Österreichs selbstbewusste Laufelite

Fünf Österreicher starten am Sonntag in Wien im Spitzenfeld. Ihre hoch gesteckten Ziele bewegen sich zwischen persönlichen Bestzeiten und dem Olympia-Limit.

v.l.n.r. Östrerreichs Marathon-Asse Peter Herzog, Christian Steinhammer, Eva Wutti, Lemawork Ketema, Valentin Pfeil
v.l.n.r. Östrerreichs Marathon-Asse Peter Herzog, Christian Steinhammer, Eva Wutti, Lemawork Ketema, Valentin Pfeil
v.l.n.r. Östrerreichs Marathon-Asse Peter Herzog, Christian Steinhammer, Eva Wutti, Lemawork Ketema, Valentin Pfeil – (c) VCM/Leo Hagen

Wien. Die Favoriten für den Wien-Marathon am Sonntag (8.30 Uhr, live ORF eins) kommen aus Kenia und der Schweiz. Vize-Europameister Tadesse Abraham aus der Schweiz bewirbt sich für den ersten europäischen Sieg in Wien nach 18 Jahren. Seine größten Kontrahenten werden die beiden Kenianer Kenneth Keter und Robert Chemosin sein. Der 22-jährige Keter ist ein Newcomer in der Szene, sein Marathondebüt im Oktober in Frankfurt mit einer Zeit von 2:07:34 Stunden ließ aufhorchen. Die heimischen Spitzenathleten werden zwar nicht um den Sieg mitlaufen, dennoch könnte der Sonntag für einige von ihnen der Griff nach den Sternen werden.

 

Tempomacher wurden knapp

Eine noch nie dagewesene Dichte an österreichischen Topläufern bringt selbst den erfahrenen Johannes Langer, langjährigen Renndirektor des Vienna City Marathon, in Verlegenheit. Da es heuer mit dem VCM Team Austria vier österreichische Männer mit hohen Ambitionen gibt, gingen dem Veranstalter beinahe die Tempomacher aus. Spitzenläufer werden bei einem Marathon von Tempomachern idealerweise bis etwa Kilometer 30 begleitet, erklärt Langer. Die Pacemaker sollen für eine gleichmäßige Geschwindigkeit sorgen, die sich an den Zielen der Spitzenläufer orientiert. „Es macht einen Unterschied, ob ein Läufer 3:10 Minuten oder 3:07 Minuten pro Kilometer laufen will“, erklärt er im Gespräch mit der „Presse“. Um einen Schrittmacher an den Start zu bekommen, muss man bis zu 5000 Euro auf den Tisch blättern, am Sonntag sind insgesamt 23 im Einsatz.

Österreichs Elite präsentiert sich stark wie nie und hat sich hohe Ziele gesteckt. Der 33-jährige Lemawork Ketema peilt am Sonntag das Olympia-Limit für Tokio 2020 von 2:11:30 Stunden an. Der gebürtige Äthiopier zeigt sich nach einem Höhentrainingslager in Afrika sehr zuversichtlich. Ehrgeizige Ambitionen verfolgt auch Valentin Pfeil. Der Schützling von Hubert Millonig hat sich mit einer deutschen Trainingsgruppe elf Wochen in Neuseeland vorbereitet. Er hat neue Trainingsformen gesucht und in den Wäldern Neuseelands auch gefunden. „Ich bin viel im Gelände gelaufen und habe auch zur Gänze auf Wettkämpfe verzichtet“, erzählt der Steirer. Er plant, das Rennen offensiver anzugehen als 2017. „Vielleicht gelingt ja etwas ganz Spezielles“, so der 30-Jährige, der bei einer Bestzeit von 2:14:50 Stunden hält.

In ähnlichen Zeitbereichen wie Pfeil könnte sich Peter Herzog, der Shootingstar des vergangenen Jahres, wiederfinden. Sein Zwischenziel sei es, bei der Wende beim Lusthaus im Prater „noch ein paar Körner zu haben“, so der Saalfeldener. „Denn bisher bin ich bei meinen Wien-Starts mehr ins Ziel gestorben als gelaufen“, erinnert er an seinen legendären Zieleinlauf im Vorjahr, als er das EM-Limit um gerade einmal drei Sekunden unterboten hat. Der Vierte im Herrenquartett ist Christian Steinhammer, Mitglied des Bronzeteams von Berlin 2018. Der Niederösterreicher will bei der Streckenhälfte mit 67 Minuten durchgehen. Dann könnte für den Trainingskollegen von Pfeil schon eine Marathon-Endzeit zwischen 2:14 und 2:15 Stunden herauskommen. Das wäre angesichts seiner bisherigen Bestzeit von 2:17:54 schon eine gewaltige Verbesserung.

Ebenfalls zum VCM Team Austria gehört die Kärntnerin Eva Wutti. Die ehemalige Triathletin wird am Sonntag ihren erst zweiten Marathon in Angriff nehmen. Nach dem Debüt im Vorjahr mit vielen Tränen – Wutti hat das EM-Limit nur um eine Minute verfehlt – bläst sie heuer zur Offensive. Geplant ist ein Kilometerschnitt von 3:40 Minuten, was auf dem Papier eine Endzeit von etwa 2:34 Stunden ergäbe.

Wien-Marathon-Chef Wolfgang Konrad zeigt sich von den starken Ansagen der heimischen Top-Marathonläufer begeistert. Für ihn resultieren die hohen Erwartungen der Läufer auch aus deren gewachsenen Selbstvertrauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2019)

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