Volleyball: Der neue Aufschwung am Netz

Österreichs Nationalteams spielen in Graz um die EM-Chance 2019. Srna Marković, 22, ist die erste ÖVV-Spielerin in der italienischen Serie A, und das verheißt eine erfolgreiche Zukunft. „Wir sind bereit, uns auf hohem Niveau zu messen.“

Srna Marković (im Hintergrund) hat in Italien „viel dazugelernt“.
Srna Marković (im Hintergrund) hat in Italien „viel dazugelernt“.
Srna Marković (im Hintergrund) hat in Italien „viel dazugelernt“. – (c) Leo HAGEN/ÖVV

Wien. Ein doppelter Showdown erwartet Volleyball-Fans am Samstag im neuen Sportpark in Graz. Sowohl für das Nationalteam der Frauen (17.45 Uhr) wie auch der Männer (20.15 Uhr, jeweils live ORF Sport plus) geht es gegen Albanien um die Chance auf die EM 2019. „Die Stimmung ist super, alle sind topfit und motiviert. Die Hoffnung ist groß“, berichtet ÖVV-Kapitänin Srna Marković. Das erklärte Ziel ist die erste EM-Teilnahme seit 1971. Um als Gruppenzweite aufzusteigen, braucht es Siege gegen gegen Albanien und am Mittwoch in der Schweiz, die Eidgenössinnen dürfen zudem ihre Partie gegen Gruppensieger Kroatien nicht gewinnen. „Wir konzentrieren uns ganz auf uns, nur das können wir beeinflussen.“

Srna Marković.
Srna Marković.
Srna Marković. – (c) Leo Hagen/ ÖVV

Etwas besser ist die Ausgangssituation für die derzeit zweitplatzierten ÖVV-Männer (letztmals 2011 bei einer EM), die gegen Albanien und in Kroatien allerdings mit Alexander Berger und Paul Buchegger zwei Leistungsträger verletzt vorgeben müssen.

 

Im Piemont gereift

Marković schrieb im Sommer ein Stück rot-weiß-roter Volleyball-Geschichte und heuerte als erste Österreicherin in der italienischen Serie A bei Cuneo an. „Für mich ist das das Schönste, was man sich vorstellen kann“, betont sie. Mit SVS Post gewann die Außenspielerin 2013 und 2014 das Double, wagte danach den Sprung nach Deutschland. 2017 ging sie in die zweite italienische Liga zu Polisportiva Adolfo Consolini, bei Cuneo ist sie nun ganz oben angekommen und tauchte in der 50.000-Einwohner-Stadt im Piemont noch einmal in eine andere Welt ein. „Der Fokus ist ein ganz anderer, hier ist man 24 Stunden Athletin“, beschreibt die 22-Jährige ihre Eindrücke nach einem halben Jahr in der stärksten Volleyball-Liga der Welt. „Ich fühle mich sehr wohl und habe viel dazugelernt. Es ist jetzt viel mehr Stabilität in meinem Spiel, auch unter Druck.“

Ob Einstellung, Tagesplanung oder Betreuung durch den Klub, alles sei noch einmal professioneller, Aufmerksamkeit und Stellenwert des Sports in Italien noch einmal größer. „Die Partien werden live im Fernsehen gezeigt, nach jedem Spiel ist eine Stunde für die Medien eingeplant“, erzählt Marković. Fast 5000 Zuschauer finden sich zu den Spielen im PalaCastagneretta ein, auch auf der Straße wird man von Fans erkannt. Diese Anerkennung genießt sie genauso wie das italienische Lebensgefühl. „Es ist ein wunderschönes Land.“

Aufgrund ihrer Erfahrung ist Marković schon jetzt Anführerin im Nationalteam, eine Rolle, die sie gern annimmt. Am Wechsel ins Ausland führt für sie kein Weg vorbei, „auf so ein Niveau kommt man in Österreich nicht“. Dennoch gelte es, nichts zu überstürzen. „Ich habe auch fünf Jahre gebraucht, bis ich war, wo ich jetzt bin.“ Mit Katharina Holzer (Cannes/FRA), Dana Schmit (Straubing/GER), Sabrina Müller (Menorca/ESP) und Sophie Wallner (Röplabda/HUN) sind vier weitere Teamspielerinnen bei europäischen Erstligisten unter Vertrag. Noch sei Österreich oftmals ein blinder Fleck auf der Volleyball-Landkarte, so Marković. „Das wollen wir ändern.“

 

Entwicklungsschritte als Team

Die Entwicklung ist der Lohn für jahrelange Aufbauarbeit im Volleyball-Verband, die im Sommer ihre erste Krönung fand. Das junge ÖVV-Frauenteam (Durchschnittsalter 21,5 Jahre) erreichte in der neuen Silver European League auf Anhieb das Finale und musste sich in diesem nur knapp Schweden geschlagen geben. Als Lohn warten heuer in der Golden League Duelle mit den elf besten Nationen Europas. „Wir sind bereit, uns auf diesem hohen Niveau zu messen“, meint Marković. Dass es nach dieser Sternstunde zum Auftakt der EM-Qualifikation Rückschläge setzte, ist für die ÖVV-Kapitänin mit Verletzungen und den natürlichen Formschwankungen junger Spielerinnen erklärt. „Damals war die Drucksituation neu für uns, aber wir sind seither sicher viel gewachsen.“

Sich und ihr Team sieht Marković erst am Anfang, das langfristige Ziel ist neben regelmäßigen EM-Teilnahmen auch der erste WM-Antritt seit 1962. Das Talent dafür sei vorhanden, ist sie überzeugt, appelliert bei den Fans aber an Geduld. „Das wird nicht in ein oder zwei Jahren passieren, wir brauchen Zeit, um zusammenzuwachsen.“ Im Erfolgsfall hofft die 22-Jährige auch auf entsprechende Signale der Politik, um den Nationalteams in Zukunft auch in Wien eine adäquate Heimstätte zu bieten. „Es wäre schön, wieder in der Hauptstadt zu spielen.“

ZUR PERSON

Srna Marković, geboren 1996 in Wien, war bei SVS Post in Deutschland und spielt seit dem Sommer als erste Österreicherin für Cuneo in der italienischen Serie A.
Die ÖVV-Frauen spielen gegen Albanien (Samstag) und die Schweiz (Mittwoch) um das EM-Ticket, die ÖVV-Männergegen Albanien und Kroatien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2019)

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