Austria: Stadt, Fußball – eine Klubgeschichte

Beschließt ein Verein, seine Geschichte zu erforschen, müssen alle Verwurzelungen aufgezeigt werden. Auch die aus dem Zweiten Weltkrieg. Austria beschloss 2014 diese Aufarbeitung, in zweieinhalb Jahren entstand dieses Buch. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Autoren ist präzise, es wurde eine Stadt-, Fußball- und Klubgeschichte. Das Buch hilft, ein besseres Bewusstsein zu schaffen – vor allem in Bezug auf die NS-Zeit.

Mit dem „Anschluss“ im März 1938 war auch Austria massiven Eingriffen ausgesetzt. Klubmitglieder wurden vertrieben, jüdische Funktionäre ermordet. Der Verein trat für kurze Zeit als „SC Ostmark“ auf. Stars wie Matthias Sindelar arrangierten sich, andere wanderten aus oder kamen an der Front ums Leben. Hans Mock war SA-Mitglied, SS-Brigadeführer Ernst Kaltenbrunner etwa nominell Ehrenpräsident.

Das Zusammenspiel von Indoktrinierung und Resistenz, von Ideologie und Praxis wurde nachgezeichnet. Es zeigt sich, dass der Sportbetrieb zwar der NSDAP unterstellt wurde, der Wiener Fußball aber vergleichsweise unberührt geblieben ist. Narrative wie das vom Widerstand des Matthias Sindelar gegen das Regime werden kritisch hinterfragt.
Hachleitner, Marschik, Müllner, Skocek: „Ein Fußballverein aus Wien. Austria im Nationalsozialismus 1938–1945“, Böhlau-Verlag, 30 Euro, 311 Seiten. ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2018)

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