Eishockey: Österreich steigt aus der A-WM ab

Von Siegertypen, Prügelknaben und Glückspilzen - Österreichs Eishockey-Team mühte sich im Abstiegs-Thriller bei der WM gegen Italien bis ins Penalty-Shootout.

ICE HOCKEY - IIHF WC 2019, AUT vs ITA
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Bratislava. Italien ist wirklich alles, nur keine Eishockey-Großmacht. Dennoch schafften es die „Azzurri on Ice“ – es sind Halb-Amateure – , Österreich aus der Weltelite zu drängen. Das direkte Gruppenspiel um den Abstieg aus dem A-Pool führte nach dem 3:3 (2:1, 0:1, 1:1) bis ins Penaltyschießen. Komarek traf, Miceli auch - und Rosa ebenso wie Rauchenwald. Im 14. Penalty fiel die Entscheidung: McMonagle traf und Österreich steigt in die Division Ia (2020 in Rumänien) ab.

8000 Zuschauer drängten zum billigsten Spiel der Eishockey-WM 2019. Karten gab es ab 10 Euro – ansonst wäre die WM-Arena mit einem 10.000 Zuschauer Fassungsvermögen vielleicht leer geblieben. „Immer wieder“ dröhnte es durchs Oval, in dem Slovan Bratislava normalerweise seine KHL-Heimspiele bestreitet. Doch es war Italien, das mit dem 1:0 (Bardaro, 10.) zuerst jubeln durfte.

Schweizer Entwicklungshelfer

Ganahl (12.) und NHL-Legionär Michael M. Raffl (17.) sorgten für die Wende, die Verbandspräsident Gernot Mittendorfer hoffen ließ. Vor dem Bully sagte er zur „Presse“: „Es wird ein hartes Spiel. Ich glaube daran, dass Roger Bader das richtige Rezept parat hat.“

Bader, ein 55-jähriger Schweizer, wacht seit 2016 hinter der Bande des A-Teams und wird in seiner Heimat als „Entwicklungshelfer“ gepriesen. Nur: Miceli gelang im zweiten Drittel, in dem Österreichs Spieler zu oft harmlos umherkurvten, der Ausgleich. 2:2 (35.), Keeper Kickert war heillos verloren, auch beim 2:3 machte er keine gute Figur. Er ließ den Schuss von der Schulter ins Tor abprallen . . .

NHL-Spieler Raffl (Philadelphia) sorgte im Schlussdrittel für neue Hoffnung, stellte auf 3:3 (43.). Doch selbst Powerplay-Situationen (Überzahl) wurden stümperhaft vergeben – aber auch vom Gegner. Hektik und Unvermögen führten in die Verlängerung (5 Minuten, 3 gegen 3) und ins Penalty-Shootout.

Nach Niederlagen gegen Lettland (2:5), Russland (0:5), Schweiz (0:4), Schweden (1:9), Norwegen (3:5), Tschechien (0:8) und dem Gemurkse gegen Italien offenbarten sich folglich zwei Puck-Welten. Österreich Team stagniert, es gibt keinen Fortschritt.

England (Klassenerhalt mit 4:3 n. Verlängerung gegen Frankreich) gelang die Sensation. Schweden (5:4 gegen Lettland), Finnland, USA, Kanada, Deutschland, Russland, Tschechien, Schweiz und Schweden stehen im Viertelfinale.

Die Gegner im kommenden Jahr werden bei der Weltmeisterschaft Division I Gruppe A Mitabsteiger Frankreich, Südkorea, Slowenien, Ungarn und Rumänien sein.

Reaktionen:

Michael Raffl: "Wir haben gewusst, es geht um ein Spiel, da kann sehr viel passieren. Wir haben größtenteils schon dominiert, phasenweise aber nicht das gespielt, was wir spielen wollten. Wir haben schon sehr kompakt gespielt im ersten Drittel, dann aber vielleicht geglaubt, dass wir besser sind, als wir es sind. Wir waren da nicht konsequent genug und sind dafür bestraft worden. Im Penaltyschießen kann dann alles passieren. Italien ist verdient oben geblieben, ich kann ihnen nur gratulieren. Wir haben verloren, deshalb war es nicht genug."

Alexander Rauchenwald: "Wir haben ihnen zu einfach die Tore gegeben, sie haben mit 22 Schüssen 3 Tore geschossen, das waren im Grunde Fehler von uns, das darf nicht passieren in so einem wichtigen Spiel. Wir haben ein paar Mal das leere Tor gehabt und nicht getroffen. In der Overtime haben wir auch das Spiel kontrolliert. Im Penaltyschießen kann es auf beide Seiten fallen, dieses Mal ist es auf die italienische Seite gefallen."

Manuel Ganahl:"Ich glaube, sie haben es sich mehr verdient, wir waren in machen Situationen zu schlampig, sie haben gekämpft, sich reingeschmissen, da war der Kampfgeist zu spüren. Ich glaube, wir sind von der Einstellung her super reingegangen, aber wir haben es nicht geschafft, den Druck über das Spiel aufrecht zu erhalten. Es ist bitter, es ist hart, es hätte absolut nicht sein müssen."

Andreas Bernard (Italien-Torhüter): "Die letzten zehn Tage waren die härtesten meines Lebens, danke an das ganze Coaching-Team. Wir haben oft so hoch verloren, aber wir haben an uns geglaubt. Wir haben das letzte Spiel gewonnen, das war alles, was wir wollten. Nächstes Jahr werden wir stärker sein."

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