Handball-WM: Das Schmerzengeld der Handballer

Reich werden die wenigsten Profispieler. Über Geld, Härteeinlagen und Imageprobleme.

Sebastian Frimmel hebt ab: Der 23-Jährige soll in Zukunft eine tragende Rolle im Nationalteam spielen.
Sebastian Frimmel hebt ab: Der 23-Jährige soll in Zukunft eine tragende Rolle im Nationalteam spielen.
Sebastian Frimmel hebt ab: Der 23-Jährige soll in Zukunft eine tragende Rolle im Nationalteam spielen. – (c) ÖHB-Pucher

Handball, und das ist keine Übertreibung, gilt als eine der härtesten Sportarten der Welt. Manch Szene schmerzt schon beim bloßen Zusehen, während der 60 Minuten auf dem Feld wird kräftig ausgeteilt und eingesteckt. In gewisser Weise ist dieser Sport mit Sicherheit auch Raubbau am eigenen Körper. „Nach einer Karriere gibt es keinen Spieler, der behaupten kann, dass noch jedes Gelenk und jeder Knochen intakt ist“, sagt Sebastian Frimmel, „du machst deinen Körper einfach kaputt“. Der 23-Jährige kommt im Nationalteam bei der WM in Dänemark am linken Flügel zum Einsatz und bleibt dort weitestgehend von Härteeinlagen verschont.

Vor allem im Rückraum und am Kreis, also zentral vor dem Tor und von den Gegenspielern in der Deckung regelmäßig „bearbeitet“, müssen sich Spieler eine dicke Haut, „einen Panzer“, wie Frimmel sagt, zulegen. „Kreisläufer könnte ich nie im Leben sein, dafür musst du schon ein bisschen verrückt sein.“ Noch härter als Handball ist laut dem Wiener nur Rugby, auch Eishockey und Football seien „extrem hart“, der Vergleich mit diesen beiden Sportarten aber hinke ein wenig, „weil mit Ausrüstung gespielt wird“. Für Frimmel stehe jedenfalls fest, dass Handballer in Relation zu anderen Sportarten „zu wenig verdienen“. Die Gehaltsschere geht dabei weit auseinander. Laut „Presse“-Informationen stehen im österreichischen WM-Kader Spieler, die bei ihren Klubs monatlich rund 1500 Euro netto verdienen. In der Handball Liga Austria (HLA) bezieht nur eine Handvoll Akteure über 2500 Euro pro Monat, die höchsten Gehälter bezahlen die Vorarlberger Klubs Hard und Bregenz.

Frimmel schaffte vergangenen Sommer den Sprung von Westwien zu den Kadetten Schaffhausen, der Topadresse in der Schweiz. Der Flügelspieler spricht von einer „erheblichen finanziellen Steigerung“, die der Wechsel mit sich gebracht hat. „Ich kann jetzt gut vom Handball leben.“ In Schaffhausen verdient Frimmel so viel Geld, wie er in Österreich nirgends hätte verdienen können. Die Schweiz könnte zudem als Sprungbrett nach Deutschland dienen, die Bundesliga stellt rein sportlich immer noch das Schlaraffenland dar.

 

„Mehr erreicht als Fußballer“

Finanziell über allen anderen Klubs thront jedoch Paris SG. Die Franzosen stellen mit Nikola Karabatić (FRA), Thierry Omeyer (FRA), Mikkel Hansen (DEN), Sander Sagosen (NOR) oder Uwe Gensheimer (GER) eine kleine Weltauswahl. Dank der Öl-Millionen aus Katar sollen Karabatić und Hansen die einzigen Handballer sein, die ein Jahresgehalt oberhalb der Millionengrenze beziehen.

Wie viele junge Handballer träumt auch Frimmel vom Engagement bei einem europäischen Topklub, von Titeln. „Ich will eine gute Karriere hinlegen, mir in zehn Jahren keine Vorwürfe machen müssen, nicht alles probiert zu haben.“

Dass Handball in Österreich womöglich nicht den Stellenwert genießt, den sich der Sport in den vergangenen Jahren eigentlich erarbeitet hat (sechs Teilnahmen bei Großereignissen seit 2010), ärgert ihn. „Meine Wahrnehmung ist, dass man sich in Österreich schon etwas damit abgefunden hat, als Handballer kein Star zu sein. Dabei haben wir zum Beispiel viel mehr erreicht als die Fußballnationalmannschaft. Wir können uns in Zukunft nur so präsentieren, dass man einfach nicht mehr an uns vorbeikommt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2019)

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