weiblichen Nachwuchs streitet Kabasser nicht ab. „Es ist kein Geheimnis, dass die finanziellen Mittel sehr, sehr bescheiden sind“, erklärt der ÖRV-Trainer. Das vorrangige Verbandsziel sei deshalb das Erreichen einer gewissen Quantität, denn erst wenn Athletinnen in die Weltklasse vorstoßen, würde es entsprechende Förderungen geben.

 

Fliegender Radwechsel

Stigger hat stets betont, ihre Zukunft auf dem Mountainbike zu sehen. Der Verband hofft freilich, die neue Weltmeisterin auch weiterhin für die Straße gewinnen zu können. „Natürlich haben wir großes Interesse“, betont Kabasser im Gespräch mit der „Presse“. Selbst ein künftiges Doppelengagement in beiden Disziplinen hält der ÖRV-Coach für realistisch und verweist auf die Schweizerin Jolanda Neff, die Mountainbike-Weltmeisterin war und 2016 bei Olympia in die Top Ten fuhr. „Das wäre absolut vorstellbar und wünschenswert. Aber jetzt lassen wir das einmal wirken, dann sprechen wir.“

Das nächste Highlight wartet nämlich schon. Kommende Woche reist Stigger zu den Olympischen Jugendspielen nach Buenos Aires – und tritt ganz offiziell im Kombinationsbewerb mit Mountainbike und Rennrad an.

ÖSTERREICHS ERSTE RADWELTMEISTERIN

Laura Stigger, 18, triumphierte am Donnerstag bei der Rad-WM in Tirol im Straßenrennen der Juniorinnen in 1:56:26 Stunden vor der Französin Marie Le Net und der Kanadierin Simone Boilard und bescherte Österreich das allererste WM-Gold bei den Frauen. Bei den Männern hatte Felix Gall 2015 das Nachwuchsrennen gewonnen.

 

Eigentlich zählt die junge Tirolerin mit dem Mountainbike zur Weltklasse. Heuer holte sie ihr fünftes EM-Gold und verteidigte Anfang September den Junioren-WM-Titel. Im Oktober tritt sie bei den Olympischen Jugendspielen in der Kombination an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2018)

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