Viele politische Projekte, aber nur ein VORBILD

Bewegung. Programme, die Kinder mit Übungen oder Extraturnstunden für Sport begeistern sollen, sind unerlässlich. Biathlet Christoph Sumann, 42, ist Zugpferd des Ausnahmeprojekts „Bewegungsland Steiermark“.

Die Presse

Zwischen politischen Versprechen und gesellschaftlichen Taten liegen in Österreich Welten. Doch setzt sich einmal ein Projekt in Bewegung, kann es durchaus nachhaltige Wirkung zeigen. Zusehends gewinnen einzelne Initiativen wie „Kinder gesund bewegen“ oder „Bewegungsland Steiermark“ an Ansehen, Reputation und vor allem an Glaubwürdigkeit in diesem Farbenspiel, das stets nur eigene Politansätze, Funktionäre und Förderungen im jeweiligen Bundesland bevorzugt.

Diese Initiativen sind insofern Vorbilder, weil sie geschafft haben, wovon selbst Sportpolitiker nur träumen konnten: Sie vereinen die Dachverbände Askö, Asvö und Sportunion. Fast friktionsfrei.

 

Sumann: „Mehr als Herzblut“

In der Steiermark läuft die Kampagne seit sieben Jahren, seit 2014 wirkt der ehemalige Biathlet Christoph Sumann, 42, als Aushängeschild mit. Vormittags werden für vier Stunden pro Woche Kindergärten und Volksschulen (bis zur 3. Klasse) besucht. 380 Vereine sind dabei, 470 Schulen nahmen das Angebot an – mit der Folge, dass nachmittags 30 Wochen pro Jahr „die Chance auf Bewegung real wurde“, sagt Sumann stolz. Dass die Notwendigkeit solcher Initiativen an sich kein Ruhmesblatt ist, schließlich sollte Bewegung eine Selbstverständlichkeit sein, versteht sich von selbst. Doch sie zu verwirklichen verlangt „mehr als Herzblut“.

Egal, ob in Gemeinden, Städten oder im neuen Sportpark Graz mit Stationsbetrieb, schildert Sumann, da werde Kindern „gezeigt, was möglich ist“. Vergleiche mit Skandinavien müsse man nicht bemühen, dass Österreich hinterherhinkt, sei klar.

Für 2018/2019 hätten 60 Schulen in der Steiermark auf die Ausschreibung des „Bewegungslandes“ reagiert, parallel dazu liefe die tägliche Turnstunde. Aber: „Zwei Turnstunden pro Woche, wenn überhaupt, sind zu wenig“, sagt Sumann, der nicht versteht, warum Sport als Randerscheinung und nicht als Vorbild gelten soll. Und sein Einsatz, nebst Scouting, Trainieren und Beraten? „Es geht in diesem Fall sicher nicht darum, einen Olympiasieger oder Weltmeister zu finden. Wenn einer, eine dabei ist, super. Wenn sich nur ein Kind mehr bewegt, haben wir doch schon gewonnen.“

Warum nicht ein einziges durchdachtes, politfreies und landesweit funktionierendes Dachprojekt mit nur einer unabhängigen, weisungsfreien, mit dem Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsministerium gut vernetzten Anlaufstelle gelingen will?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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