Rad-WM: Triumph des spanischen Evergreens

Alejandro Valverde kürte sich mit 38 Jahren erstmals zum Weltmeister. Das erwartet harte Ausscheidungsrennen forderte viele Opfer, auch die Österreicher konnten nicht mithalten.

Alejandro Valverde jubelt
Alejandro Valverde jubelt
Alejandro Valverde jubelt – APA/HERBERT NEUBAUER

Beeindruckende 275.000 Zuschauer und ein Sieg von Altstar Alejandro Valverde im Straßenrennen haben der Rad-WM in Tirol einen glanzvollen Schlusspunkt beschert. Bei Kaiserwetter drängten sich die Fans entlang der 258 km langen Strecke, vor dem Goldenen Dachl hatten die Profis, ausgerüstet mit Campingsesseln und Proviantsackerln, schon am Vormittag Position bezogen. Als die Fahrer nach fast genau zwei Stunden auf der ersten von sieben Olympiarunden erstmals durch Innsbruck fuhren, wurde auch der letzte Nachzügler mit frenetischem Jubel bedacht. Dem ein oder anderen asiatischen Touristen in der Altstadt war die Verwunderung ins Gesicht geschrieben, das Erinnerungsfoto wurde dann aber doch gemacht.

Mit insgesamt 4681 Höhenmetern galt der diesjährige WM-Kurs als einer der schwierigsten der Geschichte und forderte früh ein prominentes Opfer: Titelverteidiger Peter Sagan konnte 90 km vor dem Ziel nicht mehr mithalten, der Traum vom rekordträchtigen vierten WM-Gold in Folge war für den Sprintspezialisten aus der Slowakei somit geplatzt. Zu diesem Zeitpunkt machte das österreichische Team um Kapitän Patrick Konrad im Peloton das Tempo und verkürzte stetig den Rückstand auf die Spitzengruppe, die sich noch vor dem ersten Anstieg gebildet hatte. Wenig später war das Rennen auch für Lukas Pöstlberger und Georg Preidler vorbei, am Ende erreichten nur 76 der 188 gestarteten Fahrer das Ziel.

Denn es war das erwartet harte Ausscheidungsrennen, auf der letzten Runde zerpflückten die Italiener das Feld. Mit Michael Gogl und Konrad mussten die letzten beiden Österreicher mit Krämpfen ebenso wie Vincenzo Nibali abreißen lassen – die Chance auf die erste rot-weiß-rote Top-Ten-Platzierung in einem WM-Straßenrennen seit 2008 (Christian Pfannberger) war dahin. Überraschend ging der Däne Michael Valgren mit knapp 30 Sekunden Vorsprung auf ein rund 30-köpfiges Feld in die Entscheidung in der berüchtigten Höttinger Höll.

 

Felix Großschartner, Patrick Konrad und Gregor Mühlberger in der Höttinger Gasse
Felix Großschartner, Patrick Konrad und Gregor Mühlberger in der Höttinger Gasse
Felix Großschartner, Patrick Konrad und Gregor Mühlberger in der Höttinger Gasse – APA/HERBERT NEUBAUER

Teufel, Krampus und viel Leiden in der Höll

Der Ansturm auf die begrenzten Plätze entlang der Schlüsselstelle hatte alle Erwartungen der Veranstalter übertroffen, der Zugang wurde schon drei Stunden vor der Einfahrt der Profis gesperrt. „Teufel“ Didi Senft hatte sich seinen Platz selbstverständlich gesichert, Unterstützung erhielt er von einigen Krampussen. Die finalen 28 Prozent Steigung verlangten nicht nur den Profis alles ab. Da beim Jedermann-Rennen am Samstag zwei Polizeimotorräder und Rettungsfahrzeuge liegen geblieben waren, rückten diesmal spezielle Begleitfahrzeuge aus.

Im höllischen Endkampf wurde Valgren rasch eingeholt, die Strapazen nach sechs Stunden Fahrzeit waren aber allen anzumerken. Immer wieder mussten die Fahrer ausscheren, die Überwindung bei jedem einzelnen Pedaltritt war sichtbar. Aus dem Anstieg heraus kam ein Spitzentrio, das 1,5 km vor dem Ziel zum Quartett wurde. Alejandro Valverde lancierte den Zielsprint und wurde belohnt: Nach zweimal Silber (2003, 2005) und viermal Bronze (2006, 2012, 2013, 2014) kürte sich der 38-jährige Spanier vor Romain Bardet (FRA) und Überraschungsmann Michael Woods (CAN) erstmals zum Weltmeister. Noch älter war beim Titelgewinn nur der Niederländer Joop Zoetemelk 1985.

„Das war mein emotionalster Sieg. Diesen Titel habe ich die ganze Karriere lang gejagt“, sagte Valverde, den nach Anziehen des Regenbogen-Trikots die Tränen überwältigten. Gogl wurde 45., Kapitän Konrad sprach nach Rang 59 von einer „bitteren Enttäuschung“. Doch für die erhoffte Topplatzierung dürfe eben nicht einmal ein halbes Prozent fehlen. „Jeder hat sein Bestes gegeben. Man kann niemandem einen Vorwurf machen.“

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